-
Das Staatstheater Cottbus bringt die Oper "Peer Gynt" auf die Bühne. Bereits vor 50 Jahren wurde das Werk von Komponist Werner Egk gezeigt. Egk war ein bedeutender Komponist der Nazi-Zeit, Hitler war bei der Peer-Gynt-Uraufführung 1938 an der Staatsoper in Berlin. Nach dem Krieg gab es kein großes Interesse mehr an dem umstrittenen Werk. Warum jetzt diese umstrittene Oper in Cottbus?
In diesen Tagen geht für Martin Schüler ein alter beruflicher Wunsch in Erfüllung. Die Oper "Peer Gynt" wollte er schon immer einmal inszenieren, immer wieder hat er das Vorhaben verschoben. Jetzt aber hat alles gepasst.
Martin Schüler, Intendant
"Ich habe das 1977 gesehen in der Oper Leipzig. Ich war 19 Jahre alt, ich habe das ohne Vorwarnung gesehen. Mein damaliger Lehrer Harry Kupfer hatte gesagt, fahren sie dahin, da läuft eine Oper, die wird ganz selten gespielt. Den Tipp habe ich wahrgenommen, bin hin, unvorbereitet, hatte gar keine Ahnung, weder vom Stoff, noch von der Musik und war überwältigt."
Die Geschichte des rücksichtslosen Phantasten Peer Gynt, der nach schnellem Ruhm und Reichtum strebt, von mythischen Trollen verführt wird, gar ihr König werden soll.
Szene aus "Peer Gynt"
"Der aber ist jung und stark gebaut, dem gönne ich mein Reich. Und auch die Braut."
Eine Komposition von Werner Egk, dessen Werke sind heute von den Spielplänen so gut wie verschwunden. Dirigent Evan Christ aber ist begeistert von "Peer Gynt", der vielschichtigen, mitreißenden Partitur.
Evan Christ, Dirigent
"Werner Egk ist eine Welt für sich. Das ist eine harmonische Welt, eine Klangwelt, das erinnert mich ein bisschen an die 20er Jahre Amerika, das hat Kurt-Weill-Elemente, das ist Vaudeville, das ist Charlie Chaplin. Dieser Humor, dieser Witz, dieser Drive und diese ganzen Emotionen, es ist eine Sprache für sich."
Werner Egk, Dirigent (1965)
"Dieses Werk entstand im Auftrag der Preußischen Staatsoper. Die Uraufführung fand im Herbst 1938 unter spannungsgeladenen Umständen statt."
Hitler soll ihm nach einer Aufführung gratuliert haben. Joseph Goebbels notierte: "Den Namen muss man sich merken." Eine undurchsichtige Biographie. Eine rasante Karriere im Nationalsozialismus, aber auch nach dem Krieg war er erfolgreich: Musikprofessor, Leiter der Gema, Komponist des Wiederaufbaus. Für Martin Schüler eine typisch deutsche Biographie.
Martin Schüler, Intendant
"Man muss verstehen, dass Werner Egk im besten Alter war, 30 Jahre. Und er erlag natürlich der Verführung der Nazis. Das heißt, es waren ja auf einmal Ämter frei und da kamen junge Leute rein, und der Verführung erlag er. Er konnte Karriere machen."
Evan Christ, Dirigent
"Es geht nicht darum, Werner Egk zu feiern und nicht, Werner Egk wieder zu entdecken, sondern das Stück, und alles, was damit zusammenhängt, das wieder irgendwie in den Blick zu rücken."
Um Verführung geht es auch in Peer Gynt. Kaiser will er werden, doch er droht zu zerbrechen an der Leere seines rastlosen Lebens. Wäre nicht die Liebe ein letzter Halt.
Martin Schüler, Intendant
"Die Hoffnung stirbt nicht - insofern ist Peer Gynt für mich ein großes Paradebeispiel eines großen Entwurfs von vielen Schichten, die im Leben einem passieren können."
So kehrt auch der verlorene Peer Gynt eines Tages nach Hause zurück. Cottbus steht ein bemerkenswerter Opernabend bevor.
Autor: Steffen Prell








