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Abdul, ein Scheich aus dem Jemen, Farid aus dem Iran und Brian aus Kamerun, leben als Asylbewerber im brandenburgischen Bad Belzig. Dorffeste, Diskotheken und Amtsgänge: Die Regisseurinnen Judith Keil und Antje Kruska haben die drei ein Jahr lang durch ihren Alltag begleitet. Ihre Suche nach Teilhabe an der deutschen Gesellschaft ist ebenso ergreifend wie unfreiwillig komisch.
Stadtfest in Bad Belzig - und auch die Asylbewerber sind eingeladen.
Szene aus "Land in Sicht"
"This dance is not for sex, sondern for culture."
Aha. Die Sozialarbeiterin Rose sorgt für unfreiwillige Komik in der Tristesse des Heimlebens in Bad Belzig.
"Land in Sicht" heißt der Dokumentarfilm, den Judith Keil und Antje Kruska gedreht haben. Es geht um den Alltag und den Kampf um "Aufenthalt" von Flüchtlingen in Brandenburg. Die zwei Filmemacherinnen zeigen, trotz aller Tragik, die absurden Seiten dieses Kultur-Clashs:
Judith Keil, Regisseurin
"Humor und Komik ist uns immer wichtig in allen unseren Filmen, genau, wie uns wichtig ist, dass man die emotionale Palette voll nutzen kann, weil, also, es sollen ja Filme sein übers Leben und über Menschen, und da ist zu große Vorsicht total hinderlich."
Abdul ist ein Scheich aus dem Jemen, er kam mit einer schweren Schussverletzung an. Zeitweise in eine Wohnung einquartiert, hat er gerade die Sozialarbeiterin und seinen skeptischen Nachbarn zu Gast.
Szene aus "Land in Sicht"
"Ich hab noch nie was gegen Ausländer gehabt, aber das einzige, was mir bei dir nicht gefällt, dass du anfängst mit deine Hühner kochen, die Gerüche, die ist man nicht gewöhnt."
Antje Kruska, Regisseurin
"Wir haben nie vor Leute vorzuführen, also dieser Nachbar von Abdul, genannt Opa, der ist schon ein sehr spezieller Kandidat, der kam tatsächlich auch total zufällig und bildet natürlich auch etwas ab, was absolut als Stimmung existiert."
"Land in Sicht" portraitiert drei völlig verschiedene Männer. Brian hat seine Familie in Kamerun zurückgelassen. Er, der älteste Sohn, soll es richten im vermeintlichen Paradies.
Szene aus "Land in Sicht"
"Ich möchte dich kennen, ich möchte deine Ideen kennen, ich möchte deine Träume kennen, vielleicht hast du sogar Träume."
"Ja."
"Welchen Traum hast du?"
"Ich bin eine Kämpfernatur, ich kann überall leben."
"Survival-Brian."
Weil Farid in Teheran auf einer Demonstration gegen die Regierung auffällig wurde, suchte ihn die Geheimpolizei. Er ist über Umwege nach Deutschland geflohen, Frau und Kind musste er zurücklassen, das macht ihn depressiv.
Sie ist seit 20 Jahren die Sozialarbeiterin im Asylbewerberheim Bad Belzig: Rose Dittfurth hat viele kommen und gehen sehen, ein Schutzengel für die Flüchtlinge will sie sein - sie kämpft gegen Residenzpflicht und für eine Willkommenskultur.
Rose Dittfurth, Sozialarbeiterin
"Ich weiß ja eigentlich schon viel früher, dass in der Regel die Leute, wenn sie hier ankommen, spätestens nach drei Monaten in ein tiefes Loch fallen und die Depressionen anfangen, dann überlege ich mir schon im Voraus, wie kann ich dem entgegen treten."
Rose geht unkonventionelle Wege und bringt Farid, der in seiner iranischen Heimat ein großer Aikido-Meister ist, im Fitness Center als Trainer unter - unentgeltlich. Als Ausgleich darf er kostenfrei trainieren. Seine Trainerstunden hatte er sich anders vorgestellt, es melden sich schließlich nur Frauen, die "Fun" haben wollen.
Abdul bemüht sich derweil bei der Arbeitsvermittlung um einen Job. Eine seiner angekreuzten Kernkompetenzen wird in Zweifel gezogen.
Szene aus "Land in Sicht"
Sachbearbeiterin: "Kommunikationsfähigkeit? Wo ich jetzt persönlich schon die Probleme sehe, weil Kommunikation ist jetzt bei uns schon erschwert, aufgrund der Sprachbarriere."
Abdul zu Übersetzer: "Was sagt sie?"
Ein absurdes Theater, dank Sprachbarriere.
Antje Kruska, Regisseurin
"Deutsch sprechen hilft auf jeden Fall und macht vielleicht dann auch mehr Lust auf dieses Land, weil man eben kommunizieren kann und die Wartezeit..."
Judith Keil, Regisseurin
"Ja, diese Wartezeit und dass diese Asylverfahren einfach schneller bearbeitet werden."
Szene aus "Land in Sicht"
„Es gibt immer einen Weg.“
Auch wenn die Komik manchmal etwas arrangiert wirkt, "Land in Sicht" holt Schicksale und Flüchtlingsbiografien auf die Leinwand, die sonst im Schatten bleiben.
Autor: Sascha Hilpert









