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Es ist nicht einfach nur ein Fußballverein. Der 1. FC Union Berlin ist eine Lebenseinstellung. Eine Entscheidung für Immer. Der Dokumentarfilm "Union fürs Leben" begleitet vier Fans nicht nur ins Stadion - und das ist außerordentlich sehenswert auch für Menschen, die keinerlei Ahnung von Fußball haben - denn dieser Film ist eigentlich ein Liebesfilm.
Zuerst wird gesungen, bei Union. Darin sind sie unschlagbar. Beim Fußball weniger. Und so kann es passieren, dass sich Besucher hier nach einem Spiel nicht unbedingt zuerst ans Spiel erinnern...
Die bedingungslose Liebe der Union-Fans zu ihrem Verein ist längst legendär. In der DDR galten die Eisernen als unangepasst, wild, widerständig – und gerade das macht sie für viele attraktiv. An den Spieltagen forderten sie schon mal die Staatsmacht heraus. Und die schlug zurück...
Die Rolle des „Underdogs“ wurde Union auch nach der Wende nicht los. Der Verein stürzte ins Chaos, entging nur knapp dem Bankrott. Doch so schlecht es auch lief – die Anhänger standen zu ihrem Club, kämpften für ihn, als ginge es um ihr Leben. Und für viele von ihnen war er das ja längst auch: Ihr Leben...
Frank Marten Pfeiffer, Regisseur
"Union bringt so'ne Dimension von Geschichte mit: Das hat zu tun mit einem Land, das nicht mehr existiert und ist verknüpft mit einzelnen Biografien der Menschen, die zu Union gehen und die auch bei uns im Film sind, ob sie die DDR miterlebt haben oder noch jünger sind. Und dass ist das Spezielle und letztendlich Einzigartige."
Der Film „Union fürs Leben“ nähert sich diesem Verein, in dem er einer Handvoll Unionern in ihr Leben folgt: Da ist der Politiker Mario Czaja, der Union-Profi Christopher Quiring, der Theaterschauspieler Chris Lopatta und seine Mutter, und der Sozialarbeiter Stefan Schützler. Der war in der DDR noch Grenzoffizier – Unioner wurde er erst später...
Jetzt kümmert er sich um Jungs wie Alex – auch ein Unioner, lebt von Hartz 4. Zu seinen Eltern hat er keinen Kontakt mehr, wohnt mal hier, mal da.
Zusammen machen sie sich auf die Suche nach Alex' Vater – vergeblich. Was erst nur eine Ahnung ist, wird schließlich zur Gewissheit: Er ist tot. Und Alex, ganz unten angekommen, beginnt zu kämpfen. Merkt plötzlich, dass er sein Leben selbst in die Hand nehmen muss. Als erstes baut er seinem Vater ein Kreuz fürs Grab.
Frank Marten Pfeiffer, Regisseur
"Er kämpft weiter auch wenn er alles verloren hat und eigentlich keine chance hat er kömpft weiter und hat son großen willen etwas weiterzumachen was drauszumaschen und das ist toll und für uns auch n sehr positives Beispiel, mit all dem Schlimmen, was passiert ist, das zu zeigen und das war uns auch wichtig."
Weitergehen, nicht aufgeben. Das ist der Kern von „Eisern Union“. Die meisten hier wissen, wie sich Rückschläge, Niederlagen, Brüche anfühlen. Vielleicht sind sie sogar gerade deshalb hier.
Erfolg ist nicht alles, bei Union – für sie ist es Heimat.
Frank Marten Pfeiffer, Regisseur
"Es ist etwas, was die Leute verbindet: Zu sagen, uns ist nicht wichtig, unbedingt den Erfolg zu haben oder gewonnen zu haben. Sondern wir haben's versucht, wir haben gekämpft, als Fans und als Unterstützer und auch als Mannschaft. Und das ist wichtig."
Der Film „Union fürs Leben“ erzählt wunderbar atmosphärisch, leise und genau vom Leben und Leiden mit einem Fußballverein. Um Fußball geht es dabei allerdings nur am Rande – um Selbstbehauptung, Gemeinsinn und Liebe sehr viel mehr. Wie gesagt: Union wird nie ein Verein sein, mit dem man große Triumphe feiert. Aber gefeiert wird trotzdem...
Autor: Tim Evers







