Ausstellung 'Die fotografierte Ferne' in der Berlinischen Galerie (Quelle: rbb)
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- 'Die fotografierte Ferne' in der Berlinischen Galerie

Bald startet die Sommerurlaubssaison für die Deutschen. Passend dazu zeigt die Berlinische Galerie in einer neuen Ausstellung, wie sehr sich die Reisefotografie in den letzten 100 Jahren verändert hat.

Fernweh - die Lust auf Reisen in andere Welten. Bald ist wieder Reisezeit. Bis dahin schwelgen wir in Erinnerungen an unsere letzten Reisen. Ganz einfach, am Handy. Wie sich die Reisefotografie jenseits von Schnappschüssen in den letzten 100 Jahren entwickelt hat, zeigt jetzt die Ausstellung "Die fotografierte Ferne".

Die Fotografin Heidi Specker ist eine von 18 bedeutenden Fotografen aus Deutschland, die sich mit dem Thema Reisen beschäftigt haben.

Heidi Specker, Fotografin

"Reisen ist für mich ein Zustand, wo alle Moleküle neu zusammengemischt werden. Das Licht ist anders, der Geruch ist anders, alle um einen rum hat sich verändert und damit verändert man sich selbst. Das finde ich einen tollen Zustand."

Heidi Specker geht 2010 mit ein Stipendium nach Italien. Sie reist kreuz und quer durch das Land, setzt sich mit der Architektur aus der Zeit des Faschismus auseinander, besucht Wohnräume von Künstlern und übersetzt ihre Eindrücke in  sehr abstrakte Bilder.

Heidi Specker, Fotografin

"Diese reine Abbildung interessiert mich nicht, das ist eine Arbeit hin zur Reproduktion, das ich etwas wiedergebe, was ja da ist. Bei mir ist es so, dass ich es benutze, was da ist für meine Interessen."

Ganz anders: Erich Salomon. Anfang der 1930er Jahre reist er zum ersten Mal nach New York. Bis dahin hatte er bedeutende Politiker und Künstler seiner Zeit fotografiert. Doch Amerika verändert seinen Stil. Plötzlich interessiert er sich für das Alltags- und Straßenleben der Amerikaner. Er wird zu einem der ersten "Street Photographer".

Ebenfalls zu dieser Zeit, ist die Berliner Zeitungsreporterin Marianne Breslauer erstmals außerhalb Europas unterwegs. Auch für sie ist das ein Wendepunkt. Statt klassischer Reportagen macht sie nur noch Schnappschüsse vom Leben der einfachen Menschen. Sie kündigt ihre Festanstellung und arbeitet nur noch als freie Fotografin.

Die Ausstellung erzählt, wie sich der Blick der Fotografen auf die Welt und damit auf sich selbst verändert hat.

Wolfgang Tillmans Reisebilder haben gar nichts mehr mit dem Entdecken ferner Orte zu tun. Er fotografiert die Wartezonen des modernen Reisenden: Flughäfen, Bahnhöfe, Passkontrollen.

Ganz anders Sven Johne. Ihn interessieren Geschichten aus Ländern, die im Fokus medialer Aufmerksamkeit stehen.

Sven Johne, Fotograf

"Das Reisen ist im Grunde eine Möglichkeit für mich Dinge zu sehen, zu entdecken und selbst zu verstehen. Oft sind der Grund für die Reisen auch Zeitungsmeldungen und Bilder, es ist mein eigenes Nicht-verstehen-Können, es ist die Lust oder die Gier das Interesse selbst zu sehen."

Er reist 2012 nach Griechenland. Das Urlaubsparadies war zum Symbol der europäischen Krise geworden. Sven Johne verweigert sich den gängigen Bildern und zeigt einen Sternenhimmel mit seinen Tagebuchaufzeichnungen.

Sven Johne, Fotograf
"Wir reisen ja quasi mit den Bildern nachts auf dieser nächtlichen Irrfahrt durch das Land, da sind wir gleich beim Odysseus und der Odyssee; wir navigieren im Grunde durch dieses düstere Land. Das ist natürlich das Motiv, das ich hier bediene und worauf ich abziele."


Hier darf sich jeder so inszenieren, wie er sich am liebsten sieht. Tobias Zielony war vor zehn Jahren in Kalifornien und ermutigte Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen, sich so zu zeigen, wie sie von der Öffentlichkeit gesehen werden wollen.

Mit einem Kleinbus und versteckter Kamera durchqueren die West-Berliner Hans Pieler und Wolf Lützen 1984 die DDR auf der Transitstrecke Berlin-Hamburg. Sie wollen etwas über das Verhältnis der beiden Staaten erfahren. Es ist eine Art Roadmovie über die deutsch-deutsche Teilung. Und ein ziemlich seltenes Reisedokument.

Wie unterschiedlich der Blick in die Ferne, auf das Fremde und Unbekannte sein kann, das zeigt diese vielseitige Ausstellung jenseits aller Reiseromantik.


Autorin: Yvonne von Kalinowsky

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