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Er sei wie die Rolling Stones, nur mit Musik. Das behauptet der Berliner Klavierkabarettist Sebastian Krämer von sich: Klingt anmaßend, kümmert ihn aber genau so wenig wie andere Befindlichkeiten. Tatsächlich ist er einer der großen unter den deutschen Kleinkünstlern.
Dass er trotzdem bislang noch als Geheimtipp durchgeht, liegt an seinem speziellen Humor, der durch eine subtile Bosartigkeit hervorsticht. Der findet sich auch auf seiner neuen CD wieder, die er Ende des Monats im Neuköllner Heimathafen präsentiert.
Sebastian Krämer, Musikkabarettist
"Parteien, die es eigentlich nicht mehr geben dürfte, die sind doch noch da, aber eben unsichtbar, all solche Dinge gibt es, Erlebnisse, die man verdrängt hat."
Verdrängt, aber nicht vergessen: Sebastian Krämers Humor ist hinterhältig. Mit dem will er vor der Haustür der eigenen Vernunft kehren. Das ist für ihn der Friedrichshain, eigentlich viel zu hip für jemanden, der wie aus der Zeit gefallen wirkt.
Sebastian Krämer, Musikkabarettist
"Wahrscheinlich gefallen mir die Sachen, die so ein bisschen den Charme des Angestaubten haben. Jedenfalls ist es so, dass ich mich in dem, was ich mache, überhaupt nicht nach der Zeit richte. Der Musikstil meiner Zeit ist mir ziemlich egal, das nimmt einem der Zeitgeist natürlich übel, wenn man sich nicht für ihn interessiert, und dann straft er einen auch mit Desinteresse."
Tagespolitik oder Trends lassen ihn kalt. Stattdessen analysiert er in seinen Songs die Abgründe des Alltags, beim Busfahren wie im Biomarkt. Und da entdeckt er selbst bei einer Tafel Ingwer-Schokolade den philosophischen Hintergrund.
Sebastian Krämer, Musikkabarettist
"Kunst entsteht ja immer aus Schmerz, und in diesem Fall ist es der Schmerz, der vom Geschmack dieser Schokolade ausgeht."
"Es geht mir da nicht darum, eine Szene zu karikieren. Das Lied über die Ingwerschokolade hätte ich auch nicht geschrieben, wenn sie mir nicht tatsächlich selber zum Essen angeboten worden wäre."
Seinen bislang größten Hit – "Deutschlehrer" – spielt der Sohn eines Studienrates heute nur noch ungern. Wer regt sich denn noch über die Rechtschreibreform auf? – Zumindest er selber, der scharfzüngige Sprachhygieniker.
Sebastian Krämer, Musikkabarettist
"Für mich kann sich Sprache gar nicht wenig genug ändern, also da würde ich die Zeit schon gerne zurückdrehen, andererseits profitiere ich davon, dass sich die Sprache weiterbewegt und ich bei der bleibe, die ich erhalten möchte. Dann kann man sich von den anderen unterscheiden, wenn man irgendwann der alte Kauz ist, der immer noch so schreibt wie vor 50 Jahren."
Autor: Lutz Ehrlich







