Model Lara wird am 13.1.17 für die Fashion week geschminkt (Quelle: dpa/Jens Kalaene)

Berlin im Mode-Fieber - Die Berlin Fashion Week 2017

Bei der diesjährigen Fashion Week fällt auf, dass es immer mehr Models zu geben scheint, die nicht so jung, dünn und schön wie nur möglich daherkommen. Ist das nur gutes Marketing oder ist die Mode der Gesellschaft voraus?

Was ist schön? Und wer? Hier auf der Fashion Week gibt es darauf unzählige Antworten, so viele verschiedene Stile. Aber wenn ich mich so umgucke, sehen doch alle irgendwie gleich aus. Jung, schlank, groß. Vielfalt? Bei den Outfits vielleicht, aber nicht bei denen, die sie tragen sollen.

Hengameh Yaghoobifarah ist dick. Die Journalistin liebt Mode, aber hier auf der Fashion Week fühlt sie sich wie außerirdisch, und hat sich von diesem Gefühl inspirieren lassen, und sich als "Alien in einem Kleid" gestylt.

Autorin
"Außerirdische schon so, weil Du dich hier ein wenig außergewöhnlich fühlst?"

Hengameh Yaghoobifarah, Journalistin und Bloggerin
"Ich fühle mich auf jeden Fall so ein bisschen herausstechend und ein bisschen off. Das könnte daran liegen, dass die meisten Leute auch schwarz gekleidet sind und ich eher etwas Buntes anhabe, aber viele sind einfach auch weiße, schlanke, große Personen."

Und die bestimmen die Bilder in der Mode, und damit unser Schönheitsideal. Hengameh Yaghoobifarah schreibt und bloggt gegen unsere Sehgewohnheiten an, für ein vielfältigeres Bild von Schönheit. Ihre Problemzone ist nicht ihr Körper, sondern die Gesellschaft, sagt sie.

Autorin
"Was würdest Du Dir denn wünschen von der Mode, dass sie vielfältiger und weniger diskriminierend wird?"

Hengameh Yaghoobifarah, Journalistin und Bloggerin
"Also, dass alle Körper sich gut fühlen, alle Körper als gute Körper gelten und man sich für seinen Körper nicht schämen muss. Sei es aufgrund von Behaarung, von Hautfarbe, von Größe, sichtbaren Behinderungen."

Vom Laufsteg gehe ich ins Kino: Hier wird der Dokumentarfilm "Iris" gezeigt, über die New Yorker Modeikone Iris Apfel. Die ehemalige Innenausstatterin ist 95 Jahre alt, mit über 80 wurde sie ein begehrtes Model. Sie entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal - und hat das auch nie versucht.

Iris Apfel, Modeikone
"Mir wurde gesagt: Du bist nicht schön und du wirst nie schön sein. Aber du hast etwas viel besseres: Du hast Style."

Nächste Station auf der Fashion Week: Letzte Probe für die Show der bekannten Berliner Designerin Esther Perbandt. An ihrer Seite Vera von Lehndorff, die für sie modelt - mit 77 Jahren.

Wir treffen sie in ihrer Garderobe, nur zehn Minuten bevor es auf den Laufsteg geht. In den 1960er Jahren wird sie als Veruschka berühmt, das erste Topmodell der Welt.

Autorin

"Welche Rolle spielt für Sie das Alter?"


Vera von Lehndorff, Künstlerin
"Manchmal macht es mir ein Problem, aber ich versuche damit umzugehen und es auch als etwas Schönes anzusehen, alt zu werden, weil sich ja auch im Gesicht die Erfahrung und das Leben spiegeln sollte, finde ich."


Hinter den Kulissen steigt die Spannung: Im Flur wird noch schnell das Outfit angepasst, das der Berliner Sänger Romano gleich präsentieren wird. Professionelle Models gibt es kaum in der Modenschau von Esther Perbandt. "13" heißt ihre Kollektion, das Label feiert das krumme Jubiläum.

Die Designerin macht keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Alle ihre Kleidungsstücke können von Männern genauso wie von Frauen getragen werden, außerdem möchte sie, dass nicht nur schlanke und junge Menschen darin gut aussehen.

Autorin
"Ist es Dir wichtig, gegen so ein gängiges Schönheitsideal anzugehen?"

Esther Perbandt, Modedesignerin

"Nein, das ist nicht der Ansatz bei mir. Bei mir geht es eher darum, dass ich Persönlichkeiten haben will, dass da echte Menschen drin sind, die auch schon eine gewisse Haltung haben und nicht nur eine Haltung außen, sondern auch eine Haltung von Innen, irgendwas, woran ich monatelang gebastelt habe an so einem 'laufenden Kleiderbügel' zu zeigen, das wird dem nicht gerecht, dem Wert, der da drinsteckt."

Auch bei Esther Perbandt geht es um Schönheit, aber nicht um die aus dem Katalog. Ihr Label feiert unsere Ecken und Kanten, das nicht Perfekte, unsere Individualität. Denn schön sind wir alle, aber nicht jung und schlank.


Autorin: Vanessa Loewel

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