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Sein Vater war der Chef des Diogenes Verlags. Letztes Jahr hat Philipp Keel das Verlags-Erbe angetreten. Zuvor hat er sich aber längst selbst einen Namen als Fotograf gemacht. Wichtig ist ihm als Verlagschef, dass er Künstler bleiben kann. Die Berliner Galerie Camera Work zeigt jetzt einige seiner Bilder.
Philipp Keel fotografiert die Mitarbeiter von Camera Work. Zugegeben, er macht das jetzt nur für uns, aber auch das macht er mit Begeisterung. Und die hat er schon mit 15 Jahren entdeckt, als er mit einem Freund nach Paris fuhr und alles fotografierte, was er spannend fand.
Philipp Keel inszeniert nichts, er hält Augenblicke fest. Ihn interessiert nicht so sehr die Abbildung von Realität, er achtet lieber auf unscheinbare Details. Oft skuril und spielerisch, wie in der Serie "Luftmatrazen".
Dass er eine künstlerische Ader hat, hat er schon früh gemerkt. Kein Wunder: Seine Mutter Anna Keel war Malerin.
Philipp Keel, Künstler & Verleger
"Bei mir war es eindeutig so, dass ich früh dachte, irgendwas ist merkwürdig mit mir. Schon beim Spielen und wenn ich meine ersten Zeichnungen angesehen und verglichen habe in der Primarschule oder im Kindergarten dachte ich, die machen das schon ein bisschen anders als ich."
Philipp Keel ist der Sohn von Daniel Keel, dem berühmt Chefs des Diogenes Verlags. Philipp saß auf dem Schoss von Loriot und aß Spaghetti mit George Simenon. Fellini ging ein und aus im Hause Keel.
Wie viele Kinder berühmten Eltern, musste auch Philipp Keel mühsam seinen eigenen Weg finden.
Philipp Keel, Künstler & Verleger
"Es war nicht einfach für mich als Künstler mich entwickeln zu können, weil viele dachten, der hat sowieso alles erlebt, er hat sowieso mit allen Künstlern zu tun gehabt, sein Vater ist Verleger und die Mutter ist Künstlerin. Ich denke, das Allerschlimmste, was ich erfahren habe in der Zeit als ich aufgewachsen bin, ist der Neid, das ist was Furchtbares."
Deshalb will Philipp Keel weg von Zuhause. Er zieht nach Kalifornien. Nach einem Musikstudium in Berkeley, geht er an die Filmakademie in München. Er will er sich beweisen, dass er als Künstler und Schriftsteller erfolgreich sein kann.
20 Jahre lebt er dann in Los Angeles, schreibt mit "all about me" ein millionenfach verkauftes Ratgeberbuch. Seine Fotos werden auf den wichtigsten Kunstmessen gezeigt.
Philipp Keel, Künstler & Verleger
"Ich war nie der Rebell, der mit Öldosen um sich herumgeworfen hat oder vollkommen bekifft durch irgendwelche Leinwände gesprungen ist oder als Wilder sich besonders wichtig gemacht hätte. Ich habe immer nur die Kunst so gemacht, wie ich sie kann, wie sie hier sehen. Ich kann es nicht anders. Alles was nicht so aussehen würde in meinem Leben, wäre nicht so natürlich, das könnte gar nicht von mir sein."
2011 stirbt seine Mutter, ein Jahr später sein Vater. Philipp Kehl packt seine Sachen, geht heim nach Zürich und übernimmt den Verlag. Seit 2012 ist er der Diogenes-Mann. Trotzdem: Künstler will er weiter bleiben.
Philipp Keel, Künstler & Verleger
"Dann wenn ich merke, jetzt ist zuviel Verlag, zuviel Unternehmen, zuviel Verantwortung, zuviel Geld, zuviel Menschen, dann ziehe ich mich zurück und mache so was."
Ganz schön viel für einen. Aber er kommt gut mit seinen beiden Rollen zurecht, denn Philipp Keel wusste wahrscheinlich schon immer, dass er wieder dahin zurückkehrt, von wo er vor langer Zeit geflohen war.
Autorin: Yvonne von Kalinowsky







