- Wolfgang Beltracchi

Der Fälscher als Film-Held. Wolfgang Beltracchi gibt sich selbstbewusst bis selbst-herrlich - und die Zuschauer dürfen in "Beltracchi - Die Kunst der Fälschung" hautnah dabei sein, wenn ein echtes falsches Bild entsteht.

Der Dokumentarfilm feiert Beltracchi - als Gauner mit Chuzpe. Wir erzählen, was dieser Dokumentarfilm verschweigt. Die Geschichte der Verhaftung Beltracchis. Wie wird der scheinbar so unfehlbare Fälscher ertappt? Welchen Fehler macht er – nach 40 Jahren Fälscherei? Es ist die Berliner Polizei, die diesen Coup landet, ihn überführt.

Kriminalhauptkommissar Allonge verwahrt einige der Beltracchi Fälschungen in seinem Büro. Darunter ein Bild, das Beltracchi noch kurz vor seiner Verhaftung verkaufen wollte…

René Allonge, Kriminalhauptkommissar
"Das war eine der letzten Fälschungen, die Wolfgang Beltracchi beziehungsweise die Bande in den Verkehr bringen wollten, im August 2010. Man hatte noch mal zwei Fälschungen erschaffen, das ist eine davon, die für cirka 10 Millionen Euro auf den Markt gebracht werden sollten - ein vorgeblich kubistisches Stillleben aus dem Jahre 1913. Im Labor konnten wir dann allerdings sehr entscheidende Punkte feststellen: Einerseits sind hier Farbpigmente drin enthalten, die es 1913 so noch nicht gab. Darüber hinaus haben unsere Wissenschaftler festgestellt, dass dieser gefälschte Aufkleber mit Sekundenkleber befestigt wurde, ein ganz gravierender Fehler, denn dieser Aufkleber sollte ja aus den 1930er Jahren sein, und diese Verbindung gibt es erst seit den 1950er Jahren. Und das waren so für uns Kriterien, dass wir uns hier heute ganz sicher sein können: Das ist eine Fälschung."

Mit Hilfe seiner Ehefrau Helene hat Wolfgang Beltracchi den Kunsthandel über viele Jahre genarrt. Seine Fälschungen waren zunächst so raffiniert angefertigt, das sie Millionenpreise bei Sotheby’s, Christies oder Lempertz erzielten. In dem Dokumentarfilm wird der Eindruck vermittelt, der Kunstmarkt arbeite dem Fälscher zu, in dem er immer wieder nach neuen Bildern giert.

Und da ist noch eine Kuriosität: Der Anwalt der Beltracchis, der die Verteidigung übernahm, ist Reinhard Birkenstock. Dessen Sohn drehte den Dokumentar-Film. Wie viel kritische Distanz ist da noch möglich?

Arne Birkenstock, Regisseur
"Ich bin da genau so widersprüchlich wie die meisten anderen wahrscheinlich auch: Ich sehe schon den großen wirtschaftlichen Schade, den er verursacht hat, ich sehe auch den Schaden, den er auf eine Art der Kunst oder der Kunstgeschichte zufügt. Ich sehe aber natürlich auch das Amüsante und Pfiffige an dieser Geschichte und an dieser Figur Wolfgang Beltracchi."

Der Landsitz der Beltracchis in Südfrankreich. Auf Flohmärkten kauft er alte Bilder, für seine Fälschungen… Dann wird die alte Malerei abgebeizt, eine neue kommt drauf. Sowie so manches Geheimnis hinein, in den alten Rahmen: 300 Bilder also! Davon sind gut 50 identifiziert. Und das ist das Problem. Noch gibt es über 200  Fälschungen in Museen und Sammlungen. Unentdeckt

René Allonge, Kriminalhauptkommissar
"Der Fall selber ist strafrechtlich abgeschlossen, aber es zwingen uns natürlich immer Umstände zu schauen, ob irgendwelche Fälschungen noch im Umlauf sind, die wir nicht kannten. Und diese Fälschungen werden natürlich auch in Datenbanken von uns eingestellt, damit man verhindert, dass diese jemals wieder gehandelt werden können."

Die Beltracchis schweigen dazu, welche Bilder genau im Umlauf sind. Zur Zeit büssen sie eine Haftstrafe ab – als Freigänger.

Der Dokumentarfilm gibt einen einmaligen Einblick wie raffiniert die Beltracchis den Kunstmarkt täuschten, welche Geschichten sie erfanden, um ihre Fälschungen glaubwürdig erscheinen zu lassen.

Autorin: Grit Lederer

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