- Hans Jürgen Gaudeck

Die Lyrikerin Evas Strittmatter war eine der meistgelesenen Autorinnen der DDR und großer Fontane-Fan. Sie lebte viele Jahre auf dem Schulzenhof in der Nähe von Neuruppin. Und genau an diesen Ort kam eines Tages der Aquarellmaler Hans-Jürgen Gaudeck, der poetische Bilder davon malte.

"Ich werde immer wieder fliehen.
Nicht nur der Sommer reißt mich fort.
Auch die Novembernebel ziehen
Mich mit sich.  - Es gibt keinen Ort,
Der mir gehört, an dem ich hause,
Wie einer, der lang bleiben will.
Ich mische mich ins Windgebrause.
Lös mich im Regen. Und bin still."


Hans-Jürgen Gaudeck, Maler
"Eva Strittmatter hat ja sehr viel über Seen, über Kiefernwälder, über die Seen, die Wolken und natürlich auch über die herrlichen Klangfarben, die sie in ihren Gedichten so wunderbar gezeichnet hat. Das ist ja eine Malerei der Lyrik, insofern ist das für mich eine wunderbare Übereinstimmung, mich mit ihr in einen Dialog zu begeben."

Nebel fällt vom Laub in Kaskaden.
Wie wichtig ein einzelner Tropfen wird!
Durchs Wiesental treiben Frühnebelschwaden.
So könnte man stehen und könnte sehen
Wie Zeit entsteht und wie Leben vergeht
Und wie die Wandlungen mählich geschehen
Vor denen uns jäh der Atem vergeht"


Hans-Jürgen Gaudeck, Maler
"Insofern ist es sehr, sehr schön hier in der Natur zu malen - mit ihr. Und gerade auch hier, wo sie ihren Wohnort gehabt hat, lange, lange Zeit."


"Meine Birke, mein Bach, meine Wiese.
Was mir nicht gehört, ist mir näher als das,
Was ich wirklich besitze.
Ein Haus könnte ich wohl überall haben,
Und Länder gibt es, die liebe ich sehr.
Aber würde ich mich woanders eingraben,
Ich schlüge doch keine Wurzeln mehr.
Meine Birke, mein Bach, meine einsamen Wege.
Hier lebe ich mit der Freiheit, zu gehen,
Und bleibe: Ich habe mich noch  immer
An der Schönheit des Sandes nicht satt gesehen."


Hans-Jürgen Gaudeck, Maler
"Als Märker bin ich natürlich besonders fasziniert von der märkischen Landschaft. Ich mag also die Stimmung, diese herbe, melancholische Landschaft, die mich ohnehin als Maler besonders anzieht. Das ist meine Malweise, diese sehr minimalisierten Linien und die Bäume, die in den verschiedenen Jahreszeiten ihren Reiz haben."


Hans-Jürgen Gaudeck, Maler
"Ihre Gedichte, ihre Lyrik - das sind Klangbilder, die eine gewisse Spannung und Melancholie ausstrahlen. Ich betrachte also diese Melancholie einer Landschaft, einer bestimmten Stimmung immer als etwas Ästhetisches, Schönes, was mich sehr befriedigt."

Es ist, als ist ein Klingen
In der Luft wie von silbernen Hämmern
Oder sehr fernen Schlittenschellen.
Der Schnee beginnt einzudämmern.
Er wird blau. Der Horizont
Wird gelb und transparent.
Himmel und Erde sind
Von keinem Glauben getrennt.


Hans-Jürgen Gaudeck, Maler

"Diese Aquarellfarbe hat ja eine wunderschöne Transparenz, da schießt das Licht auch in einer Form rein, wie Sie das bei der Öltechnik oder der Acryltechnik nicht so stark übersetzen können. Das ist natürlich bei der Aquarelltechnik schön, dass Sie ganz spontan eine bestimmte Stimmung aufnehmen können und dann aufs Papier setzen."

Man müsste doch malen können.
Denn für den, der nicht weiß, was man meint,
Kann man mit Worten nicht schildern,
Wie die Sonne septemberlich scheint.
Doch der leise  Schmerz der Verwandlung,
Der die Frühe kühl überzieht,
Ist von keinem Maler zu malen:
Er lebt nur als Moll-Ton im Lied.


Autorin: Marina Farschid

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