Architektur -
Sie ist ein einzigartiges Zeugnis des Kalten Krieges. Am Rande Berlins thront sie über der Stadt und ist dem Verfall preisgegeben. Vier junge Autoren beleuchten nun Geschichte und Architektur der geheimen Abhörstation auf dem Teufelsberg und plädieren für den Erhalt des Gebäudes.
Wie ein verlassenes Raumschiff liegt sie da am Rande des Grunewalds. Die Field Station Berlin. So nannten Amerikaner und Briten die Anlage auf dem Teufelsberg, von der aus sie jahrzehntelang den Osten belauschten. Seit 20 Jahren steht sie leer, heute ist es eine Ruine.
Katharina Beckmann und Robert Haesecke-Diesing wollen das Gebäude unbedingt erhalten, für sie ist es ein Denkmal des Kalten Krieges. Die Architektin und der Denkmalschützer haben die einst streng geheime Abhörstation erstmals erforscht und kartografiert. Viele Monate haben sie hier verbracht.
Robert Haesike-Diesing, Denkmalschützer & Autor
"Wir haben auch während unserer Arbeit auch schon festgestellt, dass es ein zunehmendes Interesse an der Anlage und an der Geschichte dieser Zeit gibt. Es gab einen ziemlich regen Zulauf an illegalen Besucher hier oben, die aber interessanter Weise vorrangig aus dem Ausland kamen, das heißt im europäischen und auch im internationalen und vor allem amerikanischen Ausland ist diese Zeit, und das was da passiert ist, mehr im Fokus der Öffentlichkeit."
Der Teufelsberg verbirgt noch mehr Geschichte: unter dem Wald liegt der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät der Wehrmacht, 1939 von Albert Speer geplant. Der Krieg verhindert die Fertigstellung. Nach Kriegsende wird der Rohbau mit den Trümmern Westberlins zugeschüttet. 1957 beginnt die Aufforstung.
Der Teufelberg wird strategisch wichtig, als 1961 die Mauer gebaut wird. Der Kalte Krieg verschärft sich, Spione können jetzt nicht mehr so einfach die Sektorengrenzen passieren. Lauschangriffe im großen Stil sollen jetzt gestartet werden.
Katharina Beckmann und Robert Haesecke-Diesing haben die einzelnen Bauphasen von 1961 bis 1992 dokumentiert. Jahr um Jahr wird die Abhörstation erweitert, um immer mehr Informationen über die Bodentruppen der Ostblockstaaten zu sammeln. Die Alliierten spionieren feindliche Raketen, Panzer und Soldaten aus.
In den 70er Jahren arbeitet der Amerikaner Christopher McLarren auf dem Teufelsberg. Er entschlüsselt abgehörte Botschaften.
Christopher McLarren, Zeitzeuge
"Wir waren mitten drin im Wahrschauer Pakt, wir waren 110 Meilen innerhalb des Wahrschauer Paktes. Wir haben auch damals den Witz gemacht, dass wir Leonid Breschnew beim Zähneputzen abhören können. Das weiß ich nicht, Moskau war ziemlich weit, und ich weiß auch nicht, ob er eine elektrische Zahnbürste gebahbt hatte. Die Frage ist eben auch wie weit konnten wir hören, aber das ist immer noch geheim, tatsächlich ich darf es nicht sagen."
Die Abhörakten der Field Station sind bis heute geheim. Andere Aufzeichnungen wurden hier in einer speziellen Anlage entsorgt und zu Papierballen gepresst.
Nach dem Abzug der Amerikaner und Briten kauft 1996 eine Investorengemeinschaft das Gelände. Sie wollen ein Hotel, Büros und Wohnungen bauen. Doch es gibt Streit zwischen den Investoren: Die Arbeiten werden eingestellt, 2005 wird der Erschließungsplan aufgehoben - ein rechtsfreier Raum entsteht, die Field Station fällt dem Vandalismus zum Opfer. Kaum wieder zu erkennen: Die einst erbaute Musterwohnung mit bester Aussicht.
Katharina Beckmann, Architektin & Autorin
"Mittlerweile sieht es jetzt leider so aus, das Ganze war mal komplett eingerichtet und hat natürlich einen wunderschönen Blick über Berlin. Leider ist das durch Vandalismus stellt es sich in dieser Form hier da, aber es gibt immer noch einen guten Einblick darüber wie sich die Architekten das Wohnen vorgestellt haben."
Für die beiden Denkmalschützer kann nur eine neue Nutzung den totalen Zerfall des Geländes stoppen. Die Field Station soll nicht verschwinden, wie so viele andere Bauten aus der Zeit der deutschen Teilung.
Katharina Beckmann, Architektin & Autorin
"Wir glauben, das in der letzten Zeit, das ist einfach so, in der Berliner Stadtlandschaft viele Denkmale aus der Zeit schon verloren gegangen sind, siehe Berliner Mauer und vielleicht auch Palast der Republik. Die Fields Station ist eine der wenige Anlagen, wo man diesen Abhörprozess, der tatsächlich stattfand auch noch nachvollziehen kann und ist in seiner baulichen Form, in seiner Größe auch einmalig."
