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Türkische Männer haben keine Probleme - sie sind das Problem. Behauptet zumindest ein neues Theaterstück im Ballhaus Naunynstrasse. Türkische Männer halten sich nämlich, laut Klischee, allesamt für Süpermänner. Das Ballhaus Naunynstraße lässt nun drei türkische Männer auf die Bühne, die mit reichlich eigener Erfahrung dieses Bild hinterfragen.
"Das Besondere am türkischen Mann, das ist jetzt eine Frage..."
"Wir lachen gerne viel."
"Es geht nur ums Geld."
"Intelligent, stark."
"Arbeitstier."
"Ich habe nur einen türkischen Mann kennengelernt, und den geheiratet, deshalb kann ich keinen Unterschied sagen. Das einzige, was ich immer höre, ist ihre Macho-Art."
Patriarchen sollen sie sein, prügelwütige Verrücktblütler oder fleissige Hartz-IV-Empfänger, die den ganzen Tag Tee trinken und gerne türkisch baggern. Der türkische Mann ist offenbar das unbekannte Wesen, in dem sich sämtliche schlechten Charaktereigenschaften ballen.
Auf der Bühne des Ballhauses Naunynstrasse soll mit diesen Klischees jetzt mal aufgeräumt werden. Regisseurin Idil Üner lässt die Männer selber zu Wort kommen und weiss, warum die Klischees ansonsten so beliebt sind.
Idil Üner, Regisseurin
"Tausend Sachen - die reale Vorlage, die dafür geliefert wird, Fälle, die vielleicht passieren, eine Familie, die sechs Kinder hat, dann könnte man meinen, alle haben sechs Kinder, alle kriegen immer viele Kinder und wollen Kindergeld abzocken und so. Der sogenannte Buh-Mann, den man immer braucht. Oder der Sündenbock, den man braucht und an dem man seine eigene Frustrationen abladen kann."
Celal Sert ist einer der Männer, die auf der Bühne ihr Leben erzählen. Er wohnt seit über 40 Jahren in Kreuzberg und macht nicht nur die Deutschen für das schlechte Image verantwortlich.
Celal Sert, Wirtschaftspsychologe
"Beim türkischen Mann ist es ganz stark ausgeprägt, dass die Mütter die eigentlichen Drahtzieher sind. Manche Mütter machen aus ihren Söhnen erstmal einen Pascha, aber gleichzeitig auch einen mutigen, tapferen, warmherzigen Menschen."
Zur Schauspielerei ist Celal Sert eher zufällig durch einen Freund gekommen. Für ihn bedeutet sie die Chance, selber etwas gegen die Klischees in den Medien zu setzen.
Im Stück erzählt Celal Sert von den Tiefschlägen und Höhenflügen in seinem Leben. Gerade probt er die Passage, in der er über seine Zeit als Manager in Budapest erzählt. Die Glanzzeit seiner Karriere mit allen Freiheiten und einem Problem.
Celal Sert zeigt auf der Bühne genau die emotionale Offenheit, die das Klischee türkischen Männern ansonsten abspricht. Allerdings stellt er auch einen Paradefall gelungener Integration dar.
Celal Sert, Wirtschaftspsychologe
"Bis zu einem gewissen Grad hatte ich auch einige Klischees. Als ich dann angefangen habe, Abitur zu machen und dann angefangen habe, gewisse Texte zu lesen, zum Beispiel in diesen Reclam-Heften, habe ich auch einige kleine Fehler bei mir gesehen und angefangen, an mir auch zu arbeiten."
Ist der türkische Mann also doch ganz anders als wir immer dachten? Regisseurin Idil Üner will mit ihren Süpermännern auf der Bühne keinesfalls das nächste Klischee schaffen.
Idil Üner, Regisseurin
"Wir werden heftige Geschichten hören, wo wir vielleicht auch teilweise unsere Vorurteile bestätigt bekommen, aber wir werden trotzdem Dinge dabei verstehen, das sind keine Gutmenschen, die ich auf die Bühne stelle, das sind normale Menschen."
"Er hat einen Bart und drei Frauen, das ist der türkische Mann."
Autor: Lutz Ehrlich







