Verschollenes Gemälde Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc (Quelle: Haus am Waldsee/Copyright: bpk Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte)

- 'Vermisst': Ausstellung zu einem verschollenen Gemälde von Franz Marc

Seit Jahrzehnten kursiert das Gerücht, dass der "Turm der blauen Pferde" (1913) von Franz Marc nach dem Zweiten Weltkrieg zuletzt im Haus am Waldsee gesehen wurde. Zwölf zeitgenössische Künstler stellen sich jetzt neue Fragen rund um den Verbleib des Kunstwerks.

Denkt man an Franz  Marc, denkt man an Pferde. Kein Wunder also, wenn der Künstler Via Lewandowsky ein präpariertes Pferd bearbeitet und damit an das verschollenes Bild "Der Turm der blauen Pferde" erinnert. Denn darum geht es,  um das Verschwinden eines der bekanntesten Bilder des Expressionismus mit all seinen Geschichten, Mythen und Gerüchten.

Christian Jankowsky tut so, als sei das Bild "Der Turm der blauen Pferde" immer noch da. In seiner Videoinstallation sieht man, wie es ablaufen würde, wenn das Meisterwerk von Marc heute an das Haus am Waldsee ausgeliehen würde?

Der Maler Norbert Bisky, den die expressiven Bilder von Franz Marc stark beeinflusst haben, hat das Bild erst kopiert dann zerstört.

Norbert Bisky, Maler
Ich wollte für mich selbst herausfinden wie ist es, wenn ich ein Bild aufbaue, es male da viele Stunden hineininvestiere und dann ist es einfach weg, es wird kaputt gemacht. Das ist ja das Erschreckende an den ganzen Vorgängen die sich um das Bild und um die vielen, vielen anderen tausend Bilder auch ranken. Das sind viele Kulturleistungen, die sind einfach weg.

Die Geschichte des Bildes gleicht einem Krimi

"Der Turm der blauen Pferde" wird mit seinen dramatisch gestaffelten, blauen Pferden schnell zum Publikumsmagneten der Weimarer Republik. Franz Marc hat es 1913 gemalt. Manche meinen es sei seine Vorahnung des ersten Weltkriegs, in dem er drei Jahre später gefallen ist.

Das Bild wird 1919 von der Berliner Nationalgalerie gekauft und hängt 1936 im Kronprinzenpalais. Den Nazis gilt es als entartet, 1937 hängt es im Haus der Kunst in München. Doch nach nur drei Wochen wird es auf Anordnung von Hitler entfernt und wieder nach Berlin gebracht. 1947 ist es angeblich zum letzten Mal gesehen worden: Im Haus am Waldsee, dem Wohnsitz des früheren Direktors der Reichsfilmkammer. Danach verliert sich die Spur. Heute existieren nur noch Nachdrucke.

Auch nach 80 Jahren weiß man nicht, was mit dem Bild geschehen ist. Für die Ausstellung "Vermisst" hat der Künstler Marcel van Eeden alles, was man über das Bild weiß, in einer Art Comic nacherzählt.

Via Lewandowsky mochte die Pferde-Bilder von Franz Marc schon in seiner Kindheit. Deshalb sein durchbohrtes Pferd, mit dem er auf die große Popularität von Franz Marc anspielt.

Via Lewandowsky, Künstler
Der Mensch war für ihn ein nicht idealwürdiges Wesen gewesen. Er hat seine Utopien mehr in der Natur gesehen in der sog.  Animalisierung der Welt und mit dem Bild des sterbenden Pferdes, es stirbt in der Ausstellung, im Sinne des heiligen Sebastians, der von Pfeilen durchbohrt wurde, wird diese Pferd hier und auch das Sterben der Kunst oder auch seiner Kunst, die er voran gebracht hat und für die er gelebt hat, wird es gezeigt.

Remy Markowitsch hat in seiner Videoinstallation historische Dokumente zum Leben erweckt. Er zeigt, in welchen Ausstellungen das Bild "Der Turm der blauen Pferde" zu sehen waren und lässt sie miteinander kommunizieren.

Und die Bildhauerin Birgit Brenner stellt den sterbenden Soldaten Franz Marc in den Mittelpunkt.

Diese Ausstellung ist einerseits eine Hommage an Franz Marc. Sie stellt aber auch die Frage, warum nie intensiver nach dem "Turm der blauen Pferde" gesucht wurde. Es bleibt eine Leerstelle.

Autorin: Yvonne von Kalinowsky 

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