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Ab 1937 sollte es nur noch "deutsche Kunst" geben – und die wurde in der "Großen Deutschen Kunstausstellung" gezeigt. Jetzt wird die Geschichte der Propaganda-Ausstellungen aufgearbeitet – im Internet.
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Der verhinderte Künstler Adolf Hitler als Großkurator: So inszeniert sich der Diktator auf den "Großen Deutschen Kunstausstellungen“ im Münchner Haus der Kunst. Auf der Verkaufsausstellung hing, was ihm gefiel: viel Kitsch. Seinem rassistischen Weltbild entsprechend - Idealbilder der deutschen Nation. Immer herrschte großer Andrang.
Weltausstellung 1937. Das ganze Volk nimmt mit offenem Herzen Anteil am Kunstschaffen der Gegenwart.
Das Beste, Schönste sollte gezeigt werden; jahrelang galten diese Bilder als "kontaminiert". Jetzt ist die "NS-Großkunst" erstmals im Internet zu sehen. 11.000 Kunstwerke von 2.500 Künstlern – eine riesige Datenbank! Dürfen diese Bilder gezeigt werden, sind sie ideologisch "gefährlicher"?
Christian Fuhrmeister, Kunsthistoriker
"Wir haben sozusagen den sterbenden SA-Mann oder den vorwärtsstürmenden Grenadier nach Kriegsbeginn. Diese Werke gibt es – die machen Größenordnungsmäßig etwas aus zwischen drei und acht oder maximal zehn Prozent, wenn man es etwas weiter auslegt. Die große Masse der Werke ist dezidiert unpolitisch."
Kitschig erscheinen Werke wie die von Adolf Ziegler, dem sogenannten "Schamhaarmaler". Er war einer der Lieblingskünstler von Hitler. Diese "Grazien" hingen 1937 in der Großen Deutschen Kunstausstellung – und sind jetzt online zu sehen. Christian Fuhrmeister ist einer der Münchner Wissenschaftler, die die Online-Datenbank erstellt haben. Die Grundlage: Alte Fotoalben von den Ausstellungen - Fundstücke aus dem Keller des Münchner Museums. Hier lagerten auch Listen: Wer hat wie viel für welches Bild bezahlt? Jetzt ist alles in einer Online-Datenbank einzusehen. Kunst für sieben Millionen Reichsmark hat Hitler auf den Münchner Ausstellungen eingekauft. Für diesen Akt von Adolf Ziegler hat er 10.000 Reichsmark gezahlt. Inzwischen hängt das Bild im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Natürlich als Paradebeispiel für Kunst im Nationalsozialismus. Rund 700 Werke aus Hitlers Sammlung lagern in den Archiven des Deutschen Historischen Museums, nur eine Handvoll werden ausgestellt – wie dieses sehr "deutsch" wirkende Familienidyll: Sinnbild für die nationalsozialistische Familie. Monika Flacke betreut die Sammlung, recherchiert die Biographien der Künstler und hat auch an der Online-Datenbank mitgewirkt. Jetzt erfährt man mehr über die Motive der Künstler, die für Hitler malten.
Monika Flacke, Historikerin, Deutsches Historisches Museum
"Es gibt Werke von Künstlern, die mit dem Nationalsozialismus wenig zu tun hatten und es sind Werke von Künstlern dabei, die ganz viel mit dem Nationalsozialismus zu tun hatten. Also, ich hab mir die Akten angesehen im Bundesarchiv, es sind Künstler dabei ,die gar nicht wussten, wie sie sich ernähren sollten und froh waren, wenn sie mal ausstellen konnten."
Einer der diese Sorgen nicht hatte: Franz Eichhorst. Mit 56 Bildern ist er der am häufigsten auf den Kunstausstellungen vertretene Künstler. Seine Motive: Portraits, Landschaften, Kriegsbilder. Hitler zahlt stolze Preise für seine Werke. Aber wer war er? Die Biografie im Internet: Dürftig, 1885 in Berlin geboren. Im Künstlerlexikon erfahren wir: Er war Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Im Archiv der Akademie der Künste sucht der Historiker Michael Krejsa nach Informationen. 1938 lässt er festhalten: Er ist nicht Parteimitglied der NSDAP! Aber 1941 wird er zum Vorsitzenden des Vereins der Berliner Künstler bestellt; ein Amt von Goebbels Gnaden.. Bilder, die an den Durchhaltewillen appellieren. Wer war er also? Und er malt in Stalingrad, Im Schützengraben
Michael Krejsa, Historiker und Archivar, Akademie der Künste
"Auffällig ist jedoch dass er 1943 dann ausgeflogen wird, das vermerken zumindest die Biografen, das heißt schon – also ich würde das als Historiker so bewerten, dass es doch schon eine gewisse Sonderstellung seiner Person im kulturpolitischen Gefüge gegeben hat."
Franz Eichhorst wird 1938 von Hitler persönlich zum Professor ernannt. Und im Parteiauftrag malt er den Festsaal des Rathaus Schöneberg aus mit Hakenkreuz, Flaggen und Kampfbildern. All das ist heute unbekannt. Nach dem Krieg hat er so weitergemacht als sei nichts gewesen. Seine Bilder werden noch immer gehandelt. Wer wie Monika Flacke seine Geschichte kennt, wird die Eichhorst-Gemälde nicht mehr harmlos finden. Er stirbt 1948. Betrauert wird er als ein "edler Mensch" und "großer Künstler". Seine Propaganda für Hitler bleibt unerwähnt. Solche Geschichten aufzuarbeiten – das wird das große Verdienst dieser Datenbank sein.
Autorin: Petra Dorrmann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_01_12/ns_datenbank.html