- Friedrich Liechtenstein

Noch vor Kurzem kannten Friedrich Liechtenstein nur ein paar Mitte-Hipster und Freunde des gepflegten Elektropop – mittlerweile schwärmen alle für ihn. Der Schauspieler, Musiker und professionelle Lebenskünstler ist derzeit Berlins heißester Exportartikel - seit eine deutsche Supermarktkette ihre Lebensmittel mit dem  „Supergeil“-Video bewirbt.

Halb Deutschland glaubt, diesen Mann zu kennen. Aber wer ist er wirklich?

Friedrich Liechtenstein, Künstler
"Ich bin Friedrich Liechtenstein. Flaneur, Eskapist, Entertainer, Sänger, Performer und so ein Mix aus Wirklichkeit und Dingen, die ich mir ausgedacht habe."


Derzeit ist Friedrich Liechtenstein vor allem eins: Supergeil. Seinen Werbeclip für eine Supermarktkette haben inzwischen fast sieben Millionen Menschen im Internet angeklickt. Längst gibt es unzählige Nachahmer, die ihre Stadt, ihren Döner oder ihren Radiosender supergeil finden.

Friedrich Liechtenstein, Künstler
"Ich glaub tatsächlich, dass es so ist, dass man mit diesem Wort "geil" und wenn man das richtig intensiv an einen hin spricht, an einen Gegenstand oder an eine Person oder Situation, denn wird die auch geil oder sagen wir mal geiler als sie eigentlich ist."

In der Berliner Kulturszene ist er kein Unbekannter. In den Sophiensälen installiert er Anfang 2000 einen Schlafsaal, ins Tacheles baut er eine Bocchia-Bahn. Den Fernsehturm will er 2005 in die größte Discokugel der Welt verwandeln. Der studierte Puppenspieler liebt das Abgründige und Abseitige.

Vor knapp zehn Jahren beschließt er, Popstar zu werden und ändert seinen Geburtsnamen Hans Holger Friedrich in Friedrich Liechtenstein. Er nennt sich Schmuck-Eremit. Schmuck-Eremiten waren Männer, die für Besucher englischer Landschaftsgarten den Einsiedler spielten. Friedrich Liechtenstein genießt die Freiheit, sich immer wieder neu zu erfinden, aber das Leben als Kunstfigur kann auch anstrengend sein.

Friedrich Liechtenstein, Künstler
"Man muss immer eine Idee haben, man muss sich immer selber performen, man muss immer selber das Produkt sein, man ist auch der einzige, der Anforderungen an sich stellt, Wünsche hat und Aufgaben."


Ein Friedrich Liechtenstein kann also nicht einfach spazieren gehen: Beim ihm heißt es "flanieren". Er soll weder ein Auto, Fahrrad, Handy oder Computer besitzen und keine eigene Wohnung haben. Zum Oeuvre, wie er sein Wirken nennt, gehört auch die Musik: Gerade steht Friedrich Liechtenstein für sein neues Album im Studio. Im Song Belgique Belgique blickt er auf sein Leben zurück – wahr ist daran natürlich… NICHTS.

Friedrich Liechtenstein sagt, dass er nachlegen muss, wenn er nicht auf seinen Supergeil-Erfolg reduziert werden will.

Friedrich Liechtenstein, Künstler
"Kann viel schief gehen, ich könnte mir dann ein kariertes Sakko kaufen, durch die Diskos fahren und "supergeil" singen für relativ viel Geld, würde ich ein Jahr machen und dann wäre es richtig schlimm. Und dann würde ich irgendwann im Dschungelcamp mit einer karierten Jacke sitzen und alle, die sitzen: sag mal "supergeil". Und dann wäre das Leben ein bisschen klein."


Während seine Altersgenossen schon mal über die Frührente nachdenken, überlegt Friedrich Liechtenstein, welche schillernde Rolle er als nächstes spielen könnte. Dieser charmante Mann steckt auf jeden Fall voller Überraschungen.

weitere Themen der Sendung

"Union fürs Leben"

Es ist nicht einfach nur ein Fußballverein. Der 1. FC Union Berlin ist eine Lebenseinstellung. Eine Entscheidung für Immer. Der Dokumentarfilm "Union fürs Leben" begleitet vier Fans nicht nur ins Stadion - und das  ist außerordentlich sehenswert auch für Menschen, die keinerlei Ahnung von Fußball haben - denn dieser Film ist eigentlich ein Liebesfilm.

Per Leo: "Flut und Boden"

Die in Berlin lebende ukrainische Schriftstellerin Katja Petrowskaja ist für den Preis der diesjährigen Leipziger Buchmesse nominiert. Ebenfalls auf der Liste stand der Berliner Autor Per Leo. In seinem Roman "Flut und Boden" geht er der Geschichte seiner Familie auf den Grund: Sein Großvater Friedrich war ein Nazi-Verbrecher - und zwar einer, der sich bewusst auf das Regime eingelassen hat.

"Die Frau des Polizisten"

Zärtlichkeit und Gewalt, Liebe und Hass können sehr nah beieinander liegen. Das zeigt auch der Film "Die Frau des Polizisten". Lange hat Regisseur Philip Gröning zu diesem Thema recherchiert – herausgekommen ist jetzt sein zutiefst verstörender Film, der von dem Abgrund hinter der Fassade einer glücklichen Familie erzählt.  

Wols im Martin-Gropius-Bau

Glück war etwas, das im Leben des Berliner Künstlers, der sich "WOLS" nannte, vermutlich nicht oft vorkam. Dabei war der 1913 geborene Wolfgang Schulze hochtalentiert: Er spielte virtuos Geige, interessierte sich genauso für Sport wie für Naturwissenschaft und Kunst. Später arbeitete er als Maler, Grafiker und Fotograf. Sein Leben endet allerdings früh und tragisch. Jetzt erinnert der Martin-Gropius-Bau an sein bislang fast unbekanntes fotografisches Gesamtwerk.