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STILBRUCH
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Do 01.12.11 22:30

Neues Theaterstück

Mit dem "Kirschgarten" eröffnen die Sophiensaele wieder

Eines der Markenzeichen der Sophiensaele ist - neben den Inszenierungen - die herrlich marode, herabbröckelnde Stuckfassade. Jetzt wurde saniert und die Sophiensaele wagen einen Neustart. Ob der Charme und die Patina dabei erhalten blieb?

Wenn Franziska Werner zur Arbeit fährt, dann landet sie direkt auf einer großen Baustelle -den Sophiensaelen. Sie kennt sie schon aus einer Zeit, als sie noch Studentin war und erste Stücke hier inszeniert hat. Jetzt ist sie die neue künstlerische Leiterin. Kerstin Müller ist Geschäftsführerin, zusammen bilden sie die Doppelspitze dieses Theaters. Seit 6 Monaten wird hier saniert.

Franziska Werner und Kerstin Müller
"Ok, das ist jetzt die Farbauswahl."
 "Wir müssen Tür- und Wandfarbe bestimmen. Das Rot für den Boden haben wir ja schon ausgesucht. Die Dreierkombi ist schön und passt auch gut zu den alten Sachen."
 "Gut, dann kann ich dir schon mal den neuen Boden im Foyer zeigen.“
"Aber Vorsicht."
"Das sieht aber super aus. Das war ja echt immer die Sorge. Hoffentlich ist es nicht so ein krasser Unterschied zu dem alten Boden, der ja sehr schön war, aber einfach zu kaputt."

Die Sophiensaele sind ein wichtiger Ort für die freie Tanz- und Theaterszene, bekannt für gutes Theater, aufgeführt in einer einmaligen Kulisse. Die Sanierung war dringend notwendig. 2,3 Millionen Euro werden investiert. Das Haus muss sicherer werden. Nur so darf es als Spielstätte weiter genutzt werden.

Kerstin Müller, Geschäftsführerin Sophiensaele
"Wir mussten die ganze Galerie unten sandstrahlen lassen und mit Brandschutzmitteln anstreichen lassen, um die Auflagen zu erfüllen. Dadurch ist es in Zukunft uns auch möglich bis zu 250 Zuschauer in den Saal zu lassen. Und wir haben eine Be- und Entlüftung eingebaut ins Gebäude, die wir hier im Festsaal versucht haben ganz unsichtbar einzubauen, damit der marode Charme erhalten bleibt."

Für Devid Striesow ist es etwas besonders hier bei der Eröffnung zu spielen, gemeinsam mit der Schweizerin Ursina Lardi. Beide kennen sich schon lange, haben gemeinsam an der Schauspielschule Ernst-Busch studiert. In einer Woche ist die Premiere - und zwar hier?

Devid Striesow und Ursina Lardi, Schauspieler
Devid Striesow: "Dann können wir im Prinzip ja loslegen, Text steht und bitte – …"
Ursina Lardi: "Ja, aber bitte mit den Maschinen…"
Devid Striesow: "Nein, ich hab mir das jetzt viel veränderter vorgestellt. Es ist viel Altes geblieben, der Charme ist geblieben."
Ursina Lardi: "Dann wären wir geschockt gewesen, wenn es jetzt alles piekfein gewesen wäre. Aber so ist es doch super."

Zur Zeit proben die beiden für Anton Tschechows – "Der Kirschgarten" – mit oder ohne Hund.

Devid Striesow und Ursina Lardi, Schauspieler
Devid Striesow: "Also inhaltlich geht es so, dass eine Frau auftritt, eine Zauberin mit einem Hund, einem Hündchen an der Leine und sagt den Satz:"
Ursina Lardi: "Mein Hund frisst auch Nüsse. Ein wunderschöner Satz."
Devid Striesow: "Wir haben es vorgestern ausprobiert, er hat sehr gut mitgespielt, er war einfach lauter als alle anderen."
Devid Striesow: "Der Hund ist unbesetzt. Es führt ein Kanarienvogel."
Ursina Lardi: "Ich habe schon meine Ratte vorgeschlagen, aber sie liegt im Sterben, aber auch eine sterbende Ratte fänd’ ich gut."

Wer durch das Haus geht, merkt, der Ort hat seine Geschichte: 1904 als Handwerkerverein gegründet, später versammelt  sich in den Sophiensälen die linke Arbeiterbewegung. Zur NS-Zeit müssen Zwangsarbeiter hier Propaganda drucken. Dann in der DDR als Schreinerei genutzt, zieht 1996 schließlich die freie Theaterszene ein.

Franziska Werner, künstlerische Leiterin Sophiensäle
"Ich wünsche mir für die Zukunft, dass die Sophiensäle so ein lebendiger Ort bleiben wie ich auch noch aus den 90er kenne, d.h. man geht auch hin ohne zu wissen, was kommt, weil man einfach denkt, man sieht da ein interessantes Programm, ich treffe interessante Leute oder ich habe interessante Gespräche."

Dass die Atmosphäre so offen und kreativ bleibt, dafür wird Franziska Werner sorgen.


Autorin: Wiebke Keuneke

Dieser Text gibt den Sachstand vom 01.12.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Neues Stück

Thorsten Lensing & Jan Hein
Anton Tschechow - Der Kirschgarten
mit David Striesow

Sophiensæle
Festsaal
Sophienstraße 18
10178 Berlin-Mitte

Premiere: 09.12.2011, 20 Uhr

Weitere Aufführungen
10. - 11.12.2011, 20 Uhr und
16. - 18.12.2011, 20 Uhr

Karten: 18 - 12 Euro

[sophiensaele.com]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_01_12/wiedereroeffnung_der.html

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