"Pulse of Europe" Demonstration für Europa © imago/Hannelore Förster
Bild: imago/Hannelore Förster

- Generation Erasmus geht auf die Straße

Sie treten für ein geeintes, freies Europa auf die Straße: Die Generation Erasmus will Europa nicht den Populisten und Nationalisten überlassen. Für das kommende Wochenende sind gleich zwei große Veranstaltungen geplant.

Sie wissen, was sie wollen – für sie ist Europa mehr als eine abstrakte Idee, es ist etwas, das sie mitgestalten möchten. Sie sprechen Deutsch oder Englisch miteinander, kommen aus Frankreich, Italien oder Deutschland –beim March for Europe feiern sie ihr Europa.  

"Solidarität, Zusammenhalt, Gerechtigkeit" – das sind die Werte, die hochgehalten werden sollen.

Für mich ist jetzt der Moment für Europa einzustehen, nach dem Jahr 2016, was politisch ein Scheißjahr war, wir haben uns gesagt, so kann’s nicht weitergehen.

Ich fand es etwas merkwürdig, dass die Menschen die Idee eines vereinten Europa in Frage stellen, dass Länder denken durch Abgrenzung besser dazustehen, aber Gemeinschaften sind einfach stärker.

Ich bin mit der Selbstverständlichkeit Europa aufgewachsen, hätte nicht gedacht, dass es mal auf dem Spiel stehen könnte, und sehe jetzt aber wirklich  das Risiko und deswegen ist für mich jetzt der Moment gekommen.

Für die israelisch-russische Musikerin Mary Ocher ist es selbstverständlich beim March for Europe dabei zu sein, Ungleichheit und Fremdenhass kritisiert sie in ihren Songs, auch auf ihrem neuen Album.

Mary Ocher, Musikerin
Es passiert an vielen Fronten zur gleichen Zeit. Wenn wir uns nicht vereinen, uns nicht mit anderen Menschen zusammenschließen und versuchen, etwas zu tun, enden die Dinge möglicherweise beschissen.

Mary Ocher wird in Moskau geboren, verbringt ihre Jugend in Tel-Aviv. In Israel ist sie eine Außenseiterin – sie verweigert den Wehrdienst. Seit zehn Jahren lebt sie in Berlin. Hier kann sie als Künstlerin frei arbeiten.

Mary Ocher
Ich denke, dass viele Leute, die möglicherweise rassistisch oder fremdenfeindlich oder nationalistisch sind, eigentlich gar nicht aus der Europäischen Union raus möchten, weil sie eigentlich einen sehr bequemen Platz in der Union haben. Aber sie haben bestimmte Vorstellungen davon, welche Menschen in ihren Ländern leben sollten.

Den Rechtspopulisten auf keinen Fall das Feld überlassen, Europa stärken – das treibt die Berliner Filmemacherin Pola Beck zur Demonstration auf den Gendarmenmarkt. Sie kommt jeden Sonntag zum Pulse of Europe. Anfangs waren es nur wenige hundert Demonstranten, jetzt sind es tausende.

Pola Beck, Regisseurin
In Zukunft auch vielleicht in anderen Ländern als Regisseurin zu arbeiten, mit Co-Produktionen aus anderen Ländern, mit Schauspielern aus anderen europäischen Ländern – ich finde, das ist für mich so selbstverständlich, um großes Kino zu machen, das gehört dazu.

Pola Beck hat an der Filmuniversität Babelsberg studiert, lebte ein Jahr in Dänemark, erkundete mit dem Zug Europa. Das es möglich ist, in ganz Europa, in 28 verschiedenen Ländern leben zu können,  diese Chance möchte sie bewahren.

Pola  Beck
Politisiert habe ich mich vor 2 ½ Jahren mit der Geburt meines Sohnes, weil ich mich gefragt habe, in welcher Welt er leben soll und wie ich diese Welt mitgestalten kann und muss.

Die Welt so gestalten, dass die nachfolgenden Generationen in einem vereinten und friedlichen Europa leben können – das ist der Wunsch vieler hier.

Pola Beck
Ich muss aktiv werden. Ich kann nicht einfach nur da sitzen und Nachrichten schauen und dann geh ich ins Bett schlafen und es passiert nichts.

Mary Ocher
Die Vielfalt der Kulturen, wo jeder vom anderen lernt, was sehr utopisch wirkt, aber wenn wir uns anstrengen, könnten wir es schaffen.

Autorin: Karolin Krämer

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dpa

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