Dach der US-amerikanischen Botschaft mit Flagge vor Bundeskanzleramt (Bild: dpa)
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- US-Comedians haben die Wahl

Hillary Clinton oder Donald Trump? Die Amerikaner wählen einen neuen Präsidenten. Auch in Berlin und Brandenburg können knapp 20.000 US-Bürger abstimmen. So auch die amerikanischen Comedians in Berlin. Den meisten von ihnen vergeht beim Gedanken an einen Präsidenten Donald Trump allerdings das Lachen.

Josh Telson, Comedian
"Trump als Bauunternehmer, würde wahrscheinlich sagen: Was für eine miese Mauer."

Noah Telson, Comedian
"Schlechte Bausubstanz. Und sie hat nicht mal gehalten."

Josh Telson, Comedian
"Darauf würde er rumreiten: Dass die Mauer gefallen ist."


Sarah Neary, Josh und Noah Telson und Chris J. Rock - die vier Berliner Comedians sind US-Bürger. Sie haben schon per Briefwahl abgestimmt, alle vier für Hillary Clinton. Donald Trump-Anhänger kennen sie keine. Dass er in den USA überhaupt Präsidentschaftskandidat werden konnte, wundert sie immer noch.

Josh Telson, Comedian
"Es gibt wirklich diese Haltung: Scheiß drauf, nach uns die Sintflut. Es ist ihnen egal. Sie werden Trump wählen, sie wissen, dass er verrückt ist und schreckliche Dinge tun wird. Aber wenigstens ist er weder Hillary noch Obama."

Eigentlich machen sie ihre Witze auf der Bühne. Sie improvisieren und nennen es Comedy Sportz: Zwei Teams treten gegeneinander an. Sie müssen spontan Begriffe, die das Publikum ihnen zuruft, in Pointen verwandeln. Zum Beispiel Begriffe wie "Seife".

Witze über Trump und Clinton zu machen, fällt den Comedians aber gar nicht so leicht.

Chris J. Rock, Comedian
"Wir Comedians nehmen etwas Absurdes, etwa US-Republikaner, die sagen, man muss die Macht der Regierung beschränken, ein schlanker Staat ist gut. Und wir treiben es auf die Spitze: Die schlankeste Regierung ist keine Regierung, schlanker geht es nicht. Aber so absurd du die Aussagen von Trump verdrehst, seine Anhänger stimmen dir einfach zu."

Noah Telson, Comedian
"Es ist halt schwer, etwas zu überspitzen, was schon absurd ist."


Noah Telson betreibt das Comedy Café Berlin, eine Bar mit Bühne, auf der fast ausschließlich englische Comedy läuft. Mit seinem Bruder Josh und Chris Rock gibt er auch Comedy-Kurse.

Josh und Noah Telson haben eine deutsche Mutter, sind beide in Nordrhein-Westfalen geboren, aber in den USA aufgewachsen. Die aktuelle Wahl hat Josh gezeigt, dass ihm Deutschland mittlerweile viel näher liegt.

Josh Telson, Comedian
"Ich habe Kinder, ich habe vor, eine gute Weile in Deutschland zu bleiben. Ich bin gespalten, ein Teil von mir sagt wirklich: Darf ich sagen 'Scheiß drauf'? Die Wahl berührt mich nicht mehr so wie frühere. Die kriegen da drüben das, was sie verdienen."

Um ein Mindestmaß an Ausgewogenheit herzustellen, versuchen die vier US-Comedians am Brandenburger Tor wenigstens einen Trump-Anhänger zu finden.

Noah Telson, Comedian

"Sind Sie Trump-Anhänger?"
Passant
No.
Passant
"No."

Passantin 

"Nein."
Josh Telson, Comedian
"Ich hasse Trump."

Noah Telson, Comedian 
"Kannst du bitte für uns so tun, als wärst du für Trump?"
Frau
"Okay."
Noah Telson, Comedian
"Warum liebst du Trump?"
Frau
"Es ist einfach der Beste."
Noah Telson, Comedian
"Und seine Frisur?"
Frau
"Ich liebe sie."
Noah Telson, Comedian
"Wie respektvoll geht er mit Frauen um?"
Frau
"Er respektiert Frauen."


Und was, wenn der nächste US-Präsident tatsächlich Trump heißt?

Chris J. Rock, Comedian
"Dann muss ich dann vielleicht zurück in die USA und meinen Beitrag leisten."


Josh Telson, Comedian
"Ich werde meinen US-Pass zurückschicken und sagen: Nein, danke. Ich bin ab jetzt in Deutschland."


Noah Telson, Comedian
"Selbst wenn Trump verliert, werden wir daran zu knabbern haben, weil er so einen Zorn entfacht hat."

 
Sara Nere, Comedian

"Er wird nicht gewinnen. Das kann nicht sein."


Autorin: Patricia Corniciuc

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