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Tipp 1: Amtsgericht Mitte
Tipp 2: "Knick-Falte in der Schädeldecke"
Tipp 3: "Die Blinden/Die Verwandlung"
Der Berliner Autor Falko Hennig ist auf vielen Lesebühnen der Stadt zuhause. Am liebsten ist er hier mit dem Fahrrad unterwegs. Aus seiner Neugierde auf die Geschichte der Stadt hat er verschiedene Stadtführungen gemacht, vor allem auf den Spuren Franz Kafkas. Der war mehrmals in Berlin, vor allem wegen seiner Frauen und seiner großen Begeisterung für das Theater hier.
Um die geht es in Falko Hennigs neuester Führung Anfang April, Startpunkt Deutsches Theater. Und auch in seinen Kulturtipps macht sich Falko Hennig auf die Suche nach kafkaesken Situationen in Berlin.
Falko Hennigs erste Adresse ist das Amtsgericht in der Littenstraße. Hinter der imposanten Fassade öffnet sich ein Jugendstil-Foyer, das an eine Kathedrale erinnert. 1904 erbaut, demonstriert es die Macht der Gerichtsbarkeit. Der Besucher fühlt sich klein und demütig. Falko Hennig erinnert das an Kafka.
Falko Hennig, Schriftsteller und Journalist
"In dem Roman 'Der Prozess' und vielen anderen Büchern bei Kafka sind die Helden relativ hilflos undurchschaubarem Geschehen ausgeliefert, und das kann man, finde ich, in diesem Gebäude sehr gut nachvollziehen. Man hat hier gefühlte hunderte von Gängen voller Türen mit Nummern."
Das Amtsgericht Mitte ist im Rahmen von Falko Hennigs Stadtführungen zu besichtigen.
In der Galerie Sprüth Magers in Mitte besucht Falko Hennig die aktuelle Ausstellung von John Bock - "Knick-Falte in der Schädeldecke". Eine düstere Inszenierung, wie schon der Titel vermuten lässt. Eine irritierende und makabre Mischung aus Film, Installation und Videos.
Falko Hennig, Schriftsteller und Journalist
"Gewalt- und Sexfantasien sind hier umgesetzt. Manches finde ich durchaus, dass es an Kafka erinnert. Da kann man in seinem Werk ja durchaus viele sadomasochistische Anzeichen finden."
Düster und expressionistisch ist auch der Schwarz-weiß-Stummfilm, der in einem kleinen Kinosaal läuft. Mit Grusel-Effekt am Ende. Fazit: Nichts für schwache Nerven.
Falko Hennig, Schriftsteller und Journalist
"Nach den Splatter-Anleihen bei John Bock kommen wir jetzt in ruhigere kulturelle Gefilde. Und zwar in die Staatsoper im Schillertheater zu Kafkas 'Verwandlung'."
...der Geschichte von Gregor Samsa, der sich über Nacht in ein Insekt verwandelt. Diesmal als Musiktheater. Falko Hennig darf schon vor der Premiere am Sonntag die Proben besuchen.
Entstanden ist das Werk des Komponisten Paul Heinz Dittrich Mitte der 80er Jahre, passte aber nicht in das damalige Musikverständnis der DDR und wurde von den großen Bühnen verbannt.
Der Regisseur Thomas Goerge hat die Werkstatt im Schillertheater in einen kafkaesken Raum verwandelt.
Thomas Goerge, Regisseur
"Das ist unsere Gregor-Puppe."
Autorin: Birgit Wolske








