Isabell Šuba (Quelle: imago / Horst Galuschka)

- 'Hanni und Nanni' von der Berliner Regisseurin Isabell Šuba

Die junge Berliner Regisseurin Isabell Šuba mischt derzeit das männerdominierte Filmgeschäft mächtig auf. Bekannt wurde sie durch ihr satirisches Filmdebüt "Manner zeigen Filme und Frauen ihre Brüste". Jüngst hat sie ein Mentorinnen-Nachwuchsprogramm für Filmfrauen gestartet. Nun kommt ihre Neuverfilmung von "Hanni und Nanni" in die Kinos.

Isabell Šuba ist frisch umgezogen, wollte raus aus dem Stadttrubel, rein ins ruhige Friedrichshagen.

Isabell Šuba, Regisseurin
"Also, der Job wird ja, wenn man Erfolg hat oder wenn man weiterkommt mit seinen Sachen, immer stressiger, und immer mehr Ansprüche ergeben sich durch die Projekte. Und dann dachte ich irgendwann, okay, ich muss einfach mein Leben entschleunigen, weil sonst dreht man durch."

Sie sagt, der Job einer Topmanagerin liegt hinter ihr. Es war ihre erste Regiearbeit an einem richtig großen Set: "Hanni und Nanni", Teil Vier der Abenteuer der Zwillinge im Internat.

Erschöpft wirkt sie davon nicht, eher ziemlich zufrieden. Immerhin hat sie gerade ihr Bild von toughen Mädchen umgesetzt.

Isabell Šuba, Regisseurin
"Ich brauche auf jeden Fall Mädels, die eine gewisse Kraft, eine gewisse Eigenständigkeit und Humor mitbringen, also Mädchen, die nicht jetzt von mir die ganze Zeit erzählt bekommen müssen, wie ich mir das genau vorstelle. Ich hatte Rosa und Laila entdeckt und dachte so: Wow, die sahen so androgyn und anders aus."

Vor vier Jahren ging es für Isabell so richtig los. Mit einem kleinen dreckigen Guerilladreh auf dem Filmfestival in Cannes. Dabei ist ihre Gendersatire "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste" entstanden.

Isabell Šuba, Regisseurin
"Cannes ist geschlechtermäßig wie so eine sexistische Diskokugel, die sich dreht und alle anstrahlt und alle wiederspiegeln, dieses Licht, und alle gehen auf in den ganz extremen Stereotypen, Männer mit den Anzügen geschlossen bis hier und Frauen mit einem Hauch von Nichts."

Die Aktion hatte Witz und sorgte für Furore. Die echte Isabell Šuba, die mit einem Kurzfilm nach Cannes eingeladen war, lässt sich dort von der Schauspielerin Anne Haug vertreten. So kann Šuba selbst einen Film drehen - über den Kampf einer jungen Regisseurin im Filmbusiness. In der intelligenten Satire - vor traumhafter Kulisse - verrennen sich schließlich alle in aberwitzigen Geschlechterkämpfen.

Szene aus "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste"
"Nein, es geht darum: Warum bist du eine Gleichstellungsbeauftragte in deinem Beruf?"
"Ich muss es jetzt sagen: Ich möchte nicht mit diesem Thema in Verbindung gebracht werden, weil ich eigentlich meinen Weg machen will durch Qualität und Inhalt und nicht dadurch, dass ich meine Brüste zeige."

Šubas Film trifft einen Nerv, sie verfilmt den Systemfehler, den viele Frauen in der Filmbranche kennen: Auf den Filmhochschulen studieren fast genauso viele Frauen wie Männer, aber nach dem Abschluss machen plötzlich nur noch Männer die Filme.

Isabell Šuba, Regisseurin
"Ich bin ja in einem Bestattungshaus groß geworden, bei uns waren immer die Frauen die Macherinnen mit der Geldkasse auf dem Schoß. Das hat mich geprägt."

Bei Isabell läuft es, und weil sie will, dass das anderen auch so geht, bringt sie Frauen zusammen. Nachwuchsfilmemacherinnen mit schon erfolgreichen Filmfrauen. Zum Banden bilden.

Isabell Šuba, Regisseurin
"Ich bin auf die Idee gekommen ein Mentoring-programm anzubieten, in dem alles stattfindet, was ich mir als Studentin gewünscht habe."


Dass sich etwas bewegt, zeigt Isabell Šubas Karriere. An die "Hanni und Nanni"-Regie ist sie über die Empfehlung eben einer Kollegin gekommen.

Isabell Šuba, Regisseurin 
"Ich lese gerade, dass wir mit 'Hanni und Nanni' in 650 Kinos in Deutschland starten werden, also, es ist viel."

Mit wilden, mutigen Mädchen auf der Kinoleinwand will Isabell Šuba einen weiteren Schritt Richtung Gleichberechtigung gehen.

Isabell Šuba, Regisseurin
"Selbst bei 'Bibi und Tina' sind immer die Jungs diejenigen, die die Mädchen retten, die die Sterne sammeln. Ab und zu hext Bibi mal was, aber eigentlich von den aktiven Rollen sind die Jungs, die die bestimmen. Und das ist halt in meinem Film auf jeden Fall anders."


Bei Isabell Šuba scheint die Frage nach Gleichberechtigung beim Film gut aufgehoben zu sein. Man darf ernsthaft hoffen, immerhin gab es in ihrem ersten Film auch schon so eine sich selbsterfüllende Prophezeiung.

Szene aus "Männer zeigen Filme und Frauen ihre Brüste"
"Kein Spielfilm von einer Frau in Deutschland wurde je mit mehr als drei Millionen gefördert."
"Doch. 'Hanni und Nanni'."
"Ja Gott, 'Hanni und Nanni', weißt du das sicher?"
"Ja."


Autorin: Susanne Bruha

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