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Der neunjährige Srulik flieht aus dem Warschauer Ghetto und versteckt sich zwei Jahre lang im Wald. Um zu überleben, hält er seine jüdische Identität geheim und gibt sich als katholisches Waisenkind aus. Heute lebt Srulik als Yoram Fridman in Israel. Pepe Danquart hat seine Fluchtgeschichte verfilmt.
Sommer 1942: Srulik springt in die Freiheit. Er flüchtet vor der SS, die ihn wie ein wildes Tier durch den Wald jagt. Srulik ist Jude und ohne seine Eltern aus dem Warschauer Ghetto geflohen.
Der Neunjährige ist völlig auf sich allein gestellt und muss lernen, in der Wildnis zu überleben. Der Film erzählt aus der Perspektive des Jungen, wie er Hunger und Todesgefahr erlebt, bei einem Unfall seinen Arm verliert.
Andrzej Tkacz, Schauspieler
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in so einer Situation überleben würde. Es ist etwas anderes, so einen Jungen, und das, was er erlebt, in einem Film zu spielen oder diese Geschichte wirklich zu erleben. Auf dem Filmset haben sich alle um uns gekümmert, damit wir sicher sind und uns nichts passiert. Denn sonst würde ich unter solchen Bedingungen jeden Augenblick sterben - was für einen Schauspieler ein bisschen stressig ist."
Kamil Tkacz, Schauspieler
"Für mich ist das unvorstellbar und ich glaube nicht, dass ich das überleben könnte, denn ich kenne solche Situationen aus meinem normalen Leben nicht."
Die 12-jährigen Zwillinge Andrzej und Kamil Tkacz aus Warschau spielen den kleinen Srulik. Von Nationalsozialismus und Holocaust haben sie bisher nur im Geschichtsunterricht gehört. Während der Dreharbeiten erleben sie, wie es sich anfühlt, verfolgt zu werden. Und sie lernen den Mann kennen, dem all das widerfahren ist: Yoram Fridman. Er ist der kleine Junge, der aus dem Ghetto floh und sich drei Jahre vor den Nazis versteckte.
Andrzej Tkacz, Schauspieler
"Er ist ein Held. Für mich ist er wie ein Superheld aus einem Comic oder Märchen. Ich habe riesigen Respekt vor Yoram Fridman, weil es einfach unglaublich ist, was er alles erlebt hat und dass er überlebt hat."
Als Yoram Fridman die ersten Filmaufnahmen sieht, sind die Erinnerungen an seine Odyssee wieder da. Die Erfahrungen der Verfolgung haben Yoram Fridman geprägt.
Yoram Fridman
"Ich war sehr rauh und sehr kalt. Ein Bitte-nicht-berühren-und-ich-kann-alles-selber-Typ. In der Wirklichkeit ist es nicht so."
Regisseur Pepe Danquart lernt Yoram Fridman als einen warmherzigen und zurückhaltenden Mann kennen. Jahrelang bemüht sich Danquart um die Filmrechte, reist nach Israel, um Yoram Fridman persönlich zu treffen.
Pepe Danquart, Regisseur
"Es wurde auch in der Familie nie über diese Zeit gesprochen. Ich kam da rein, da brachen all diese Sachen erstmal richtig auf. Im täglichen Leben war das in der Familie, die wussten über seine Geschichte, aber es war kein Thema, kein alltagsbestimmendes Thema."
Im Film ändert der Junge seinen Namen, um nicht als Jude erkannt zu werden, und erfindet Geschichten, wie er seinen Arm verloren hat, um Mitleid zu erregen.
Yoram Fridman
"Ich hatte viel Glück, in jeder Situation schaffe ich es, bis heute. Es gab viele, die mir geholfen haben. Es gab natürlich auch welche, die mich für eine Flasche Wodka verkauft hätten. Aber ich hatte eben viel Glück."
Glück, aber vor allem sein unglaublicher Überlebenswille haben Yoram Fridman das Leben gerettet. Dass ausgerechnet ein deutscher Film nun seine Geschichte erzählt, ist für ihn auch eine Art Wiedergutmachung.
Autorin: Katharina Wenzel







