Der türkische Schaupsieler Reha Beyoglu, der in dem Film "Reis" (Der Chef) den türkischen Staatspräsidenten Erdogan verkörpert, steht am 26.02.2017 auf einem Pressetermin in Istanbul. (Quelle: dpa/Lefteris Pitarakis)
Bild: AP

- Erdoğan-Biopic 'Reis'

Seit einigen Tagen läuft eine Filmbiographie über den jungen Erdogan in deutschen Kinos: "Reis". Wir sind gemeinsam mit der Autorin und Erdogan-Kritikerin Seyran Ates ins Kino gegangen.

Die Rechtsanwältin und Autorin Seyran Ates: sie setzt sich für Menschen- und Frauenrechtsfragen ein: Nun will sie sich den türkischen Film "Reis – Der Anführer" ansehen. Seit einer Woche laufen 35 Kopien erfolgreich in Deutschland. Der Film erzählt vom Aufstieg von Recep Tayyip Erdoğan in heroischen Farben und mit Pathos.

Wie hat Seyran Ates den Film gesehen?

Seyran Ates, Rechtsanwältin und Autorin
Der Film ist ein Ausdruck der Spaltung der Gesellschaft…

Erdoğan möchte eine Verfassungsänderung, die ihm umfassendere Rechte als Präsident einräumt. Die Chancen stehen 50:50. Er und seine Anhänger kämpfen um die Unschlüssigen mit allen Mitteln. In der Türkei habe er kritische Journalisten mundtot gemacht, sagen seine Gegner.

Der Film "Reis" wurde zwar unabhängig produziert, zeichnet aber ein schmeichelhaftes Bild von Erdogan. Im Mittelpunkt steht seine Jugend - sein Aufwachsen in armen Verhältnissen und unter korrupten Strukturen. Das gefällt den meisten, die den Film hier schauen, aber nicht allen.

Kinobesucher
"Super. Weil der Mann einfach super ist. – Auch meine Familie ist gespalten."

Der Riss innerhalb der türkischen Community spiegelt den Riss im deutsch-türkischen Verhältnis wider. Die Kritik an Erdoğans Machtstreben ist hierzulande wird auch von führenden deutschen Politikern geteilt. Zurecht, meint Seyran Ates.

Seyran Ates
Das, was gerade in der Türkei passiert, … wenn jemand anders denkt.

Im Film wird Erdoğan zum Märtyrer, als ihn seine politischen Gegner ins Gefängnis bringen. Für deutsche Besucher ohne türkischen Background wirkt das alles bizarr und schwülstig. Dennoch meint Seyran Ates, muss man verstehen, warum viele Türken auch hier Erdogan so anhimmeln: weil sie sich vom Westen immer noch ausgegrenzt fühlen.

Seyran Ates
Am Ende des Tages gehören wir nicht dazu.

Im Kino Alhambra diskutieren immerhin einige Zuschauer nach dem Film miteinander. Vielleicht ist das die Chance, die dieser Film bietet.

Autor: Norbert Kron

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