Ernst Lubitsch (Bild dpa)

- Ernst Lubitsch zum 125. Geburtstag

Meisterregisseur Ernst Lubitsch war der Schöpfer grandioser Filme wie "Sein oder Nichtsein" und "Ninotschka". Lubitschs Karriere nahm seinen Anfang in Berlin. Anlässlich eines Programms zu seinem 125. Geburtstag ist Tochter Nicola aus Los Angeles nach Berlin gereist. (Das Video zum Beitrag ist aus lizenzrechtlichen Gründen nicht verfügbar)

Sie gilt als die schöne, unterkühlte Filmdiva: Greta Garbo. Dann plötzlich... Nie hat sie auf der Leinwand so schallend gelacht wie in "Ninotschka".

Er ist der Mann, der das vollbracht hat: Regisseur Ernst Lubitsch. Eine linientreue Genossin und ein Pariser Filou - er inszeniert die Widersprüche zwischen Kommunismus und Kapitalismus in einer Liebesgeschichte.

Szene aus "Ninotschka"
"Ninotschka mögen sie mich ein bisschen gern?"
"Ich habe nichts gegen ihr Äußeres einzuwenden."
"Danke."
"Das Weiße ihrer Augen ist klar, sie scheinen ausgezeichnete Hornhaut zu haben."
"Schluck."


Nicola Lubitsch, Tochter von Ernst Lubitsch

"Sie glaubte einfach nicht, dass sie eine Komödie spielen könne, sie hatte das noch nie gemacht. Und mein Vater glaubte an ihr komisches Talent. Er überzeugte sie."


Nicola Lubitsch ist die Tochter von Ernst Lubitsch, geboren 1938, kurz vor Drehbeginn von "Ninotschka".

Als er nur neun Jahre später stirbt, verliert die Welt einen einzigartigen Filmemacher, sie einen liebevollen Vater und Geschichtenerzähler.

Nicola Lubitsch, Tochter von Ernst Lubitsch
"Ich habe immer gespürt, dass er mich mehr liebte als alles andere. Er schrieb mir Geschichten für meine Puppen und Katzen, erzählte mir von den schönen Kleidern aus einem Film. Auf der anderen Seite habe ich das Gefühl, dass er sehr deutsch war. Er wollte, dass ich mich benehme und ich sollte mich höflich und brav mit unseren Gästen unterhalten."


Nicola Lubitsch ist aus Los Angeles nach Berlin gekommen. Ihr Vater wird zu seinem 125. Geburtstag mit einem Festival geehrt - im Kino Babylon, nicht weit vom ehemaligen Wohnhaus der Familie.

An der Schönhauser Allee 183 wohnen die Lubitschs. Die Eltern betreiben ein Schneideratelier am Rande des Scheunenviertels. Die Familie ist jüdisch. Mit 16 beschließt Lubitsch Schauspieler zu werden. Schon im Film "Schuhpalast Pinkus" zeigt sich sein komödiantisches Talent - und bald dreht er erste eigene Stummfilme als Regisseur.

Nicola Lubitsch, Tochter von Ernst Lubitsch

"Er war wirklich ein Berliner, und sein Humor, gerade in seinen frühen Stummfilmen, hat eine Raffinesse und Perfektion - es ist dieser spezielle Berliner Humor. Als er hier arbeitete, mit Max Reinhardt und all denen, das war wirklich eine außergewöhnliche Zeit, ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Geisteshaltungen."


Mit Pola Negri dreht Lubitsch dann "Madame Dubarry". Mit gnadenlosem Witz demaskiert er die Adligen zur Zeit der Französischen Revolution. Der Film wird bald von Hollywood gekauft. Der Durchbruch. 1922 geht Lubitsch in die USA, arbeitet für die großen Studios. Nach Berlin kommt er nur noch einmal zurück. Nach der Machtergreifung der Nazis will er die Erinnerungen an Deutschland tilgen.

Nicola Lubitsch, Tochter von Ernst Lubitsch
"Niemand im Haus durfte Deutsch sprechen, was interessant war, weil alle die dort arbeiteten, Deutsch waren. Aber er wollt kein Deutsch mehr hören als der Krieg kam, es war verboten."


Die Nazi-Parodie "Sein oder nicht sein" - eine meisterliche Komödie mit dem typischen "Lubitsch Touch", dieser genialen Mischung aus Humor, geistreichen Dialogen, Absurditäten.

Eine politische Groteske, obwohl ihr Vater gar nicht so politisch gewesen sei, sagt Nikola Lubitsch. Sie hingegen ist es, gerade jetzt unter Trump.

Nicola Lubitsch, Tochter von Ernst Lubitsch
"Er ist psychotisch... Trump. Ich finde, er ist eine entsetzliche Person. Wir schämen uns, dass er an der Macht ist, ein Albtraum."

Und was hätte Ernst Lubitsch von Trump gehalten? Er hätte er ihn wahrscheinlich zu einer Figur in "Sein oder nicht sein" gemacht, sagt seine Tochter.

Nicola Lubitsch, Tochter von Ernst Lubitsch
"Er wäre Hitler, nicht wahr?!


Autorin: Anna Bilger

weitere Themen der Sendung

Der Regisseur Andreas Dresen posiert am 04.08.2016 im Filmpark Babelsberg während eines Pressetermines zum Film "Timm Thalers Fantasiewelt" neben einem Foto des Hauptdarstellers Arved Friese. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)

Andreas Dresen verfilmt "Timm Thaler"

Mehr als 30 Millionen Menschen haben 1979 vor dem Fernseher mitgefiebert, ob Timm Thaler sein verkauftes Lachen wiederbekommt. Jetzt hat Regisseur Andreas Dresen "Timm Thaler" neu verfilmt, unter anderem mit seinem Lieblingsschauspieler und Bandkollegen Axel Prahl.

So war's: Sir Simon Rattle dirigiert die Berliner Philharmoniker (Quelle: Monika Rittershaus)

#MeineEntdeckung - Bei Sir Simon Rattle in der Philharmonie

Eines der besten Orchester der Welt und einer der gefragtesten Dirigenten unserer Tage - normalerweise kann man sie ausschließlich während eines Konzertes erleben. Stilbruch bietet einigen Zuschauern die Gelegenheit, bei einer Probe in der Philharmonie dabei zu sein, wo sie die Musiker sowie den Dirigenten-Weltstar John Adams treffen können.

Fake News

Die Debatte um sogenannte Fake News hat in den vergangenen Wochen Fahrt aufgenommen - nicht umsonst wurde "postfaktisch" zum Wort des Jahres 2016 gewählt. In Berlin haben sich Aktivisten zusammen gefunden, um gegen Fake News anzugehen.

Trauerfeier für Florent

Kulturtipps

Tipp 1: "König Ubu featuring Craque" im Theater RambaZamba
Tipp 2: Podcastserie "Bilals Weg in den Terror"
Tipp 3: Stephen Paul Taylor

Die Komische Oper in der Berliner Behrenstraße (Quelle: dpa-Zentralbild/Jens Kalaene)

Britische Theatergruppe "1927" an der Komischen Oper

Mit ihrer Inszenierung der "Zauberflöte" an der Komischen Oper landete die Theatergruppe "1927" einen überwältigenden Erfolg. Nun kommen die Briten zurück an die Komische Oper und inszenieren das Ballett "Petruschka" von Igor Strawinsky sowie die Oper "L’enfant des sortilèges" von Maurice Ravel.