Neue Fotoausstellung - 'Die nackte Wahrheit und anderes'

Wo liegt die Grenze zwischen Pin Up, Porno und Kunst? Mit der Ausstellung "Die nackte Wahrheit" nähert sich das Berliner Museum für Fotografie der Antwort auf diese Frage.

Wir sind bei dem Berliner Fotografen Yoram Roth. Roths Aktfotografien sehen aus wie Gemälde. Er inszeniert all seine Bilder und plant sie bis ins letzte Detail durch. Seine Akte sind auf dem Kunstmarkt gefragt, hängen in vielen Privatsammlungen. Roth weiß, wo die Sehnsüchte des Betrachters liegen.

Yoram Roth (Kunstfotograf)
"Nacktfotografie fasziniert uns, weil wir immer noch von Idealen sprechen. Wir haben mehr denn je ein verdrehtes Körperverhältnis , was durch Fotografie auch immer mehr hochgepitscht wird, aber wir sehen gerne ideale Schönheiten. Das sieht man in der Barockmalerei, das sieht man danach und das ist bis heute so."

Yoram Roth zeigt in seinen Fotografien Emotionen, die Verletzlichkeit. Aber was unterscheidet ein Kunstfoto von einem Pin Up wollen wir wissen?

Yoram Roth (Kunstfotograf)
"Pornographie, Aktfotografie, Pin-up haben sehr wenig gemeinsam, außer der nackten Person. Wir haben ganz spezifisch andere Zielgruppen. In der Pornographie in der Erotika das Ziel, jemanden ein hot sexy Bild zu zeigen. Das hat mit der Fine Nude, also mit den Akt nichts zu tun. In der Aktfotografie hast du natürlich einen nackten Mann, eine nackte Frau, aber es geht um Emotionen, um Körperlandschaften, es geht nicht um Sexualität."

Das war früher anders. Die gute alte Zeit - wer denkt, dass um 1900 die Leute prüde waren, der irrt. Striptease vor laufender Kamera war nichts Ungewöhnliches.

Nacktaufnahmen aus der Jahrhundertwende – zu sehen im Museum für Fotografie. Manche Fotos hatten einen künstlerischen Anspruch, manche bestachen durch skurrile körperliche Haltungen oder Accessoires

Ludger Derenthal
Wir versuchen heraus zu finden, wie der Akt um 1900 öffentlich geworden ist und da zählt die Kunst sehr viel, aber auf der anderen Seite gibt es noch viele andere Bereiche in den die Aktfotografie öffentlich geworden ist


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Postkarten wie diese hier gab es zu tausenden - ohne Zensur. Der Akt wurde nicht mehr nur unter dem Ladentisch heimlich verkauft, er wurde öffentlich

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Wihlelm von Gloeden war der bekannteste Aktfotograf um 1900. Seine Fotos – pornografische Sehnsuchtsbilder, die er geschickt vermarktete

Ludger Derenthal (Leiter Museum für Fotografie Berlin)
"Es fand sich in Reiseführern der Hinweis, wenn man das Bild von Sizilien in seiner Ursprünglichkeit haben wolle, dann möchte man sich doch an Herrn Gloeden in Palermo wenden. wo er ein Geschäft hatte und wo man dann auch diese Aufnahmen zu einem recht günstigen Preis erwerben konnte. Und wurden sie auch verwendet in der ersten schwulen Zeitschrift, die es damals gegeben hat. Der Eigner das heißt da bediente er auch das Interesse der Homosexuellen."

Lust und Laster, die Grenzen zwischen Pornografie und Kunst sind fließend - diese Fotos galten nicht mehr als brav, sie waren pornografisch und wurden von der Polizei konfisziert. Der Akt ein Faszinosum – damals wie heute - das weiß auch Yoram Roth.


Autorin: Yvonne von Kalinowsky