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"The Tramp" war seine Paraderolle - ein Tollpatsch mit dem Aussehen eines Vagabunden und der Würde eines Gentleman. Das erste mal schlüpfte Charlie Chaplin vor genau 100 Jahren in diese Rolle und wurde weltberühmt. Zum Jubiläum erinnern sich Berliner an diesen großen Komiker - wie Milan Peschel, der sogar seine Abschlußarbeit an der Schauspielschule einst über Chaplin schrieb. (Das Video zum Beitrag liegt aus lizenzrechtlichen Gründen nicht vor.)
Viel zu große Schuhe, ein Spazierstock und das kleine Schnurbärtchen - mehr braucht Charlie Chaplin nicht für eine der berühmtesten Figuren der Filmgeschichte: Tragisch-komisch, selbstvergessen, anrührend: Der Tramp.
Milan Peschel, Schauspieler und Chaplin-Fan
"Seit ich ein Kind bin, liebe ich die Filme, und Chaplin ist so eine ganz wichtiges Vorbild und Leitfigur auch, gerade auch weil er so universal ist, ohne die Sprache auch ausgekommen ist, meistens, und weil er nicht nur bloßer Klamauk ist und weil es auch eine große Tiefe hat seine Filme."
Schon in den 1920er Jahren ist der kleine Mann mit dem Hut eine Kultfigur - hundertfach imitiert.
Der Berliner Pantomine Joseph Sternweiler spielt ihn seit über 20 Jahren. Mit ungebrochener Begeisterung.
Joseph Sternweiler, Chaplin-Double
"Für mich ist er so wie das Kind im Manne, dass er also ständig auslebt, was mir persönlich auch sehr liegt, also naiv oder direkt zu reagieren, unverfälscht ehrlich auf die Menschen zuzugehen, ohne sich zu verstellen."
1914 erscheint der Vagabund zum ersten Mal auf der Leinwand: ein freches, kleines Kerlchen, das überall stört. Das Publikum ist begeistert. Mit dem Tramp wird Charlie Chaplin ein Star der Stummfilmära.
Chaplin ist ein Meister der Parodie und des Slapsticks. Sein kleiner Vagabund erzählt vom alltäglichen Kampf des kleinen Mannes, wie etwa im Film "Die Bank", in dem er mit Putzen sein Geld verdient.
Milan Peschel, Schauspieler und Chaplin-Fan
"Bei Chaplin merkt man eben doch, dass er vom Theater kommt, vom Vaudeville aus dem Theater diese komischen Nummer, vom Tanz, er ist ja auch ein Tänzer, er ist ja auch unglaublich musikalisch, ja körperlich."
Zum 100. Geburtstag des Tramps probt Joseph Sternweiler mit Regisseur Lorenz Christian Köhler eine Hommage an Charlie Chaplin.
Joseph Sternweiler, Chaplin-Double
"Pantomimisch ist das eben eine sehr dankbare Figur, weil die eben so wackelt, also eine deutliche Figur ist, die sich absetzt von anderen, aber die Figur die lebt auch so von den ganzen Feinheiten, was ich toll finde, dass es nicht nur plakativ ein Wackelgang ist, sondern richtig lebt."
Der Film "Goldrausch" von 1925. Der Tramp verändert sich. Die Filmparodie wird zur beißenden Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen: Armut, Hunger, Sehnsucht nach einem besseren Leben. Auch wenn es nur einen Schuh zum Mittagessen gibt. Der Tramp lässt sich nicht unterkriegen.
Der Hunger löst Halluzinationen aus. Damals fasziniert der Film das Publikum, der Ausschnitt muss in einer Vorführung mehrmals gezeigt werden.
Als Amerika mitten in der großen Depression steckt, entsteht "Moderne Zeiten". Der Tramp kämpft gegen das gnadenlose Räderwerk der ökonomischen Zwänge - und wird zufällig zum tragi-komischen Helden einer Arbeiterdemonstration.
Milan Peschel, Schauspieler und Chaplin-Fan
"Mit Modern Times auch ganz offensive, wenn er eben die rote Fahne schwenkt, die ist zufällig vom Laster gefallen und zufällig steht er dann an der Spitze von dieser Demonstration, das ist schon toll, wie er diese Themen dann wieder zusammen bringt. Große Kunst."
Mit "Modern Times" verabschiedet sich der Tramp und persifliert den Tonfilm: Er erhebt erstmals seine Stimme - und ist doch nicht zu verstehen.
Charlie Chaplin wird noch viele große Filme drehen und den Lauf der Geschichte kommentieren. Aber der kleine Vagabund aus der Stummfilmzeit bleibt unvergessen.
Autor: Margarete Kreuzer






