Die durchgeknallte Tiger (Ella Rumpf, re) bringt der schüchternen Vanilla (Maria Dragus) das Beißen bei. (Quelle: FOGMA GmbH/Timon Schäppi)

Kinostart am 6. April - Junges, energiegeladenes Kino - 'Tiger Girl'

Mal richtig dreist sein, keine Rücksicht auf Verluste und dem Menschen gegenüber einfach mal eine verpassen - genau darum geht es in"Tiger Girl" von Jakob Lass, der bald in die Kinos kommt.

"Lobet die Frauen, sie flechten und weben himmlische Fäden ins irdische Leben". Von Baseballschlägern war damals nicht die Rede, als Friedrich Schiller diese Zeilen dichtete.

Seltenheitswert hat dergleichen bis heute, zumindest auf der Leinwand.

Szene aus "Tiger Girl"
Was willstn Du machen? Irgendwas - bämm.

"Irgendwas Bämm" – in "Tiger Girl“ gibt’s jetzt von diesen beiden ordentlich was auf die Zwölf.

Regie: Jakob Lass – Fachkraft für junges, energiegeladenes Kino Jahrgang '81. Warum hat er zwei prügelnde Frauen in den Mittelpunkt gerückt?

Jakob Lass, Regisseur
Ich fand das interessant und sehenswert. Eigentlich schade, dass das bis heute noch auffällig ist, dass man sagt, man sieht es wenig im Kino. Ich glaube, man merkt daran, dass immer noch sehr klassische Rollenbilder in uns allen drin stecken, wo wir das Aggressive beim Mann sehen und das Passive bei der Frau.

Am Anfang von "Tiger Girl" heißt sie noch Margarete, ist auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und dabei reichlich fremdbestimmt. "Nein" sagen, sich wehren –  fällt ihr schwer.

Szene aus "Tiger Girl"
" 'tschuldigung…?"

Dann tritt Tiger in ihr Leben, Raubtier und Racheengel, eine von der Straße – mit ihren eigenen Gesetzen.

Aus Margarete wird Vanilla – sie ist fasziniert von Tiger, von dieser Frau, die sich alle Freiheiten nimmt.

"Martial Arthouse" nennen die Macher des Films das – die Mischung aus improvisierten Dialogen, choreografierten Kampfszenen und einer weiblichen Superheldin (im Zentrum des Films). Doch Hauptdarstellerin Ella Rumpf sagt dann, dass sie gar nicht darüber nachgedacht hat, dass hier Frauen im Mittelpunkt stehen.

Ella Rumpf, Schauspielerin
In diesem Film ging es mir jetzt nicht darum, über die Gewalt dieser Frauen zu sprechen, sondern über ne gewisse Ohnmacht, die generell in Menschen herrscht heutzutage, und über eine Verlassenheit und Zuflucht in die Gewalt. Und immer mehr Gewalt passiert ohne Grund.

Bei einem Sicherheitsdienst versucht Vanilla, die Zeit bis zur nächsten Polizeiprüfung totzuschlagen. Doch das Korsett aus Regeln und Maßregelung erträgt sie nicht mehr. Durch Tiger lernt sie sich zu nehmen, was sie will.

Grenzüberschreitung folgt auf Grenzüberschreitung. Anfangs ist da noch viel Spaß dabei. Dann kippt es.

"Tiger Girl", sicherlich kein politischer Film, aber doch ein Film über ein Aufbegehren?                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               

Jakob Lass, Regisseur
Grundsätzlich wird unserer Generation oder der jungen Generation nachgesagt, dass sie unpolitisch sei und uninteressiert, und ich glaube dass sich jetzt noch mehr als wir angefangen haben an dem Film zu arbeiten, noch mehr zeigt, dass das nicht wahr ist. Sondern dass wir in einer sehr politischen Zeit und die Leute sehr wach sind und sich auch immer mehr beteiligen. Und das ist jetzt natürlich nicht in meinem Film eins zu eins zu übersetzen. Aber ich glaube, wir gehen weg von der Passivität.

Doch wenn der Spaß an der Rebellion in unmotivierter Gewalt mündet bleiben in "Tiger Girl" zu viele Fragen offen. Da ist die Grenzüberschreitung dann nur noch Mittel zum Zweck. Der immerhin wird erfüllt. Der Machospruch muss jetzt einfach mal sein: Mädels, euch beim Prügeln zuzusehen, macht einfach richtig, richtig Spaß…

Autor: Steffen Prell

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