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Dieter Meier eroberte in den 1980er Jahren mit seiner Elektroband "Yello" die internationalen Charts. Jüngst wurde er mit Band-Kollege Boris Blank beim Echo für sein Lebenswerk geehrt. Jetzt erscheint Dieter Meiers Solo-Album, das er in Berlin-Neukölln aufgenommen hat.
Ja, die Herren von Yellow denken gar nicht ans aufhören, den Preis fürs Lebenswerk nehmen sie dementsprechend als Herausforderung.
Denn jetzt wird richtig durchgestartet, Dieter Meier legt nun sein Solo-Album vor, dafür hat er sich kurzzeitig in Neukölln einquartiert. Ein Experiment oder wie hält Meier, im Nebenberuf Edel-Gastronom, das Ur-Berliner Niveau sonst aus?
Dieter Meier, Musiker
"Ein tolle Bockwurst an einem Nachmittag an einer Tankstelle in Neukölln, das ist genauso stimmig, wie eine Ente im 'Du Jardin' in Paris."
In den 80ern wurde die Band Yellow mit ihrem avantgardistischen Sound international berühmt. Es gab Goldene Schallplatten, obgleich Meier, der Bankierssohn, schon mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurde. Und der Hit "The Race" ging voll durch die Decke und wurde Formel-1-Titelmelodie.
Vielleicht hat es dennoch nicht nur Vorteile, wenn die Eltern so wohlhabend sind.
Dieter Meier, Musiker
"Die Eltern haben mir sehr viel Freiheit gegeben, 18 - ich hätte auch nichts machen können. Und wenn du dann als Artist oder Schriftsteller oder Künstler so genannter etwas machst, was du nicht wirklich machen musst um auch zu überleben, dann stellst du plötzlich blödsinnig hohe Ansprüche an dich und an denen scheiterst du."
Aber Maier ist nicht gescheitert, schließlich hat er ein Gesamtkunstwerk geschaffen, als Poker-Profi fing er, war Performance-Künstler, ist heute Farmer von Rindvieh in Argentinien, Weinbauer, Tausendsassa - ein Mann von Welt.
Dieter Meier, Musiker
"Nein, nein, nein, das bin ich überhaupt nicht, ich weiß gar nicht, was das ist, ein Mann von Welt. Ich bin eigentlich ein sehr provinzieller Mensch und lebe heute noch aus meinen Erfahrungen der frühsten Jugend."
So singt er in seinem neuesten Song "Loveblind" zwar knorrig und rau, aber immer noch liebesblind wie ein Jungspund. Daas er tatsächlich singen kann, stellt er auf seinem Solo-Debüt "Out of chaos" unter Beweis - der Tom Waits der Sonnenallee.
Aufgenommen hat Meier sein neues Album im Studio der Elektro-Szenegrößen T.Raumschmiere und Co. Die schrägen Neuköllner-Hinterhof-Produzenten haben ihn mit ihrem "Avantgarde-Konzept" einfach überzeugt.
Dieter Meier, Musiker
"Hier in diesem wunderbaren Studio, habe ich auch gelernt wieder Lieder, die ich gemacht habe in einem Zug durch zu singen, ja - vor allem Raumschmiere hat sozusagen das Letzte aus mir heraus geholt. Ich dachte, das war doch jetzt gut und dann hat Raumschmiere immer gesagt: 'Dieter, du kannst das besser.' Und mache ich dann: 'Leck mich doch am Arsch.'"
T.Raumschmiere, Musikproduzent
"Ich habe Dieter wahrgenommen wirklich als ein kleines Kind, der so begeistert sein kann von Kleinigkeiten und so enthusiastisch an Sachen rangeht, dass ich mir eigentlich dachte, wenn ich mal so alt bin, wenn ich mal so jung werde wie Dieter, und immer noch so drauf bin - dann kann ich froh sein."
Mit diesem Uralt-Keyboard, das aussieht wie ein Kinderspielzeug, hat der Meister seine Songs kreiert. Er nennt es ein Wundergerät, zum talentfreien komponieren, um endlich mal ohne seinen Yello-Compagnon ein Album zu machen.
Dieter Meier, Musiker
"Ich habe unglaublichen Spaß, nach - was weiß ich - 35 Yello-Jahren im Studio, wo dieses Hier und Jetzt, das Unmittelbare fehlt, nun wieder auf einer Bühne zu sein. Eine milde Form des Narzissmus spielt da sicher in irgendeiner Weise mit."
Yello trat nie live auf. Aber nun kann Dieter Meier mit seinen schönen, kauzigen Electro-Chansons endlich mal die Rampensau geben - mit fast 70 ist er "Out of chaos".
Autor: Sascha Hilpert







