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Tipp 1: Türkischer Markt am Maybachufer
Tipp 2: Ocelot Buchhandlung
Tipp 3: Altes Museum
Hinter dem neuen Buch der Autorin Ariadne von Schirach "Du sollst nicht funktionieren" verbirgt sich ein leidenschaftliches Plädoyer für eine neue Lebenskunst: Statt ständig an der eigenen Selbstoptimierung zu arbeiten, fordert Ariadne von Schirach die Rückbesinnung auf das echte Leben.
Radikale Thesen sind ihr Markenzeichen, seitdem sie mit ihrem Buch "Der Tanz um die Lust" 2007 die Bestsellerlisten erstürmte. Damals ging es um die pornographisierte Gesellschaft, jetzt prangert sie an, dass wir ständig funktionieren müssen, überall.
Ariadne von Schirach schätzt den Türkenmarkt am Maybachufer als Kristallisationspunkt unserer Gesellschaft.
Ariadne von Schirach, Autorin
"In meinem Buch habe ich mich gefragt, was eigentlich mit unseren Beziehungen passiert, wenn der Markt plötzlich allgegenwärtig ist. Oder das Marktdenken, die Berechnung. Das ist etwas, was uns bedrückt, Märkte an sich sind aber eine wunderbare Sache, die die Lebenskunst erhöhen."
Die griechischen Delikatessen haben es ihr besonders angetan. Aber wer sich dieser Leidenschaft hemmungslos hingibt, ist in unserer Gesellschaft längst ein Außenseiter, sagt sie.
Ariadne von Schirach, Autorin
"Das Essen hat sich mittlerweile in unseren Feind verwandelt, weil alle ständig abnehmen müssen, damit sie ewig jung aussehen. Das ist auch ein Thema in meinem Buch, da geht es um den Umgang mit dem Körper, und das Genießen haben wir eigentlich verlernt."
Als nächstes zeigt uns Ariadne von Schirach ihre Lieblingsbuchhandlung, das Ozelot in der Brunnenstrasse in Mitte, ihrem Kiez.
Ariadne von Schirach, Autorin
"Ich bin süchtig nach diesen Auslagen, da kann ich kaum dran vorbeigehen, ohne dass ich das kaufen oder besitzen will."
Hier ist ein ehemaliger Schleckermarkt zu einem aufregenden Kulturort geworden.
Ariadne von Schirach, Autorin
"Die Leute sind in unserer Zeit sehr mit sich beschäftigt, und Bücher sind ein Fenster in eine andere Welt, in einen anderen Kopf, in eine andere Zeit, in andere Gefühle, und ich glaube, wer einmal um eine Buchfigur geweint hat, die gestorben ist, der ist nicht mehr so anfällig für diese totale Selbstbezogenheit, Deshalb denke ich, dass Bücher die wertvollsten Verbündeten sind gegen das blödsinnige Funktionieren und für das Nachdenken."
Anstatt ins Fitnessstudio geht Ariadne von Schirach lieber mal ins Museum.
Ariadne von Schirach, Autorin
"Wir sind hier im Kuppelsaal des Alten Museums in der Rotunde. Alles, was hier ist, ist schön, aber nicht nützlich. Zum Beispiel diese Statuen: Die sind erhebend, aber wofür taugen sie denn? Orte wie diese in ihrer Schönheit erinnern uns daran, dass zum einen unsere Seele erhoben wird, weil es eben doch dazu Nutze ist, und zum anderen erinnert uns die Nutzlosigkeit daran, dass wir selber auch nicht immer zu allem etwas nütze sein müssen."
Es kann also funktionieren - mit dem Nichtfunktionieren.
Autor: Lutz Ehrlich







