Die Sängerin Christiane Rösinger (Quelle: imago)

- 'Lieder ohne Leiden' von Christiane Rösinger

Der Berliner Anti-Star des deutschen Pop ist nach sechs Jahren Pause zurück. Christiane Rösinger singt auf ihrem neuen Album "Lieder ohne Leid" vom Leben in ungewissen Zeiten und hat zudem ein Buch herausgebracht: "Zukunft machen wir später".

Fast fühlt es sich an wie ein Comeback. Dabei ist Sie eigentlich nie von der Bildfläche verschwunden. Christiane Rösinger hat Stoff für neue Lieder gesammelt. Deutsch unterrichtet, Rabatten bepflanzt. Und Nun ergreift sie wieder das Wort und wenn Sie mit Worten spielt, lohnt es sich immer zuzuhören. Lieder ohne Leiden verspricht ihr neues Album.

Christiane Rösinger, Musikerin und Autorin
Es gibt das Klischee von der Musikerin, die leiden muss, um was Gutes hervorzubringen - und natürlich ist schneller ein Lied da, wenn man an etwas leidet als wenn man im Glück lebt. Bei dem Album dachte ich: Ich hab jetzt genug von diesen traurigen Liebesliedern, ich mache was ganz anderes, ich habe neue Themen.

Themen, die vom Leben in Berlin erzählen, das nicht immer hip und fancy ist. In ihrer Eigentumswohnung besingt Rösinger eine Erfahrung, die sie mit vielen Berlinerinnen teilt, deren Mietwohnung plötzlich in Eigentümer-Hände fällt.

Keine bösen Immobilien Tycoone werden aufs Korn genommen. Es ist die "Generation Erben", die die Mieter aus ihrem Lebensraum drängt. Und dafür auch noch um Verständnis bittet.

Musik
"Wir wollen ja keinen vertreiben, aber wir müssen auch irgendwo bleiben. Wir müssen schließlich auch irgendwo wohnen und Erben muss sich wieder lohnen."

Christiane Rösinger
Das Wtzige daran ist, dass die Leute die aus einem alternativen, linken Umfeld kommen. Ddie haben immer ein bisschen Probleme, das Geld von den Eltern anzunehmen, da fühlen die sich immer ein bisschen schlecht, weil so richtig cool ist das nicht.

Integration ist das andere große Thema, das Rösinger in den letzten Jahren beschäftigt hat und das ganz buchstäblich: seit zwei Jahren bringt sie Geflüchteten Deutsch bei. Ein Thema zu groß für einen Popsong, aber groß genug für ein Buch. In "Zukunft machen wir später" erzählt sie nicht nur vom Kampf der Kursteilnehmer mit der deutschen Grammatik, sondern auch von den eigenen Lektionen, die sie als Deutschlehrerin lernen musste.

Wie man als 56-jährige Musikerin in die Zukungt blickt - auch davon singt Christiane Rösinger ihr eigenes Lied: Dem allgegenwärtigen Jugendwahn trotzt sie mit einem Song über die "Freuden des Alt-werdens".

Christiane Rösinger
Es gibt inzwischen auch viele Bücher darüber: Schlimm die Wechseljahre, alles so furchtbar, die Männer beachten mich nicht mehr! Aber man müsste mal anders dran gehen: Scheiß drauf - ist mir doch egal!

Musik
"Und doch muss ich mein Alter loben, der Pflicht zur Fortpflanzung enthoben. Vom Mittun in der Dating Welt sind wir zum Glück frei gestellt."

Ob mit oder ohne Leiden: es ist schön, sie wieder zu hören. Diese aufmüpfigen Lieder voll heiterer Melancholie.

Autorin: Charlotte Pollex

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