Mitarbeiter des neuen Kunstmuseums Barberini in Potsdam (Brandenburg) bereiten am 13.01.2017 das über 50 Millionen Euro teure Gemälde "Mädchen auf Brücke" (r) des norwegischen Malers Edward Munch (1863-1944) zur Hängung vor. Foto: dpa/Ralf Hirschberger

Große Impressionismus-Schau - Das Museum Barberini eröffnet in Potsdam

Das neue Museum Barberini in Potsdam öffnet seine Türen. Das Privatmuseum, gestiftet von SAP-Gründer Hasso Plattner, startet mit einer großen Impressionismus-Schau. Kurz vor der Eröffnung blickt Stilbruch hinter die Kulissen des neuen Kunstmuseums.

Eine millionenschwere Leihgabe: Monets "Waterloo Bridge" aus dem Denver Art Museum. Zwei Tage und Nächte war das Gemälde aus den USA unterwegs nach Potsdam - ein sehr besonderer Passagier, persönlich begleitet vom deutschen Direktor des Denver Art Museums, Christoph Heinrich. Sind neue Risse entstanden? Minutenlange Anspannung. Alles okay.

Christoph Heinrich, Direktor des Denver Art Museums
"Ich freue mich, das Bild zu sehen, es ist eins meiner Lieblingsbilder."


Nicht nur aus Denver sind Gemälde nach Potsdam gekommen, es gibt auch Leihgaben aus der Eremitage in St. Petersburg, aus Paris, Köln und Jerusalem, die die Sammlung impressionistischer Landschaftsbilder von Hasso Plattner ergänzen. Alles für die Eröffnungsausstellung: "Die Kunst der Landschaft", die zeigen will, was den Impressionismus ausmacht.

Die Maler um Claude Monet wollten Landschaften nicht nur einfach darstellen, sondern haben sie zerlegt - in Licht und Schatten, Farbe und Struktur. Ortrud Westheider hat die Bilder aus der ganzen Welt in Potsdam zusammengebracht.

Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini
"Die Maler haben sich ganz bestimmte Themen wie Gartenbilder, Schneelandschaften oder Reflexionen auf Wasser ausgesucht, um ihrer Malerei Freiheit zu verleihen."

Christoph Heinrich, Direktor des Denver Art Museums
"Worum es geht, ist ein Schärfen der Wahrnehmung. Okay, checked, Seerosenteich - weiß ich, was das Bild darstellt. Aber darum geht es ja gar nicht, sondern es geht darum, dass es zeigt, was Malerei kann und wie Malerei uns bewegen kann."


Potsdams neuer Prachtbau: Das Museum Barberini. In nur drei Jahren ist es entstanden, von der nachgebauten Barockfassade bis zur Innenausstattung aus Bronze. Multimilliardär Hasso Plattner hat sich sein Kunsthaus was kosten lassen, auch wenn er nicht über die Kosten spricht. Kunst sammelt er schon lange, jetzt hat er sich den Traum vom Museum erfüllt - ein Haus ganz nach seinem Geschmack.

Hasso Plattner, Museumsstifter und Kunstsammler
"Die Bilder hängen nun seit vielen Jahren bei mir zu Hause. Da hätten sie auch bleiben können, aber die Alternative ist eben, sie auch mal zu zeigen. Und dass sie nun in einem eigenen Museum gezeigt werden können, das liegt im Wesentlichen daran, dass ich mir das leisten kann."

Christoph Heinrich ist begeistert vom neuen Museum. Er kennt die Direktorin Ortrud Westheider noch aus Hamburg. Er war dort Kurator der Neuen Kunsthalle, sie beim Bucerius-Kunstforum. Christoph Heinrich hat in öffentlichen Museen Karriere gemacht. Jetzt ist er Direktor des Denver Art Museum. Das ist typisch amerikanisch, nämlich privat finanziert.

Christoph Heinrich, Direktor des Denver Art Museums
"Ich glaube, dass in Deutschland auch die Museen langsam immer deutlicher den privaten Mäzen brauchen. Die Zeit, wo sich Museen ganz auf die öffentliche Hand verlassen konnten, sind schon lange vorbei."

Private Mäzene mischen die Kunstszene auch bei uns auf. Die Sammlung Olbricht im "me Collectors Room", Christian Boros' Kunstbunker setzen in der Berliner Kunstlandschaft neue Akzente. Und nur mit der Unterstützung von Sammlern und Mäzenen sind Museen überhaupt noch denkbar. Denn nur diese können den Ankauf herausragender Werke noch finanzieren. Ohne Ulla Und Heiner Pietzsch gäbe es zu wenig Surrealismus und ohne Heinz Berggruen weniger Picasso.

Christoph Heinrich, Direktor des Denver Art Museums
"Man wird sich immer mehr an Public-private-partnerships gewöhnen. Ich glaube, dass es auch für die Kultur gut ist und es auch eine Vielfalt - und wie man hier sieht - eine sehr hohe Qualität für Kultur ermöglicht."

In der Tat, im komplett privat finanzierten Museum Barberini sind Ausstellungen auf hohem Niveau angekündigt. Von Max Beckmann bis Edward Hopper. Zwei bis drei Ausstellungen soll es pro Jahr geben. Ein Konzept, das viel Publikum verspricht. Und mit dem das Museum Barberini einen Spitzenplatz unter den Privatmuseen in Europa beansprucht.


Autorin: Julia Baumgärtel

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