Sängerin Leslie Feist im rbb-Interview (Quelle: rbb)
Bild: rbb / Stilbruch

- Feist mit neuem Album 'Pleasure'

Die kanadische Sängerin Leslie Feist ist ein Superstar der leiseren Art. Sie schafft es, ganz persönliche Geschichten in ihren Songs so zu schreiben, als erzähle sie es gerade ihrer besten Freundin. Feist hat eine Weile lang auch in Berlin gelebt, wohin sie nun zurückgekehrt ist, um ihr neues Album vorzustellen.

Wir haben sie vermisst. Diese betörende, federleichte Stimme, die doch so viel Tiefe hat.

Leslie Feist ist wieder da. Sechs Jahre sind seit dem letzten Album vergangen und fast ebenso lange hat sie Berlin nicht gesehen. Dabei  war sie Mitte der 2000er Jahre ziemlich oft hier, hat Sängerin Peaches oder Chilly Gonzales besucht, die im Prenzlauer Berg wohnten.

Leslie Feist, Musikerin
"Viele meiner sehr engen Freunde sind hierher gezogen. Ich habe jahrelang auf ihren Sofas übernachtet. Ich habe nie wirklich hier gelebt, aber viele Freunde sind noch immer da. Ich habe also eine Art Hauptquartier hier, bei einem Haufen kanadischer Freunde."

Ihr Lebensmittelpunkt in den letzten Jahren: Irgendwo zwischen Los Angeles und Toronto, es war eher eine dunkle, schwierige Phase in ihrem Leben, sagt Leslie Feist.

Leslie Feist, Musikerin

"Na ja, so ein Album spiegelt ja immer, was in der Zeit los war, als es geschrieben wurde - es ist ein Echo der Erfahrung. Ich glaube also, das ist der Sound der späten 30er."


Nach hunderten Konzerten, langen Jahren auf Tour ist sie leer. Ausgebrannt. Und fragt sich: Wie will ich leben? Kann ich jemand ganz anderes sein? Von vorn anfangen?

Wie kaum eine andere Popsängerin unserer Zeit schafft es Feist, das Leben und seine Widrigkeiten in Musik und Worte zu kleiden. Schmerz, Liebe, Verlust. Auch davon singt sie auf dem neuen Album.

Leslie Feist, Musikerin
"Ich war nicht nur am Heute interessiert, ich wollte verstehen, woher ich komme, warum handle ich so, was sind die Umstände, wo kann ich Einfluss nehmen und wo werde ich getrieben - diese Art ziemlich einsamer Gedanken."


Mit 15 singt Leslie Feist in einer Punkband, da geht sie noch zur Schule in ihrer Heimatstadt Calgary, später tourt sie mit Peaches durch Europas Clubs. Dann wird ihr "1,2,3,4" zum Song einer Werbekampagne. Feist ist in der Sesamstrasse, plötzlich ein internationaler Popstar.

Als Künstlerin bleibt sie auf der Suche und stellt sich immer wieder den Zweifeln. Es hilft, dass auch ihre Eltern Künstler sind. Der Vater Harold ist ein expressionistischer Maler. Mit ihm wohnt sie heute wieder in einem Haus.

Leslie Feist, Musikerin

"Ein Künstler zu sein, das war in meiner Familie nichts Besonderes oder Großartiges. Es ist nicht bedeutender als jede andere Arbeit. Aber meinen Vater, der jetzt 70 wird, auf seinem Weg zu sehen, wie er sich jeden Tag der Leinwand stellt, das hat mich geprägt."


Immer arbeitet Leslie Feist mit Musikern, die sie schon ewig kennt, die sie schätzt, denen sie vertraut. Das ist ihr wichtig.

Leslie Feist, Musikerin
"Ich verlasse mich auf Leute, die mir nah sind. Und sie sich auf mich. Das nennt man wohl Loyalität."

Leslie Feist ist wieder da. Was für ein Vergnügen.


Autorin: Anna Bilger

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