"Jüdische Familie am Strand"; © Federica Valabrega
Bild: Federica Valabrega

- Kulturtipps

Tipp 1: Ausstellung "Cherchez la femme"
Tipp 2: "Haus ohne Dach" beim Arabischen Filmfestival Berlin
Tipp 3: "Shirana Shahbazi: First Things First"

Der Blick der Männer - das ist der Ausgangspunkt vieler Gebote zur Verhüllung von Frauen. Dieser Blick steht am Anfang der Ausstellung "Cherchez la femme":

Miriam Goldmann, Kuratorin
Wenn man sich an sämtliche existierende Regeln halten würde, was eine Frau anzuziehen hat oder nicht anzuziehen hat, könnte sie im Grunde das Haus nie verlassen.

Jüdische Perücken, christliche Ordenstrachten, muslimische Vollverschleierung: die Ausstellung zeigt die Geschichte und die Gründe der Verhüllungen in allen Religionen und Kulturen – dabei auch prominente Kopftuchträgerinnen, wie Königin Silvia oder Charlène von Monaco. "Cherchez la femme" – ab morgen im Jüdischen Museum.

Filmszene "Haus ohne Dach"

Pack Deine Sachen, wir müssen los.

Wohin?

Wir beerdigen Mama, im Dorf bei Papa.

Was?

Das war ihr letzter Wunsch.

Die Geschwistern Alan, Jan und Liya sind in Deutschland aufgewachsen. Als ihre Mutter stirbt, soll sie in ihrem kurdischen Heimatdorf im Irak beerdigt werden. Die drei transportieren den Sarg quer durch Kurdistan. Schon bald wird die Fahrt zur Flucht vor der Großfamilie, die eigene Pläne hat.

Filmszene "Haus ohne Dach"

Scheiße!

Wo ist der Sarg?

Zwei Typen in ‘nem roten Pickup haben den mitgenommen.

"Haus ohne Dach" heißt Soleen Yusefs Debütfilm, der am Sonntag beim arabischen Filmfestival zu sehen ist. Sie lebt in Berlin, ihre Familie stammt aus Kurdistan. Mit neun Jahren kam sie nach Deutschland.  

Soleen Yusef, Regisseurin
Das war der Ansatz irgendwie, das persönlicher zu machen und eine Familiengeschichte zu erzählen, mit der man sich auch hierzulande identifizieren kann, weil sie nicht so weit weg ist.

Anrührend und poetisch zeigt Soleen Yusef in ihrem Film ein ungeschöntes und zugleich wunderschönes Bild ihrer Heimat Kurdistan.

Sie sind bunt, monochrom, figürlich oder abstrakt: Shirana Shahbazis Fotografien irritieren den Betrachter.

Shirana Shahbazi, Künstlerin
Ich glaube, das Heterogene, das was meine Arbeit wirklich von Anfang an hatte, hat vielmehr damit zu tun, dass ich das Gefühl habe, dass ich das Hinterfragen damit verstärken kann.

Das Bild hinterfragen, sich von ihm irritieren lassen – das ist hier Aufgabe des Besuchers. Shirana Shabazis Fotografien waren schon im Moma in New  York und im Tate Modern in London zu sehen. Jetzt sind ihre Werke erstmals in Berlin ausgestellt. Ab Sonntag im KINDL – Zentrum für zeitgenössische Kunst.

Autorin: Karolin Krämer

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