Ryan Mendoza vor Rosa Parks' Haus (Screenshot, Quelle: rbb)
Bild: rbb

Das Haus der amerikanischen Bürgerrechtlerin - Rosa Parks' Haus in Berlin

Rosa Parks war eine Ikone der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung: eine schwarze Frau, die im Bus nicht für einen Weißen aufstehen wollte. Als ihr einstiges Wohnhaus in Detroit abgerissen werden sollte. Der Künstler Ryan Mendoza hat das verhindert und baute es im Wedding wieder auf.

Sabrina N'Diaye
Das ist es, das Haus von Rosa Parks?

Ryan Mendoza
That’s the Rosa Parks‘ House.

Ryan Mendoza, Künstler
Jedes Einzelteil vom Haus, das ich retten konnte, habe ich restauriert.

Den ganzen Winter über hat der Amerikaner Ryan Mendoza das Haus von der Bürgerrechtlerin Rosa Parks in Berlin wieder aufgebaut – meist allein, denn an sein Kunstwerk wollte er keine Bauprofis ranlassen.

Sabrina N'Diaye
Das sieht ziemlich wackelig aus, das Gerüst. War es auch gefährlich, an dem Haus zu arbeiten?

Ryan Mendoza
Ja, das war es. Aber, ich konnte nicht anders arbeiten. Ich hatte kein Geld für ein besseres Gerüst.

Ich bin kein Dachdecker. Das ist alles Neuland für mich.

Die Regierung in Detroit hatte überhaupt kein Interesse an dem Haus. Sie haben zugelassen, dass es auf die Abrissliste kam. Auch nachdem es durch die Medien ging, gab es keine einzige Institution, die Interesse gezeigt hat, bei der Renovierung zu helfen. Nicht eine einzige. Das sagt doch schon alles.

Nur zwei Jahre lebte die Bürgerrechtlerin Rosa Parks in dem Haus in Detroit, zusammen mit ihrem Bruder und seiner Familie. Hierher floh sie von Alabama, nachdem sie zur Heldin wurde. Sie, die sich 1955 in einem Bus weigerte aufzustehen, als ein Weißer ihren Sitzplatz für sich beanspruchte, damals als in den USA noch Rassentrennung herrschte. Ihre mutige Weigerung brachte sie ins Gefängnis, und die schwarze Bürgerrechtsbewegung in den USA ins Rollen.

Dass niemand in den USA das Haus erhalten wollte, schmerzte ihre Nichte sehr. So schenkte sie es Ryan Mendoza. Und der nahm es einfach mit: dahin, wo er lebt und arbeitet nach Berlin. Direkt neben seinem Wohnhaus im Wedding, baute er alles wieder auf. Stück für Stück. Fenster, Treppen Türen, Außenwände

Johnny, Nachbar von Ryan Mendoza
Das finde ich geil, das finde ich klasse. Ich finde alles gut, was außergewöhnlich ist.

Muss Du abbrennen schön und dann musst du da drüber streichen.

Ryan Mendoza
Das ist ein bisschen anders, das ist kein Haus, das ist ein Kunstwerk.

Johnny
Ach es soll ein Kunstwerk sein und bleiben.

Ryan Mendoza
Niemand soll darin wohnen.

Johnny
Achso, das finde ich natürlich ok, das ist à la Christo, der alles einpackt.

Sabrina N'Diaye
Warum hast Du das monatelang aufgebaut?

Ryan Mendoza
Es soll Menschen zum Nachdenken bringen. Es geht aber nicht darum wo Rosa Parks gegessen oder geschlafen hat. Sondern wie kann es sein, dass das Haus so vernachlässigt und aufgegeben wurde. Niemanden hereinzulassen, war für mich das mindeste was ich tun konnte, um dem Haus seine Würde wiederzugeben.

Eigentlich ist Mendoza Maler. Mit seinen Gemälden finanziert er  seine Häuserprojekte. Das Rosa Parks Haus, ist bereits das dritte. Alte Häuser : für ihn Kindheitserinnerungen an sein Amerika, das er vor 28 Jahren verließ. Mit Frau und Kind lebt er mittlerweile im Wedding. Seine Frau Fabia dokumentiert seine Kunst mit der Kamera.

Fabia Mendoza, Filmemacherin
Ich finde es schön, dass es in Berlin ist, symbolisch, jetzt dieses Haus in Asyl nimmt, aufnimmt, finde ich sehr schön, als Message nach außen und dann auch noch in einem Arbeiter, es ist ja ein richtiger Arbeiterbezirk, Soldiner Kiez.

Ryan Mendoza
Das Haus steht als Beweis von Schuld und ich fühle mich wie ein untrainierter Anwalt, der vor einem Gericht diesen Schuldbeweis erbringen muss. Und das Gericht ist die Öffentlichkeit.

Für Mendoza gehört das Haus nach Amerika, er hofft, dass man es dort irgendwann mal zurück will. Doch solange bleibt es eben in Berlin - unvergessen.

Autorin: Sabrina N'Diaye

weitere Themen der Sendung

"Jüdische Familie am Strand"; © Federica Valabrega

Kulturtipps

Tipp 1: Ausstellung "Cherchez la femme"
Tipp 2: "Haus ohne Dach" beim Arabischen Filmfestival Berlin
Tipp 3: "Shirana Shahbazi: First Things First"