Tanzpremiere - Tanzprojekt 'Masse'

Ballett im Berghain: Am Samstag ist Premiere für das Tanzprojekt "Masse", das erstmals die spektakuläre Heizkraftwerk-Halle des Berghain in Berlin bespielt.

Rohe Betonwände, meterhoch. Säulen, wie in einer Kathedrale. Die Halle am Berghain ist ein rauer Ort. Früher ein Heizkraftwerk. Jetzt die Bühne für ein spektakuläres Tanzprojekt. Noch ist alles sehr geheimnisvoll. Die Aura des Unbekannten soll bis zur Premiere bewahrt bleiben, die Wucht der Halle den Besucher beim ersten Anblick umhauen.

Xenia Wiest (Choreographin)
"Also das erste Mal war erst einmal ein großes Wow."

Xenia Wiest ist eine von drei Choreographen, die für die Halle am Berghain ein Stück entwickelt hat. An solch einem Ort zu arbeiten und aufzutreten – das ist auch für die Tänzer des Staatsballetts etwas Besonderes.

Xenia Wiest (Choreographin)
Man hat hier keine Kulissen, man hat hier nicht die gleichen auf- und Abgänge wie am Theater. Vielleicht nicht jetzt kurz vor der Premiere, da sind alle eher angespannt, aber generell ist es eine eher ausgelassene Situation.

In ihrer Choreographie treffen Gegensätze aufeinander. Grazile Körper, raues Industrieambiente, Licht und eine Musik, die auch im weltberühmten Technoclub nebenan laufen könnte.

Die Musik haben drei DJs aus dem Berghain produziert. Einer davon ist Marcel Fengler. Für professionelle Tänzer zu komponieren war für ihn ganz neu. 

Marcel Fengler (Musikproduzent)
"Hier hat Du eine halbe Stunde, die Du bis auf die Sekunde durchstylst, da muss jeder Einsatz kommen. Im Clubkontext passiert das auf zwei, drei Tracks oder Platten, die man einspielen möchte im Vorfeld, alles andere "comes with the flow"."

Monatelang haben DJs, Choreographen und Tänzer sich immer wieder abgestimmt. Entstanden sind drei ganz unterschiedliche Stücke. Es gibt keine Handlung. Nur ein gemeinsames Thema. Den Begriff Masse. Wie Mikroben, die aus der Urmasse entstehen, winden sich die Tänzer in der Choreographie von Nadja Saidakova.

Musik, Tanz und den Raum – das alles mussten die Choreographen in Einklang bringen. Und sich nicht die Show stehlen lassen vom heimlichen Star des Abends.

Der gigantischen Kesselhalle. Sparsam, aber effektvoll hat der Maler Norbert Bisky für diesen spröden Ort ein Bühnenbild entwickelt. Mit Stahlskulpturen und Requisiten, die wirken, als wären sie schon immer hier gewesen. Wie genau das aussieht, soll bis zur Premiere geheim bleiben.

Norbert Bisky (Maler und Bühnenbildner)
"Was mir ein bisschen geholfen hat, ich habe in den letzten Jahren schon angefangen große Installationen zu bauen, also auch Ausstellungen zu machen, die weitestgehend auf Malerei verzichten. Das hat mir sehr geholfen, mich in dieses Bühnenbild einzudenken."

Für Bisky ist es das erste Mal, dass er ein Bühnenbild entwirft

Norbert Bisky (Maler und Bühnenbildner)
"Wenn ich alleine am Atelier bin, dann bin ich alleine dafür verantwortlich, was ich mache. Aber hier geht es darum, dass die Choreographien und die Tänzer richtig gut aussehen."

Den dritten Teil des Abends bestreitet Choreograph Tim Plegge mit seinen Tänzern. Bei ihm geht es darum, wie Menschen miteinander umgehen – die Masse als soziales Phänomen. Er schafft Bilder, die im Gedächtnis bleiben – ein sinnliches Spiel aus Licht und Schatten, Musik und Bewegung.


Autorin: Birgit Wolske