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Seine Kunst ist eine Herausforderung - weniger für die Augen als vielmehr für die Ohren. Die Grenzen zwischen Kunst und Musik, Krieg und Klang sind bei Nik Nowak fliessend. Der Berliner Soundmaschinen-Ingenieur bekommt in diesem Jahr den GASAG-Kunstpreis und eine Ausstellung in der Berlinischen Galerie.
Kunst auf Panzerketten: lärmend und irritierend. Mit seinem Soundpanzer betört Nik Nowak die Club- und Kunstszene, damit ist er bekannt geworden. Für ihn ist all das eine Skulptur: sein Sound voller Störgeräusche und der Panzer.
Nun ist diese Echo-Drohne in der Berlinischen Galerie zu sehen. Nik Nowak setzt sie auf die Besucher an.
Nik Nowak, Soundkünstler
"Jetzt guckt sie sich erst mal um. Ich mach mal auf mich aufmerksam, dass sie mich in den Fokus nimmt."
Und dann soll es ein ganz privates Echo geben.
Nik Nowak, Soundkünstler
"Wenn ich jetzt hier zum Beispiel schnalze, dann hört man, dass es leicht verzögert zu einem zurückkommt und man hört es aber nur direkt auf sich selbst gerichtet."
Ton als Experimentierfeld, das fesselt Nik Nowak. Ein Defekt hat ihn dafür sensibilisiert.
Nik Nowak, Soundkünstler
"Irgendwann war ich selber einem Pistolenschuss ausgesetzt, neben meinem rechten Ohr, ich habe da die Hochfrequenzen verloren. Man merkt das nicht wirklich, weil das Gehirn das ausgleicht, rechts und links einfach - im Sprachverständnis - das ausgleicht. Aber trotzdem gibt es akustische Extremsituationen, wo man diese Asymmetrie bemerkt."
Und so kam er zu seinem Thema: Sound als Waffe - wie Töne, die zur Bedrohung werden und strategisch sogar zur Kriegsführung eingesetzt werden.
Aber erst mal steht ganz banal ein Besuch im Baumarkt an, wie so oft: Der Soundbastler Nik Nowak hat an der UdK Kunst studiert. Seine Nächte jedoch hat er vorzugsweise in Clubs verbracht, deren harter Sound andere eher vertrieben hätte. Er hat das gebraucht: ihn habe das aufgepeitscht, gegen die Normen des Alltags anzutanzen. Bis heute jedoch analysiert er die Geschichte der Macht des Tons.
Nik Nowak, Soundkünstler
"Im Zweiten Weltkrieg haben alle Seiten Panzer mit Lautsprechern bestückt und haben versucht, den Feind durch Soundcollagen zu irritieren, das heißt dann wurden Aufnahmen gemacht von schweren Panzern oder Trucks, die dann irgendwo anders abgespielt wurden."
Die bedrohliche Geräuschkulisse als Machtdemonstration: Nik Nowak weiß, wie das geht und wie diese Macht friedlich mobilisiert werden kann. Ihm geht es nie um Musik pur: seine Klangkörper mit ihrer absurden Mechanik sind bewusst sinnfreie Skulpturen.
Trotzdem: Nik Nowaks Objekte wecken Besitzgelüste, erzählt er, wie all diese kleinen Geräte mit Musik drin. Denn der eigene, tragbare Sound, er verleiht Identität.
Jetzt aber geht es ihm auch um das Zuviel dieser "Ich-Geräusche", dieser digitalen Vervielfältigung des Egos in den sozialen Netzwerken. "Delethe" - das ist ein Projekt, das der Auslöschung dient. Wer will, kann eine Art Testament machen für seine Hinterlassenschaften im Internet. Ein schallschluckender Raum steht für diese Vision.
Nik Nowak, Soundkünstler
"Früher ging es noch um die Unsterblichkeit - heute geht es darum, dass man vielleicht gar nicht mehr sterben kann, das ist wie so eine ganz neue Realität, mit der man sich noch nicht richtig befasst hat."
Lethe, der Fluss des Vergessens, ist Namenspate des Projekts. Denn jeder Sound braucht zu seiner Zeit auch die Stille.
Autorin: Petra Dorrmann







