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Glück war etwas, das im Leben des Berliner Künstlers, der sich "WOLS" nannte, vermutlich nicht oft vorkam. Dabei war der 1913 geborene Wolfgang Schulze hochtalentiert: Er spielte virtuos Geige, interessierte sich genauso für Sport wie für Naturwissenschaft und Kunst. Später arbeitete er als Maler, Grafiker und Fotograf. Sein Leben endet allerdings früh und tragisch. Jetzt erinnert der Martin-Gropius-Bau an sein bislang fast unbekanntes fotografisches Gesamtwerk.
Er verabscheute die Öffentlichkeit, den Ruhm und das Geld. Er war radikal und exzentrisch – rastlos und zweifelnd. „Man kann nur in Schmerz und Armut arbeiten, denn die Kunst ist keine Ware“.
Er gab seinen Bildern keinen Namen und sich einen Falschen: WOLS
1932 verlässt er Deutschland und geht nach Paris, er wird schnell in den Kreis der Surrealisten aufgenommen, lernt Max Ernst kennen, trifft Sartre und viele mehr. Seine schwarz- weiß Fotografien werden schon bald in einer renommierten Pariser Galerie ausgestellt und er erhält den Auftrag, den „Pavillon de Elegance“ auf der Pariser Weltausstellung 1937 zu dokumentieren.
Ein Blick zurück: 1913 wird in Berlin- Wilmersdorf Otto, Alfred, Wolfgang Schulze geboren, kurz Wols. Sein Vater ist Ministerialdirektor in Dresden, seine Mutter Hausfrau. Wols ist künstlerisch hoch begabt, malt, liebt Bach und spielt so virtuos Geige, dass er mit nur 18 Jahren Konzertmeister werden könnte. Er lehnt ab. Er macht eine Fotografenlehre, bekommt Empfehlungsschreiben vom Künstler und Fotografen Lazlo Moholy-Nagy für ein Studium am Bauhaus. Wols lehnt ab. Er verweigert den Militärdienst. Die Folge: drei Monate Gefängnis. Ausweisung nach Frankreich.
So geht er mit 22 Jahren nach Paris arbeitet als Portraitfotograf und gibt Deutschunterricht. Bald lernt er die 15 Jahre ältere Grety kennen, die er später heiratet. Wols portraitiert Männer und Frauen, die er nachts im „ Cafe de Dome“ anspricht. Sie geben ihm ein bisschen Geld, von dem er gerade das Nötigste bezahlen kann.
Nach Kriegsausbruch wird er interniert und verbringt 14 Monate in französischen Lagern. Um einer weiteren Verhaftung zu entgehen flüchtet er mit Grety nach Dieulefit, dem unbesetzten Teil Frankreichs.
Fortan ist Wols ein Getriebener und Zerrissener Mensch, beginnt zu trinken. Er weigert sich Bilder zu verkaufen, lebt von der Hand im Mund. Geld und Erfolg interessieren ihn nicht.
„Lieber ist mir der Unglückliche, der in einen alten Sack gehüllt unter einem Baum ruht, die Flasche im Arm und hinaufschaut. Lange, lange“ schreibt Wols 1946.
In Paris zieht er von Hotel zu Hotel. Überall wird er rausgeschmissen, weil er nicht mehr zahlen kann. Während Grety mit seine Bildern hausieren geht, bleibt er im Bett starrt die Decke an hört Bach und arbeitet. Mit nur 38 Jahren stirbt er an einer Fleischvergiftung im berühmten „Hotel Montalembert“. Nun endlich wird er wiederentdeckt und bekommt die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt.
Autorin: Yvonne von Kalinowsky







