-
Für viele Menschen in der DDR war der "Westen" eine Verheißung auf ein besseres Leben. Vier Millionen Menschen verließen die DDR Richtung Bundesrepublik in der Hoffnung auf Freiheit - und landeten erst mal in Notaufnahmelagern wie in Marienfelde. Dort spielt der vom rbb koproduzierte Kinofilm "Westen". In der Hauptrolle: die Berliner Schauspielerin Jördis Triebel.
Jördis Triebel besucht mit uns die Orte ihrer Kindheit. Sie ist in Berlin aufgewachsen, eine richtige Berlinerin mit großem Herzen und sprödem Charme. Als kleines Mädchen schaut sie oft Filme im International. In diesem Kino fühlt sie sich wohl. Trotz Wende ist die Zeit hier stehen geblieben. Doch das ist eine Ausnahme, meint Jördis Triebel. Ihr alter Kiez ist ihr fremd geworden.
Jördis Triebel, Schauspielerin
"Ich komme aus dem Prenzlauer Berg, und der hat sich ja wirklich so schnell verändert. Ich habe so ein bisschen das Gefühl entwurzelt worden zu sein, denn obwohl es die Straßen meiner Kindheit noch gibt, ist es nicht mehr der Ort an den ich zurück kann, der hat einfach ein ganz anderes Gesicht."
Ihr neuer Film ist ein Drama. Er heißt "Westen", und sie spielt eine junge Chemikerin, für die es kein zurück mehr gibt. Ihr Ausreiseantrag wird bewilligt und die Chemikerin will mit ihrem kleinen Sohn in West-Berlin ein neues Leben anfangen.
Doch kaum ist sie angekommen, wird sie von Aliierten Geheimdiensten durchleuchtet. Ein Verhör folgt auf das Nächste. Der Verdacht: Ihr verstorbener Lebensgefährte soll ein Doppelagent gewesen sein.
Filmszene aus "Westen"
"Und Sie haben die Leiche identifiziert?"
"Nein, der Unfall war in Moskau ich war nicht zur Beerdigung."
"Aber er war doch der Vater von ihrem Kind."
"Oder haben wir da was falsch verstanden?"
"Ich sage Ihnen, warum ich aus der DDR weg wollte, wegen solcher Fragen, die unterstellen, angreifen und immer wieder alles aufbrechen."
Jördis Triebels Familie bleibt in der DDR bis zu deren Ende. Sie selbst ist zwölf Jahre alt als die Mauer fällt.
Jördis Triebel, Schauspielerin
"Das ganze Leben wurde so erschüttert dadurch, dass es eben diesen großen Umbruch gab, und ich weiß noch gerade, dass die Schule, die so eine große Konstante sein sollte, das alle verunsichert waren, die Lehrer wussten nicht mehr wie der Lehrplan aussehen sollte. Es war irgendwie überall wackliger Boden, und ich kann mich auch nicht mehr so erinnern, toll die Mauer geht jetzt auf, sondern das war eher so Angst, es war viel mit Angst behaftet wie es jetzt weitergeht."
Das Theater an der Parkaue ist eine Konstante in ihrem Leben. Oft besucht die 36-Jährige das Kinder- und Jugendtheater mit ihren beiden Söhnen. Als Kind ist sie selbst fast jeden Tag hier, denn ihre Mutter arbeitet im Theater als Requisiteurin. Als Jördis Triebel damals bei den Proben zuschaut, beschließt sie selbst Schauspielerin zu werden.
Jördis Triebel, Schauspielerin
"Ich habe meiner Mutter gesagt, dass ich zu Kindercastings will, also ich möchte unbedingt zum Film, und dann ist sie mit mir da immer brav hingegangen. Und wenn ich dann da war, ich weiß auch nicht, habe ich mich nicht mal getraut meinen Namen zu sagen."
Eine Rolle spielen, das tut sie gerne, sich selbst verkaufen, ist aber nicht ihr Ding. Jördis Triebel studiert an der Ernst-Busch-Schauspielschule und wird 2001 Ensemblemitglied am Bremer Theater, auch wenn das Vorsprechen etwas holprig verläuft.
Jördis Triebel, Schauspielerin
"Während des Vorsprechens habe ich schon gedacht, ach, weil die saßen da alle mit so Gesichtern, und da habe ich dann gedacht, ach das hat auch nicht geklappt und da kann ich mich noch erinnern, da habe ich so gedacht, nein ich muss denen noch was sagen und dann bin ich runter zu denen und dann habe ich gesagt: Ich muss Ihnen wirklich sagen, es tut mir leid, dass ich heute nicht richtig gut gewesen bin, aber ich sage Ihnen was - ich kann wirklich was."
Stimmt. Jördis Triebel ist eine Schauspielerin, die mit viel Herzblut überzeugt.
Autorin: Kathrin Schwiering








