Szenenfoto "Winterreise" - Maxim Gorki Theater Berlin - Foto: Esra Rotthoff
Bild: Esra Rotthoff

- 'Winterreise' am Maxim Gorki Theater

Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und Palästina, haben ihre Länder verlassen müssen und sind jetzt Schauspieler im neugegründeten Exil-Ensemble des Maxim Gorki Theaters. In den nächsten zwei Spielzeiten sind sie in ausgewählten Produktionen zu sehen - jetzt in Yael Ronens neuem Stück "Winterreise".

Szene aus "Winterreise"
"Hinsetzen oder rede ich Chinesisch?"


Was für eine Ansage, prägend war die erste Begegnung mit dem Busfahrer. So prägend, dass klar war, das muss mit ins Stück. Es sind solchen und andere Begegnungen, die die sieben Schauspieler des Exil-Ensembles auf ihrer Bustour quer durch Deutschland erlebt haben.

Daraus entstanden: Winterreise. Nach der Probe treffen wir zwei der Schauspieler, die Palästinenserin Maryam Abu Khaeld und den Syrer Ayham Majid Agha in der Kantine des Maxim Gorki Theaters. Zwei Wochen Deutschland, mitten im Winter, was hat sie überrascht?

Ayham Majid Agha, Schauspieler
"Mir ist klar geworden, was der Unterschied zwischen Schnee und Wüste ist. Es gibt eigentlich keinen. Weil bei Hitze zieht man sich in der arabischen Welt ins Haus zurück und hier im Winter genauso."

Maryam Abu Kahled, Schauspielerin
"Dieses Wirrwarr zwischen Bayern und Deutschen. Die Bayern wollen nicht Deutsch sein und die Deutschen wollen keine Bayern sein. Was ist da los? Das war interessant. Es sind also nicht immer nur Israelis und Palästinenser, die Konflikte haben."


Schon seltsam diese Eingeborenen. Und wer sind hier eigentlich die Exoten? Sie waren in München, Weimar, Halle oder Dresden. Ihre Eindrücke verarbeiten die Darsteller auf der Bühne. Mit Menschen ins Gespräch kommen wollten sie auf der Reise, statt immer nur die eigene Fluchtgeschichte wieder und wieder erzählen zu müssen.

Ayham Majid Agha, Schauspieler

"Wo bleibt da die Integration, wenn man mich immer wieder drängt über mein Leben von vor dreieinhalb Jahren zu erzählen. Haben die kein anderes Thema, ich schon."

Maryam Abu Kahled, Schauspielerin
"Die Menschen sollten ihre Geschichten mit uns teilen. Wir sind gelangweilt davon immer unsere Geschichten zu erzählen. Wir wollen dazugehören."


Fühlten sie sich immer Willkommen auf der Reise? Politisch, klar, das ist Winterreise - doch auch alltägliche Themen wie Beziehungen spielen eine Rolle.

Szene aus "Winterreise"
"Ich liebe Dich, ich hasse Dich, Ich kann Dich nicht sehen, Ich bin verwirrt."


Als Schauspieler leben und arbeiten Maryam Abu Khaled und Ayham Majid Agha im Exil. Im Gorki Theater sind sie angekommen. Und in Deutschland?

Maryam Abu Kahled, Schauspielerin 
"Ich bin glücklich hier, ich kann viel machen, habe mehr Freiheit als in Palästina, vor allem als Frau. Aber ich vermisse immer noch meine Heimat, deswegen ist das hier noch nicht wirklich mein Zuhause."

Ayham Majid Agha, Schauspieler
"Ehrlich gesagt, manchmal fühle ich mich hier heimisch, doch es gibt immer Menschen, die dich daran erinnern, dass Du hier nicht zu Hause bist. Hört auf, uns zu sagen, dass wir Opfer sind. Manche meinen wir müssten traurig sein, aber das ist nicht so, wir sind glücklich.“


Autorin: Sabrina N'Diaye

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