Filmstill aus "Happy" von Carolin Genreith (Quelle: Corso Film)
Bild: Corso Film

- 'Happy' - ein anrührender Dokumentarfilm

Als die Regisseurin Carolin Genreith erfährt, dass sich ihr Vater im Thailandurlaub in eine 30 Jahre jüngere Frau verliebt hat, ist sie zunächst peinlich berührt. Doch dann begleitet sie ihren Vater mit der Kamera - und schafft einen anrühenden Dokumentarfilm: "Happy".

Was, wenn der eigene Vater sich im Urlaub in eine halb so alte Thai-Frau verliebt. Der Regisseurin Carolin Genreith ist genau das passiert. Und sie fragt sich: Ist das Liebe? Oder nur ein Tausch-Geschäft: Zuneigung gegen Geld? In ihrem Dokumentarfilm "Happy" erzählt  sie nun von der Suche ihres Vaters nach dem späten Glück und von seiner Angst, allein alt zu werden.

Szene aus "Happy"

Carolin Genreith: In Thailand kann man überall und zu jeder Nacht und Tageszeit kann man Frauen kennenlernen.

Dieter: Ja

Carolin Genreith: Das ist toll

Dieter: Ja das ist toll.

Carolin: Weil Du Dich dann wieder jung fühlst.

Dieter: Weil ich mich jung fühle und weil ich das hier in Deutschland nicht mehr habe.

Carolin: Aber Papa, Du bist auch 60 Jahre alt, vielleicht muss man das auch nicht mehr haben.

Dieter: Ich hätte das aber gern mit 60.

Schonungslos ehrlich beantwortet Vater Dieter die Fragen seiner Tochter. Anfangs ist Carolin Genreith peinlich berührt. Der Vater könnte ja ein Sextourist sein. Doch dann erforscht sie vor laufender Kamera seine Wünsche und Träume. Dabei verändert sich ihr Verhältnis zum ihm.

Carolin Genreith, Regisseurin
Also lustiger Weise hat der Film total geholfen, diese Gespräche, diese Streitgespräche zu führen. Und durch meine Rolle als Regisseurin in dem Film und durch meine Aufgabe ihn zu verstehen und ihn zu porträtieren, muss ich das und habe dann Fragen gestellt, vor denen ich mich vorher gedrückt hätte, normal in meiner Tochterrolle.

Carolin Genreith zeigt den Alltag von Vater Dieter und seiner Thaifrau Tukta, die sich auf ein Leben in Deutschland vorbereitet.

Szene aus "Happy"

Dieter: Würdest Du hier leben? Würdest Du hier leben wollen?

Sensibel nähert sich die Regisseurin dem Liebesverhältnis von Dieter und Tukta, die aus wirtschaftlich ungleichen Verhältnissen kommen - hat der die Macht, der das Geld hat?

Carolin Genreith, Regisseurin
Am Anfang stelle ich ja die Frage, ob das Liebe ist, aber vielleicht ist es auch gar nicht so wichtig, was es genau ist, weil die Beziehung einfach funktioniert, und die funktioniert eben auf Augenhöhe, sobald ich Tukta kennengelernt habe, habe ich verstanden, dass Sie eine ganz selbstbewusste Frau ist.

In "Happy" macht Carolin Genreith auch als Tochter eine Entwicklung durch. Sie muss ihr Bild vom sexhungrigen Vater überdenken, nachdem  sie Tukta kennenlernt und mit ihr über den Vater sprechen kann.

Schließlich heiratet Dieter seine Tukta und damit nicht nur ihren Sohn, sondern die ganze Familie.

Carolin Genreith
Meine Intention war es, den Zuschauer in Frage stellen zu lassen, sein eigenes stereotypes Bild, dass er es vielleicht nicht revidiert, aber vielleicht denkt, dass könnte doch etwas anderes sein und das ist vielleicht auch ein ganz interessantes Spannungsfeld.

"Happy" ist ein wunderbar humorvoller Film. Er stellt die romantische westliche Vorstellung von Liebe in Frage. Und lässt damit den Zuschauer etwas ratlos zurück. Aber er fordert uns dazu heraus, auch unsere eigenen Beziehungen genauer zu erforschen. 

Autorin: Margarete Kreuzer

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