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In der Komischen Oper in Berlin steht eine Woche lang der russische Komponist Sergej Prokofjew im Mittelpunkt. Nach über 40 Jahren ist seine Oper "Der feurige Engel" wieder in Berlin zu erleben. Regie führt der Australier Benedict Andrews, der ansonsten mit Schauspielerinnen wie Cate Blanchett oder Isabel Huppert zu arbeiten pflegt.
Benedict Andrews ist für seine psychologische Herangehensweise bekannt, der australische Regisseur inszeniert weltweit und gilt als Regie-Star. So entspannt und ruhig er in den Proben auch wirkt, Benedict Andrews eilt ein Ruf als strenger Regisseur voraus, der seinen Schauspielern alles abverlangt. Zu spüren bekam das auch Cate Blanchett, mit der er drei Theaterstücke inszeniert hat. Die Proben mit Andrews seien kräftezehrend, fast brutal, sagte Cate Blanchett in einem Interview.
Benedict Andrews, Regisseur
"Ich muss jemanden kennenlernen können auf der Bühne, meine Schauspieler dürfen sich nicht hinter einer Maske oder einem Klischee verstecken, sie müssen alles offenbaren, weil ich finde, dass Theater und Oper das einfach verlangen."
Zum ersten Mal probt der 41-Jährige seine neue Oper mit Kostüm und Orchester. Benedict Andrews liebt und hasst diesen Moment zugleich.
Im Mittelpunkt seiner Inszenierung steht eine Frau, die sich nach einem Engel verzehrt. Gepeinigt von einer traumatischen Kindheit versinkt sie im Wahn, unerreichbar für den irdischen Verehrer, der sie mit Gewalt von seiner Liebe überzeugen will.
Sergej Prokofjews Oper "Der feurige Engel" bringt Regisseur Benedict Andrews als verstörendes Psychogramm einer gequälten Frau auf die Bühne. Schonungslos zeigt er, wie sich ihr Wahnsinn, ihr Selbstzerstörungsdrang immer weiter steigern.
Benedict Andrews, Regisseur
"Theater bedeutet für mich eine Art Sicherheitsbereich, in dem wir uns Dinge ansehen können, die uns im wirklichen Leben im Irrenhaus oder Gefängnis landen lassen, die uns schockieren und verwirren. Im Theater können wir uns sozusagen am Schock ergötzen."
Wenn er probt, ist er wie besessen, sagt Benedict Andrews. In seiner Wahlheimat Island war er schon länger nicht mehr, die meiste Zeit seines Lebens verbringt er im Moment im Theater. Und auch hier gönnt er sich nur ausgesprochen kurze Pausen.
Auf der Bühne zerlegt Benedict Andrews seine Figuren, seziert sie auf fast grausame, schmerzhafte Weise. Und so nennt er seine neue Oper denn auch einen psychosexuellen Thriller.
Benedict Andrews, Regisseur
„Mich interessiert Begehren, sich nach etwas zu verzehren, und wie dieses Begehren jemanden verwandeln kann, wie es die Menschen aus ihrem Komfort treibt. Und auf der Bühne lasse ich das Begehren zum Funken werden, der die Welt verändert."
Autorin: Katharina Wenzel








