Judith Holofernes (Screenshot, Quelle: rbb)

"Ich bin das Chaos" - Das neue Soloalbum von Judith Holofernes

"Ich bin das Chaos" heißt das neue Soloalbum von Judith Holofernes. Für uns hat die Berliner Musikerin, die sich selbst als eine Chaotin seit Kindertagen bezeichnet, ihr "persönliches Chaos" ins Bild gesetzt.

Eine großes Stück Papier, reichlich Farbe – Judith Holofernes ist sofort begeistert, als wir ihr ein vorschlagen ein Bild zu malen. "Ich bin das Chaos" heißt ihr Album und wie sich das anfühlt, zeigt sie uns. Ein Experiment für Judith Holofernes, die ansonsten eher Gitarre und Mikrofon in die Hand nimmt.   

Judith Holofernes, Musikerin
Ich hab schon ewig nicht mehr so großflächig gemalt, mal gucken, was für ein Chaos dabei heraus kommt…

Chaos- Ein Thema das Judith Holofernes schon lange begleitet.

Judith Holofernes
Meine Mutter hat sehr gelacht, als sie den Titel gehört hat. Ich war als Kind extrem viel chaotischer als jetzt und hatte eine Mutter, die das zum Glück toleriert und gefördert hat und mich noch mehr und noch mehr Bücher aus der Bibliothek hat holen lassen, auch wenn ich dann meinen Schulranzen im Bus habe liegen lassen und einen Schuh auf dem Ferienlager, zum Beispiel.

Das Holofernische Chaos ist schillernd und sexy. Und doch lässt sie auch deutlich dunkle, tiefgründige Töne anklingen.

Judith Holofernes
Wenn man schöne Songs schreiben will, die etwas bedeuten, muss man in Abgründe hineingehen man darf nicht zu starken Selbstschutz haben und ich hab für mich entschlossen, dass ich in schwierige Sachen furchtlos reingehe.

Ohrwürmer gelangen Judith Holofernes mit ihrer Band "Wir sind Helden". 2003 der Durchbruch - mit einem konsumkritischen Song in die Kommerzielle Popwelt. Neun Jahre später die Auflösung. Obwohl sie versprochen hatten, zu bleiben.

Judith Holofernes
Ich hab diese Zeit so wahnsinnig genossen: es war zu 80 Prozent lustig und ein riesen Geschenk aber trotzdem waren 20 Prozent so schwierig, dass sie mich beinahe kaputt gemacht haben. Das sind Geschichten, die lassen sich medial schlecht erzählen, dass man etwas aufgibt, das man sehr liebt. Burnout ist heute so modern, aber ich hatte Phantasien, dass ich mich auf die Bühne lege und einfach nichts mehr mache.

Selbst in ihren Balladen bleibt sie nie im Schmerz erstarrt. Immer lässt sich ein  Spur von Aufbruch, Hoffnung und Licht darin finden. Entstanden sind ihre Songs zum Großteil auf den Faröer Inseln.

Judith Holofernes
Da wohnen einfach nicht besonders viele Leute und die, die da wohnen, machen nur Musik die ganze Zeit. Das Klischee das man von den schwermütigen Skandinaviern hat, von den Wikingern geht voll auf. Sind alle wahnsinnig nett. Jeder spielt in irgendeiner Grind-Core-Metal Band und hat nebenher irgendeine hübsche flötende Soundscape Musik am laufen und spielt in der Heilsarmee mit alten Leuten.

Mit ihm hat sie auf den Färöer Inseln gearbeitet: Es ist seine Heimat - Singer-Songwriter Teitur, mit dem Sie eine musikalische Seelenverwandtschaft verbindet und Humor.

Judith Holofernes
Das ist ein Witz, den ich von Teitur gelernt hab: Was ist das? Too much Rock for One Hand!

Am Ende sieht es auf dem Papier so aus - das Chaos, das Judith Holofernes mit ihrer Musik verbindet: leuchtend, intensiv und wunderbar verspielt.

Autorin: Charlotte Pollex

weitere Themen der Sendung

"Jüdische Familie am Strand"; © Federica Valabrega

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