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Beim "Incredible Herrengedeck" handelt es sich nicht um Bier mit Schnaps, sondern um eine Berliner Chanson-Punk Band - drei Herren, die sich bevorzugt an den Ausschankstätten alkoholischer Erfrischungsgetränke aufhalten. Nichtsdestotrotz legt das Trio Anfang April sein neues Album vor.
Widerstand kann auch Spaß machen - gegen Einkaufszentren zum Beispiel. Diese Band hat das politische Lied noch nicht aufgegeben. Sie besingen den Politikbetrieb genauso wie den schnöden Berliner Alltag.
Die drei Männer sind ehemalige Waldorfschüler aus dem Märkischen Viertel. Ihre Performance nennen sie "Heavy Posing" - damit versuchen sie gerade die Hipster in Kreuzkölln links zu überholen. "Heavy Posing"?
Tapani Gradmann, Musiker
"Ich würde sagen, es kommt aus dem Heavy Metal, und da wird ja auch heavy gepost, Metall besteht zu einem Teil aus anspruchsvoller Musik, aber es wäre nichts ohne das Posing."
Dies sind die selbsternannten Kreuzköllner Underground-Ikonen mit dem Namen "The Incredible Herrengedeck". Achtung, es wird wieder berlinert, vielleicht ist Herkunft im "Zuzieh-Hipster und Heuschrecken-Berlin" das neue, heiße Alleinstellungsmerkmal.
Ausschnitt aus "Berlin stinkt"
"Sag mal, Kalle, wer ist eigentlich der sympathische junge Mann, der schon die ganze Zeit so schön neben uns Klavier spielt?"
Daniel Thylmann, Musiker
"Ich finde, eigentlich sollte jeder immer willkommen sein, wo er halt gerade ist. Und der wird schon seine Gründe haben hier zu sein. Und man sollte ihn mit offenen Armen empfangen, so."
Robert Rating
"Naja, andererseits haben wir ja schon so einen Berlin-Bezug. Also, ich meine unsere Herkunft, ich verstehe mich schon als Berliner. Also, wir spielen auch mit diesem Klischee."
Ihrem neuen Album haben sie einen pseudointellektuellen Titel gegeben: "Die Audioaufnahme als Medium der Selbstreflexion des Individuums in der spätkapitalistischen Gesellschaft". Und als Bonus gibt es eine wissenschaftliche Arbeit obendrauf.
Immer wieder lassen sich "Incredible Herrengedeck" zu Mitgefühl hinreissen - wie in ihrem Song "FDP".
Autor
"Wo seht Ihr das Herrengedeck in 20 Jahren?"
Tapani Gradmann, Musiker
"Im Olympiastadion."
Robert Rating, Musiker
"Hier!"
Daniel Thylmann, Musiker
"Ich würde auch sagen, das ist ein ziemlich realistisches Szenario."
Aber, es gibt ja noch andere Locations jenseits von Stadion, Theke und Blockade. Und genau da werden wir sie wiedersehen, wenn FDP und "O2 Arena" längst in Schutt und Asche liegen.
Autor: Sascha Hilpert








