Rapperin Malaikah in Berlin (Quelle: rbb)
Bild: rbb / Stilbruch

- Rapperin Malikah beim XJAZZ-Festival in Berlin

Das XJAZZ-Festival bietet mehr als 80 Konzerte in verschieden Clubs und Bars in Berlin. Mit dabei ist auch die libanesisch-französische Rapperin Malikah, die als Rapperin in der arabischen Welt eine Sonderstellung inne hat.

Ist das nun also ihr Hofstaat? Proben in einem Studio in Berlin-Weißensee. Hier ist Malikah - "Malikah" heißt "Königin". Selbsternannte und tatsächliche "Queen of Arabic Hiphop". Erster musikalischer Eindruck: Hochwürden scheint angesichts des Orchesters ein bisschen gezähmt zu sein. Na, klar, man kann sich nicht so abgehen wie auf einem normalen Beat. Ein Orchester schüchtert einen auf eine positive Weise ein.
 
Hier in Berlin probt sie mit dem Stargaze-Ensemble, mit Musikern, die die Grenzen zwischen Jazz, Klassik, Neuer Musik verwischen. Wenn Malikah einen ihrer Songs produziert, klingt das ganz anders.
 
Seit 16 Jahren rappt sie. In ihren Texten stellt sie Fragen, nach den Rechten für Frauen, kritisiert die Zustände in ihrer Heimat Libanon, wehrt sich gegen falsche Bilder von der arabischen Welt. Viel Wut, die raus muss.

Malikah, Rapperin
"Wenn Du in einem Land aufwächst, in dem die Auswirkungen des Krieges so spürbar sind, bei den Menschen, in der Gesellschaft. Wenn man auch Zeuge von Kriegen wird, macht einen das rauer. Du bist unglücklich mit dem Zustand Deines Landes. Und du bist voller Anspannung, die du abbauen willst."

 
Malikah wächst in Beirut auf. Immer wieder macht sie in ihrer Jugend dort die Erfahrung von Krieg und Zerstörung. Noch immer sieht man an jeder Straßenecke die Einschusslöcher aus der Zeit des Bürgerkriegs. Zum Rap, ihrem Ausdrucksmittel, findet sie, als sie 15 Jahre alt ist. Damals gibt es im Libanon keine Hiphop-Szene, schon gar nicht für Frauen.

Sie kämpft sich durch - und hat etwas zu sagen. Sie will Frauen ermutigen, sich nicht zu verstecken. Der Islam ist keine Religion, in der Frauen unterdrückt werden, sagt sie. Er werde von manchen falsch ausgelegt. Überhaupt: sie will gegen Klischees vorgehen, gerade in diesen Zeiten.
 
Malikah, Rapperin
"Die Menschen denken, dass jeder Araber ein Terrorist ist oder ein Extremist. Es fängt damit an, dass sie denken, dass alle Araber Muslime sind. Es ist nicht so. Es gibt Christen, Juden. Ich bin einfach gegen Stereotype. Klischees sind in der Regel negativ und ich bin gegen jedes Klischee gegen jede Person."


Keine Vorurteile, keine Vereinfachungen - dagegen kämpft sie mit ihrer Musik an. Wie in ihrem Titel "Jab’Aar", in dem sie kritisiert, dass jeder Araber als IS-Kämpfer angesehen wird.

Nun also eine Woche intensiver Probenarbeit in Berlin. Vor einigen Jahren hat Malikah den Libanon verlassen, sie hat dort keine überzeugende Perspektive gesehen, sie lebt in Dubai. Vom Hiphop allein kann auch sie nicht leben. Die Königin arbeitet in einer Werbeagentur, checkt in den Pausen das Handy, telefoniert mit Kollegen.
 
Malikah, Rapperin

"Man hat einfach keine Wahl. Ich will die volle Kontrolle über meine Musik haben. Ich will nicht eines Tages einen Song machen müssen, hinter dem ich nicht stehe, nur um meine Miete zahlen zu können. Musik soll für mich Leidenschaft bleiben. Ich will Musik machen, wann und wie ich will."
 
Manchmal schreiben ihr junge Frauen, dass sie wegen ihr angefangen haben zu malen, Musik zu machen. Das, sagt sie, ist der größte Lohn für sie.  
 
Malikah, Rapperin

"Seit Jahrhunderten wird die Welt von Männern regiert. Und schaut euch an, was aus ihr geworden ist. Vielleicht wird die Welt ein besserer Ort, wenn die Frauen ihn übernehmen."


Autor: Steffen Prell

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