- Verbotene Filme

In der Nazizeit wurden weit über eintausend Spielfilme gedreht. Viele von ihnen antisemitisch und menschenverachtend, wie "Jud Süss". Einige dieser Filme sind bis heute im Giftschrank. Die Dokumentation "Verbotene Filme" fragt nach dem richtigen Umgang mit diesem schwierigen Erbe der Filmgeschichte.

Bundesarchiv Film – hier ist der Dokumentarfilmer Felix Möller auf Spurensuche gegangen. In klimatisierten Betonbunkern lagern deutsche Filme aus den Jahren 1933 – 1945 - als Nitrozellulosekopien. Sprengstoff in doppelter Hinsicht. 70 Jahre nach Kriegsende sind immer noch 40 Filme für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Felix Möller, Dokumentarfilmer
"Es ist beeindruckend viel finde ich noch und da hat mich einfach interessiert, was sind das für Filme, sind die heute noch gefährlich. Wie wirken die auf ein heutiges Publikum und wir gehen wir damit um?"

Diese 40 Propagandafilme zulassen? Filme die antisemitisch sind, die hetzten, den Krieg verherrlichen. Filme die Jugendliche mobilisieren sollen.

Sind diese Filme heute noch gefährlich oder einfach nur beklemmend und lächerlich.  Der Frage ist Felix Möller nachgegangen, er hat mit Zuschauern und Experten gesprochen in Deutschland, Frankreich und in Israel. Er zeigt in Jerusalem den antisemitischen Hetzfilm "Jud Süss". Von den Zuschauern möchte er wissen, verbieten oder freigeben:

"Der Film ist veraltet, voller überholter Bilder und Karikaturen. Das heute noch zu verbieten grenzt doch an Dummheit."

Moshe Zimmermann, Historiker
"Wenn jemand Jud Süss heute sieht und dann zum Antisemiten wird, dann bedeutet es nicht, dass man einen Fehler begangen hat mit dem Film Jud Süss, sondern mit der Erziehung vorher."

Aber trotzdem wird der Film bis heute als Propaganda von Rechtsextremen benutzt.

Felix Möller
"Vieles was heute überholt wirkt, was heute unfreiwillig komisch ist, kostümierte Historie ist, sicherlich uns wirklich nicht mehr so betroffen macht, dann aber auch so Sachen bei dem die Bezüge ganz aktuell sind zu heutiger rechtsextremer neonazistischer Propaganda, wo man wirklich denkt, die müssen diese Filme alle gesehen haben und schöpfen auch noch daraus."

In rechtsextremen Kreisen sind die Filme immer noch verbreitet, werden aufgeführt. Es sind ganz normale Zuschauer, die diese verbotene Filme nicht sehen dürfen, alle sollten die Chance haben, sich damit auseinanderzusetzen meint Oskar Roehler.  

Oskar Roehler, Filmregisseur
"Ich denke so herausragende Propagandabeispiele auch wenn sie in so eine negative Richtung gehen, die würde ich eigentlich niemandem vorenthalten wollen, weil die sind ja einfach interessant, da kann jeder dann damit machen, was er will, vor allem auch, wenn jemand Schriftsteller ist oder Historiker, wer diese Sachen nicht kennt, der weiß wenig über unser Land."

Für eine schrittweise Freigabe der verbotenen Filme ist auch Felix Möller. Mit seinem Film will er eine Debatte darüber anregen.

Autorin: Bettina Lehnert

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