Portrait -
Bekannt geworden ist er mit verschachtelten, Abenteuerspielplätzen ähnelnden Bauten und labyrinthisch-rätselhaften Filmen. Jetzt ist der Künstler John Bock zur Biennale nach Venedig eingeladen. "Stilbruch" trifft ihn kurz vor der Abreise.
Es ist, als blicke er mit anderen Augen auf unsere Welt. Spielerisch sieht das aus, was der Aktionskünstler John Bock so treibt. Und dann stellt er sich doch ein; dieser Aha-Effekt. Beispielsweise wenn er sich in kafkaesken Situationen verheddert: fühlt es sich nicht manchmal genau so an, das Leben? Absurde, erstaunliche Realitäten erfindet er in seinem Weddinger Atelier; deshalb wurde er zur Biennale in Venedig geladen.
John Bock, Künstler
"In dem Fall bin ich nicht so der Akteur in Venedig, sondern die Made. Ich lasse ein Haus bauen für eine lebende Made. Es geht eigentlich um die Huldigung der Made. Und die Made gebärt sich ja regelrecht aus dem toten Körper heraus. Das ist eine so eine Art Hommage an das, was nach unserem Tod kommt. Und dann sagt man: "Ja, es ist Ekel" und dann ist es wieder kein Ekel, und dann sieht man doch die Made ganz anders. Im Zoo sieht man keine Maden und deshalb zeig ich jetzt mal eine Made in Venedig."
Venedig. Ein Tempel für die Made, inmitten der weltweit wichtigsten Kunstshow. Eine Muse besingt den Wurm… man kann John Bock gewiss nicht vorwerfen, dass er sich dem Publikum anbiedert und auch Anregungen von Kuratoren ignoriert er konsequent. John Bock macht, was er will.
John Bock, Künstler
"Ich mach so meine Vorstellung in der Zeitblase, in der ich jetzt gerade bin, zwischen Jetztzeit und Späterzeit da bin ich dann irgendwie in dieser Molke-Me-Mind und dann verwirre ich mich dann da. Und dann kommt auf einmal diese Made raus."
Nicht zum ersten Mal: Auch in seinem jüngsten Film würdigt er diesen Parasiten. Was viele eklig finden, setzt er ästhetisch in Szene.
Eigentlich jedoch geht es in seinen Filmen um Halluzinationen, zweifelhafte Identitäten; Mit diabolischer Lust berserkert John Bock in der Filmgeschichte herum. Dazu hält er groteske Vorträge oder baut labyrinthisch wuchernde Installationen. Die Welt des John Bock, inzwischen ein angesehener Hochschul-Professor, ist erfrischend frei von Normalität. Sollte man meinen.
John Bock, Künstler
"Ich hab ja auch zu tun mit einkaufen, Kind abholen, essen wir Currywurst oder wird es Sushi? Da ist man als Künstler nicht gleich die tolle Sache und man schwebt auf dem Boden und erbaut Utopien. Das ist ja gar nicht so. Dann kommt auch noch das Finanzamt, während du Sushi isst. Dann schmeckt das auch nicht mehr."
Trotz Spaßbremse Finanzamt: bei John Bock wird auch das Alltägliche zum skurillen Happening. Köstlich, was so passieren kann, wenn John Bock in Japan Nudelsuppe isst.
John Bock
"Und das Milchfieber kann dann rausströmen aus den idealtypischen Isoquanten und dann kann man die Nudeln essen.“
Milchfieber und Isoquanten: John Bock jongliert mit Begriffen aus der Land- und der Betriebswirtschaft; es sind die Überbleibsel seines Lebenslaufs: Geboren auf einem friesischen Bauernhof, studiert John Bock zunächst BWL, bevor er sich als "Spitzbube" der Kunst austoben kann. Auf der Documenta 2002 verkriecht er sich in einem Erdloch. Um (den schönen Schein,) die perfekte Ästhetik von angesagten Künstler-Großverdienern ging es ihm nie..
John Bock, Künstler
"Koons, oder der andere: Hirst, das sind doch tolle Typen, die erleichtern mir die Arbeit , weil sie auf der Nachbarkoppel arbeiten. Die Leute bauen Mais an und Hafer. Oder Weizen. Und ich baue Löwenzahn an."
Unkraut-Kunst? John Bocks Werk ist bewusst dilettantisch, gekonnt trashig, intelligent-verblüffend und vor allem … sehr komisch.
Autorin: Petra Dorrmann


