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STILBRUCH
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Günther Lamprecht (Quelle: rbb)

Do 14.01.10 22:05

Im Portrait

Der Schauspieler Günter Lamprecht

Er war der Franz Biberkopf in Fassbinders Verfilmung von "Berlin Alexanderplatz", der kantige Berliner Tatort-Kommissar Franz Markowitz, er steuerte als Kapitän Weser "Das Boot" - nun feiert Günter Lamprecht seinen 80. Geburtstag.

Für 50 Pfenning ist er oft von der Jannowitzbrücke gesprungen. Damals, als er noch ein Junge war. Sein Herz schlägt immer noch für Berlin, obwohl er seit Jahren in Köln wohnt. Seine "Lebensrolle" ist der Franz Biberkopf in "Berlin Alexanderplatz". Günter Lamprecht war für Fassbinder die Idealbesetzung dieses gebrochenen Helden.

Günter Lamprecht, Schauspieler
"Ich bin nun mal ein Arbeiterkind und bin also groß geworden in Neukölln und am Alexanderplatz. Und da bin ich zuhause und gucke auf die Dinge anders, sozialkritisch, sag ich mal jetzt so."

Taxi-Willy, sein Vater, stand für viele Rollen Pate. Im Kleineleutemilieu, dem alten SO 16 in Mitte wächst Günter Lamprecht auf. Die Mutter geht putzen.

Günter Lamprecht, Schauspieler
"Die war auch immer tagsüber unterwegs und ja, die hat auch nachts gearbeitet, um in Büroräumen zu putzen. Ich war auch Schlüsselkind, ich war auch sehr oft eingeschlossen."

Der Vater ist begeisterter Nationalsozialist und meldet sich 1939 freiwillig an die Front. Der 9jährige Günter unterstützt die Mutter.

Günter Lamprecht, Schauspieler
"Ich hab' immer irgend 'nen Job gefunden. Irgendwas war immer. Als Junge schon. Es gab ja früher den berühmten schlesischen Bahnhof am Küstriner Platz, da bin ich dann Koffertragen gegangen als Junge. Da haben die Leute immer gesagt, was will der Koffer mit dem Kleenen. Die Dinger waren so groß. Ich hab' das geschleppt für 'nen Fuffziger oder 'ne Mark."

Orthopädiehandwerker wird er nach dem Krieg. Er trainiert für eine Profiboxerkarriere. Umwege, die hilfreich waren, meint er heute. Ende der 80er Jahre lässt er sich den Tatortkommissar Franz Markowitz "auf den Leib schreiben", einer der mit der U-Bahn fährt und auch mal an der Ecke eine Currywurst isst.

Günter Lamprecht, Schauspieler
"Wie Maigret in Paris arbeitet. So einen machst du jetzt in Kreuzberg und Neukölln. Einen, der da aufgewachsen ist. Ich kenne jede Ecke, und da muss der hin und der ist sozialkritisch und der kennt die Leute auch. Da ist natürlich viel Lamprecht drin. Da ist 70% Lamprecht in dieser Figur, dieser Mensch Makowitz."

Ein sensibler Typ mit kühlem Kopf. Am liebsten kommt er ohne Waffe aus. Mitte der 90er kommt das Aus für seinen Kommissar. Es ist kein leichter Abschied.

Günter Lamprecht, Schauspieler
"Na, ja, das ist so ein Stück von mir selber, was da weggeht."

Lamprecht bringt seinen Markowitz auf die Bühne. Die letzte Vorstellung ist im Herbst 1999 in Bad Reichenhall. Ein Alptraum: Nach dem Auftritt geraten Günter Lamprecht und seine Lebensgefährtin Claudia Amm zufällig in die Schusslinie eines 16jährigen Amokläufers. Beide überleben schwer verletzt.

Günter Lamprecht, Schauspieler
"An jedem 1. November feiern wir Geburtstag. Das war ja am 1. November, Allerheiligen. Das hat schon was bewirkt diese Schießerei, dass man eigentlich noch dankbar ist, so zu leben."

Und er hat etwas Neues entdeckt: das Schreiben. Erinnerungen an eine Kindheit an der Spree:

Günter Lamprecht, Schauspieler
"Unser Hauptspaß bestand damals darin, die Beiboote zu entern. Vier Mal Treptow und zurück."

Autorin: Dagmar Wittmers

Dieser Text gibt den Sachstand vom 14.01.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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