Cover von "Der nasse Fisch" (Quelle: Carlsen)

- Die Graphic Novel 'Der nasse Fisch'

Volker Kutscher schickt seinen Kriminalkommissar Gereon Rath durch das Berliner der Weimarer Republik. Ein sensationeller Bucherfolg - der erste Teil der Serie "Der nasse Fisch" ist mittlerweile in der 48. Auflage erschienen. Nun gibt es den Stoff auch als Graphic Novel.

Mitten in der Nacht, im eigenen Bett überfallen: Aber was will der geheimnisvolle Schläger? So beginnt die Geschichte um Kommissar Gereon Rath.

Arne Jysch, Illustrator
"Der Comic kann einen natürlich noch mehr durch die Bilder in die Zeit versetzen, viel schneller und viel direkter, denke ich, über die Darstellung der Mode, über den Stil. Und ich mag Geschichten sehr gerne, die direkt aus der Sicht einer Hauptfigur erzählt sind, die uns direkt in den Kopf einer Hauptfigur reinholen und wir mit ihm durch die Geschichte gehen."

März 1929. Landwehrkanal. Die Berliner Mordkommission ermittelt: Kommissar Gereon Rath stolpert eher zufällig über die Lösung. Der Mann, der sehr nass und sehr tot aus dem Wasser gezogen wird, schuldet Raths Vermieterin noch Geld. Straßenkämpfe, eine instabile politische Lage - und mittendrin der Kommissar, der unter seinen Vorgesetzen einen eiskalten Mörder findet.

Arne Jysch hat fast vier Jahre lang an "Der nasse Fisch" gezeichnet, frei nach Volker Kutschers erstem Band der historischen Krimi-Serie um den Berliner Kommissar Gereon Rath. Mit viel Liebe zum Detail und nach genauer Recherche hat er die Berliner Gesellschaft der Dreißiger Jahre porträtiert.

Arne Jysch, Illustrator
"Am schwierigsten finde ich immer noch die Menschen lebendig wirken zu lassen in diesem Zusammenspiel aus dem Text, der da hinzu kommt, und der Attitüde, den Posen, den sie in einer Szene einnehmen, wie sie aufeinander reagieren, wie sie gucken."

Inspiriert haben ihn Fotos von Berlinern aus den 20er Jahren.

Arne Jysch, Illustrator
"Vor allem sind es eben Bildbände gewesen, wie eben der. Das gibt einem schon die Möglichkeit sich vorzustellen, wie die Menschen sich damals gefühlt haben, auch mit der Kleidung von damals. Das war so der Standardhut eigentlich für alle Herren damals. Deswegen habe ich mir den auch besorgt - ist wahnsinnig schwierig zu zeichnen, da habe ich mir den doch lieber mal selbst aufgesetzt und fotografiert und man sieht gleich, wie sieht es aus, wenn ein Hut schräg sitzt, was für einen Schwung hat das hier. Man kann gut die Linien erkennen."

Hier in der polizeihistorischen Sammlung ist Arne Jysch auf Spurensuche gegangen. So sah es wirklich aus bei der legendären Mordkommission am Alexanderplatz. Und auch eine "Mauser" im Original - es ist die Dienstwaffe von Gereon Rath.

Arne Jysch, Illustrator
"Ich finde es als Zeichner enorm wichtig zu wissen, wie was aussieht, weil sonst hat man so ein weißes Blatt und man möchte ja auch mit den ganzen Gegenständen und Requisiten was erzählen, das holt einen ja in diese Zeit und in die Geschichte rein."


Die Geschichte wird zur Zeit auch verfilmt: Die Serie "Berlin Babylon" mit internationalen Stars wird erst auf Sky und 2018 in der ARD ausgestrahlt. Gedreht zum Teil an Originalschauplätzen in Berlin.

Arne Jysch, Illustrator
"Scheint aus heutiger Sicht einfach eine sehr aufregende Zeit gewesen zu sein, was Kunst, Kultur und Architektur, Musik angeht. Und natürlich aber auch so eine tragische Zeit, weil man weiß, es war ein kurzer Moment und es ist dann schrecklich geendet in den 30igern."

Arne Jysch gibt Gereon Rath eine Stimme und erzählt aus seiner Perspektive. Ein gelungener Blick in diese Zeit zwischen Glamour und politischem Umbruch.


Autorin: Bettina Lehnert

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