Filmstill aus "Berlin Rebel High School" (Quelle: Dokwerk)
Bild: Dokwerk

- 'Berlin Rebel High School' - eine radikal andere Schule

Seit 40 Jahren erprobt eine Schule für Erwachsenenbildung am Kreuzberger Mehringdamm antiautoritäres Lernen - für junge Menschen, die an anderen Schulen keine Chance mehr haben. Regisseur Alexander Kleider erzählt nun in "Berlin Rebel High School" die Geschichte der Schule.  

Szene aus "Berlin Rebel High School"
"Was mich an staatlichen Schulen am meisten bedrückt, ist der Umgang unter Schülern, und dass Lehrer das ignorieren."
"Ich hatte damals keine Motivation und bin dann von der Schule geflogen."
"Es gibt keine Sitzordnung, keine Noten."
"Wir alle sind Teil dieses Projektes."


Sie wollen alle dasselbe: das Abitur nachholen, weil sie mit dem staatlichen Schulsystem nicht zurecht kamen. Ein Dokumentarfilm erzählt nun ihre Geschichten. Das Besondere: Die jungen Erwachsenen leiten ihre Schule mit den Lehrern völlig gleichberechtigt.

Szene aus "Berlin Rebel High School" 
"Freu mich, mit euch zu arbeiten."
"Wir haben weder Direktor oder Direktorin noch irgendwelche Fachbereichsleiter."
"Es gibt kein Falsch. Aus Fehlern lernen wir."

Wir sind nach Kreuzberg gefahren, um hinter die Kulissen der Schule zu blicken. Zwei der Verantwortlichen, die im Film portraitiert werden, haben die "Rebel High School" seit vier Jahrzehnten mitgeprägt. Ihr Ziel: ein gesellschaftliches Gegenmodell zur autoritären Wettbewerbsgesellschaft. Beate Ulreich war hier sogar einst Schülerin.

Beate Ulreich, Schulbüro
"Wir begeben uns auf Augenhöhe. Das gibt es nur in alten oder neuen Kollektiven. Das ist keine Scheindemokratie. Es gibt keine Hierarchien."

Klaus Trappmann, Lehrer

"Die Grundentscheidungen sind geblieben. Kein Direktor, keine Noten, keine Zeugnisse, kein Konkurrenzdruck. Stattdessen gelebte Demokratie. Das ist eine Schülerschule. Ich hoffe ja, dass ich einige Seelen gewinnen kann für die Literatur."


Alles an der Schule wird vom Schulgeld bezahlt, rund 150 Euro monatlich. Der Film verfolgt die Entwicklung mehrerer Schüler über zwei Jahre hinweg. Einer von ihnen: Hanil.

Hanil, Schüler
"Auf dem ersten Gymnasium, auf dem ich war, da hatte ich Konflikte mit dem Schulleiter, weil ich auf Klassenfahrt in der achten Klasse beim Kiffen erwischt wurde. Er hat nur nach Ursachen gesucht, um mir eins reinzudrücken. Das hat meine staatliche Schulkarriere beendet."


Auch der Regisseur des Films hat einst das Gymnasium geschmissen. Später wurde er hier an der Schule von den Lehrern ermutigt, seiner Leidenschaft zu folgen: dem Filmemachen.

Klaus Trappmann, Lehrer

"Er hat bei mir Abitur gemacht im Jahr 2000. Das hat geholfen."

Alexander Kleider, Regisseur
"Mein Bedürfnis war schon zu zeigen, dass es Utopien gibt. Der Film ist an manchen Stellen wie ein kleines Märchen, die real sind und seit 40 Jahren funktionieren. Ich möchte mit dem Film einer breiten Öffentlichkeit Mut machen, um zu zeigen, andere Schulen sind möglich."

Szene aus "Berlin Rebel High School"
"Ich habe für mich ein Lernen entdeckt, was ich auch nach der Zeit weitermachen kann."
"Ich will es unbedingt schaffen."


Hanil muss am Ende des Films zur Abiturprüfung an ein normales Berliner Gymnasium. Wird er dem Druck standhalten?

Klaus Trappmann, Lehrer

"Was mich auch sehr beeindruckt hat, war Hanil. Dann schafft der Abitur und studiert jetzt etwas ganz Spannendes: Maschinenbau. Das ist toll."


Bleibt die Frage: Was ist aus der Utopie geworden, dem Gegenentwurf zur Leistungsgesellschaft? Dient die Schule heute nicht nur dazu, denen, die im ersten Anlauf scheitern, eine Chance im Turbokapitalismus zu ermöglichen?

Alexander Kleider, Regisseur
"Die Utopie ist immer noch da, und sie ist nötiger denn je. Wenn wir sehen, was momentan politisch passiert, wie unsere Demokratie auch bedroht sein kann, dann ist diese Schule genau das richtige Mittel, um mündige Menschen zu erziehen."


Der Spirit dieses Modells steckt an. Gerade auch, weil hier über alles schonungslos diskutiert wird. Ein großartiger Dokumentarfilm über eine großartige Schule.


Autor: Norbert Kron

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