Martin-Gropius-Bau in Berlin-Kreuzberg © imago/Schöning

- 'Foto.Kunst.Boulevard.' im Martin-Gropius-Bau

Für den Boulevardjournalismus sind Fotos elementar. Deutschlands größte Boulevardzeitung legt Wert darauf, auch für künstlerische Fotografie zu stehen. Deshalb verpflichtet die "Bild" seit Jahren renommierte Fotografen, um Sportler, Künstler und Politiker abzulichten. Einige dieser Aufnahmen sind im Martin-Gropius-Bau zu sehen.  

Es ist nicht das, wonach es aussieht: Dieses Foto ist nicht gegen den Willen der Beteiligten entstanden. Diesmal hat "Bild" vorher gefragt. Udo Kier und Sonja Kirchberger waren einverstanden, als diese grelle Aufnahme entstand. "Herr der Ringe" hat Oliver Rath sein Foto genannt. Es ist das Coverfoto der Ausstellung "Foto.Kunst.Boulevard.".

Kurz vor der Eröffnung kommt der "Herr der Bilder", Kai Diekmann, in den Gropius-Bau, um erstmals diese Ausstellung anzuschauen. Und sie gefällt ihm ziemlich gut. Diekmann erkennt sich darin wohl wieder als Testamentsvollstrecker des "Bild"-Gründers Axel Springer.

Kai Diekmann, ehemaliger Chef-Redakteur "Bild"
"Dem Bild wieder den Stellenwert zu geben, den er in der Vision von Axel Springer gehabt hat, das war mir auch ein ganz besonderes Anliegen in den letzten 15, 16 Jahren. Deswegen haben wir in Fotografie investiert, deswegen haben wir auch Fotokünstler, die sonst nicht für Zeitungen arbeiten, die ausschließlich für Museen arbeiten, mit einbezogen in unsere Arbeit."

Kai Diekmann hat in den letzten anderthalb Jahrzehnten auf geschickte Art eine Liason zwischen Kunst und Boulevard eingefädelt: Mit viel Geld wurden prominente Fotografen wie zum Beispiel Ellen von Unwerth gebeten, prominente Künstler, Politiker und Sportler zu porträtieren.

Der Auflage hat es wohl nicht genutzt, aber zumindest dem Image der "Bild"-Zeitung sollte es zu mehr Seriosität verhelfen. Was den Kurator der Ausstellung, Walter Smerling, von der Bonner Kunst-Stiftung, zu der steilen These veranlasst, in der Yellowpress habe die Kultur jetzt ein Zuhause.

Walter Smerling, Kurator

"Die Ausstellung macht stilistisch ein riesiges Panorama auf: Von den Drei-Minuten-Promi-Fotos, die die Starfotografin Kiki Kausch regelmäßig in Kai Diekmanns Büro machte, bis zu den großen Reportage-Bildern von Daniel Biskup."


Aber zwei Fotografen ragen heraus aus "Bild"'s-Bilderflut: Da sind zum einen die großartigen Porträts von Martin Schoeller. Die auf riesige, überlebensgroße Formate gezogenen Fotos erwecken das Gefühl eindringlicher Nähe und bleiben doch auf angemessener Distanz. Und da sind die Inszenierungen von Andreas Mühe. Helmut Kohl allein im Rollstuhl am Brandenburger Tor - 25 Jahre nach dem Mauerfall. Oder dieses Triptychon mit der Verlegerin Friede Springer. Inszeniert in einem Gemälde schaut die "Bild"-Mutter aus dem Fenster und sieht - sich selbst.

Kai Diekmann, ehemaliger Chef-Redakteur "Bild"
"Hier an die Vision von Axel Springer anzuknüpfen, der gesagt hat, das Bild ist für die Zeitung so überragend wichtig und dann zu sagen: Wir schaffen das, nicht nur auf Hochglanz, wir schaffen das auch auf Zeitungspapier, das war eine besondere Herausforderung. Und ich glaube, das ist etwas, was einfach dem Leser auch Freude bereitet zu sehen, guck mal, da ist was ganz Besonderes in der Zeitung, die haben sich was einfallen lassen."


Die Ausstellung zeigt fast ausschließlich Porträts von Prominenten, die wir als mächtig oder einflussreich bezeichnen.
 
Kai Diekmann, ehemaliger Chef-Redakteur "Bild"
"Das war für die Geburtstagsausgabe von 'Bild'. Als 'Bild' 60 wurde, haben wir eine 42-Millionen-Ausgabe gemacht und da gab es ein großes Interview mit Gerhard Schröder in dieser Ausgabe, über sein Verhältnis zu 'Bild'. Die Idee war: Viele dieser Schlagzeilen von 'Bild' zu Gerhard Schröder, die ja nicht nur immer fair gewesen sind, in dieser Art und Weise groß zu ziehen und ihn davor zu positionieren."


Im Vorwort zum Katalog erwähnt der ehemalige "Bild"-Chef, dass seine geliebte Zeitung in diesen Tagen 65 wird. Und gezeigt werden 65 Bilder. Aber merkwürdigerweise ist die Ausstellung keine Jubiläumsschau, kein Rückblick auf 65 Jahre Fotogeschichte in diesem Blatt. Was dann? Präsentiert werden fast ausschließlich Bilder der letzten 15 Jahre, die Zeit also, als Kai Diekmann "Bild"-Chef war. Im Januar hat er überraschend den Verlag verlassen. Mit der Schau will der einstige Chefredakteur wohl schlicht und einfach sein eigenes Vermächtnis zeigen.


Autor: Ulf Kalkreuth

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