Mit Erlaubnis der Investoren nutzt gerade eine Künstlergruppe das Gelände. Bisher sind alle Verhandlungen zwischen den Investoren und dem Land Berlin über einen Rückkauf ergebnislos geblieben. Immerhin gibt es jetzt einen runden Tisch der für Einigung sorgen soll. Aber es wird wohl erstmal weitergehen mit dem Dornröschenschlaf der Field Station Berlin.
Autorin: Margarete Kreuzer
Katharina Beckmann und Robert Haesecke-Diesing wollen das Gebäude unbedingt erhalten, für sie ist es ein Denkmal des Kalten Krieges. Die Architektin und der Denkmalschützer haben die einst streng geheime Abhörstation erstmals erforscht und kartografiert. Viele Monate haben sie hier verbracht.
Robert Haesike-Diesing, Denkmalschützer & Autor
"Wir haben auch während unserer Arbeit auch schon festgestellt, dass es ein zunehmendes Interesse an der Anlage und an der Geschichte dieser Zeit gibt. Es gab einen ziemlich regen Zulauf an illegalen Besucher hier oben, die aber interessanter Weise vorrangig aus dem Ausland kamen, das heißt im europäischen und auch im internationalen und vor allem amerikanischen Ausland ist diese Zeit, und das was da passiert ist, mehr im Fokus der Öffentlichkeit."
Der Teufelsberg verbirgt noch mehr Geschichte: unter dem Wald liegt der Rohbau der Wehrtechnischen Fakultät der Wehrmacht, 1939 von Albert Speer geplant. Der Krieg verhindert die Fertigstellung. Nach Kriegsende wird der Rohbau mit den Trümmern Westberlins zugeschüttet. 1957 beginnt die Aufforstung.
Der Teufelberg wird strategisch wichtig, als 1961 die Mauer gebaut wird. Der Kalte Krieg verschärft sich, Spione können jetzt nicht mehr so einfach die Sektorengrenzen passieren. Lauschangriffe im großen Stil sollen jetzt gestartet werden.
Katharina Beckmann und Robert Haesecke-Diesing haben die einzelnen Bauphasen von 1961 bis 1992 dokumentiert. Jahr um Jahr wird die Abhörstation erweitert, um immer mehr Informationen über die Bodentruppen der Ostblockstaaten zu sammeln. Die Alliierten spionieren feindliche Raketen, Panzer und Soldaten aus.
In den 70er Jahren arbeitet der Amerikaner Christopher McLarren auf dem Teufelsberg. Er entschlüsselt abgehörte Botschaften.
Christopher McLarren, Zeitzeuge
"Wir waren mitten drin im Wahrschauer Pakt, wir waren 110 Meilen innerhalb des Wahrschauer Paktes. Wir haben auch damals den Witz gemacht, dass wir Leonid Breschnew beim Zähneputzen abhören können. Das weiß ich nicht, Moskau war ziemlich weit, und ich weiß auch nicht, ob er eine elektrische Zahnbürste gebahbt hatte. Die Frage ist eben auch wie weit konnten wir hören, aber das ist immer noch geheim, tatsächlich ich darf es nicht sagen."
Die Abhörakten der Field Station sind bis heute geheim. Andere Aufzeichnungen wurden hier in einer speziellen Anlage entsorgt und zu Papierballen gepresst.
Nach dem Abzug der Amerikaner und Briten kauft 1996 eine Investorengemeinschaft das Gelände. Sie wollen ein Hotel, Büros und Wohnungen bauen. Doch es gibt Streit zwischen den Investoren: Die Arbeiten werden eingestellt, 2005 wird der Erschließungsplan aufgehoben - ein rechtsfreier Raum entsteht, die Field Station fällt dem Vandalismus zum Opfer. Kaum wieder zu erkennen: Die einst erbaute Musterwohnung mit bester Aussicht.
Katharina Beckmann, Architektin & Autorin
"Mittlerweile sieht es jetzt leider so aus, das Ganze war mal komplett eingerichtet und hat natürlich einen wunderschönen Blick über Berlin. Leider ist das durch Vandalismus stellt es sich in dieser Form hier da, aber es gibt immer noch einen guten Einblick darüber wie sich die Architekten das Wohnen vorgestellt haben."
Für die beiden Denkmalschützer kann nur eine neue Nutzung den totalen Zerfall des Geländes stoppen. Die Field Station soll nicht verschwinden, wie so viele andere Bauten aus der Zeit der deutschen Teilung.
Katharina Beckmann, Architektin & Autorin
"Wir glauben, das in der letzten Zeit, das ist einfach so, in der Berliner Stadtlandschaft viele Denkmale aus der Zeit schon verloren gegangen sind, siehe Berliner Mauer und vielleicht auch Palast der Republik. Die Fields Station ist eine der wenige Anlagen, wo man diesen Abhörprozess, der tatsächlich stattfand auch noch nachvollziehen kann und ist in seiner baulichen Form, in seiner Größe auch einmalig."
Mit Erlaubnis der Investoren nutzt gerade eine Künstlergruppe das Gelände. Bisher sind alle Verhandlungen zwischen den Investoren und dem Land Berlin über einen Rückkauf ergebnislos geblieben. Immerhin gibt es jetzt einen runden Tisch der für Einigung sorgen soll. Aber es wird wohl erstmal weitergehen mit dem Dornröschenschlaf der Field Station Berlin.
Autorin: Margarete Kreuzer


