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In Russland gilt er als der größte Liedermacher des 20. Jahrhunderts: Wladimir Wyssozki. Er hat über Themen gesungen, die es in der Sowjetunion nicht geben durfte: Prostituion, Verbrechen, Antisemitismus. Heute kommt ein Spielfilm über ihn in die Kinos.
Wladimir Wyssozki ist in Russland eine Ikone. Bis heute. Ein Nationalheiliger, der mit seinen Lieder der Staatsmacht gefährlich wurde. Ein singender Puschkin des 20.Jahrhunderts. Als er am 25.Juli 1980 starb – mit 42 Jahren – wurde seine Beerdigung zu einer Prozession. Und einem stillen Protestmarsch – gegen die Staatsmacht. Über hundertausend Menschen kamen, obwohl man seinen Tod offiziell verschwiegen hatte. Niemals zu vor und niemals danach gab es eine solche Trauerzeremonie – für einen so brüchigen Helden…
Michael Schlicht, Ko-Produzent
"Er hat Drogen genommen, er war Alkoholiker, er war einerseits von den Machthabern geliebt, weil sie ihn einerseits zu seinen Konzerten zu Hause eingeladen haben, aber die selben haben ihn nicht veröffentlicht, nicht gefördert, mit dem Theater durfte er durch die Welt reisen, er durfte eine Französin heiraten, hat das auch gemacht, weil er sich verliebt hat. Er war einer der ersten, der mit einem Mercedes durch Moskauer Straßen gerast ist. Er war eine sehr kontroverse Persönlichkeit eben."
Über eine Legende wie Wyssozki einen Spielfilm zu drehen ist - ein Wagnis: Denn wie nähert man sich einem Idol, das jeder Russe persönlich zu kennen glaubt? Indem man eine fast wahre Geschichte erzählt: Der KGB hat Wyssozki im Visier. Er will ihn – endlich - auf einem seinen illegalen Konzerte im Juli 1979 verhaften. Wyssozki fürchtet nicht den KGB. Ihn verfolgen ganz andere Ängste…
Filmausschnitt
"Wissen Sie, dass ist so wie in einem Bergwerk. Seine Ressourcen sind bereits erschöpft. Es hat aber immer weiter und tiefer gegraben."
Der reale Wyssozki verstand es auf seinen Konzerten eine Atmosphäre zu schaffen, als säßen gute Freunde bei einem Bier zusammen und er erzählt ihnen von seinem Leben. An diesen Wyssozki kann sich auch Michael Schlicht erinnern. 1976 studierte er in Moskau am Institut für internationale Beziehungen. Er erlebte, wie selbst an dieser Diplomatenkaderschmiede Wyssozkis Lieder auf herumgereichten Kassetten gehört wurden.
Michael Schlicht, Ko-Produzent
"Es hat keine einzige offizielle Schallplatte gegeben bis zu seinem Tode. Aber in allen Wohnungen hat man seine Musik gehört. Meistens in Küchen, denn damals war das so Mode – heute eigentlich auch noch bei den Russen – dass man sich mehr in der Küche aufhält, wenn Freunde da sind."
Wyssozki schrieb über 500 Lieder, fast jedes konnten die Russen mitsingen. Er sang so glaubhaft vom Krieg, vom Knast, vom Soldatendasein, dass jeder dachte: Das hat der Wyssozki selbst erlebt. Seine Liebeslieder sind so kraftvoll, seine Alltagslieder so kritisch, dass ihn nicht nur alte Männer für seinen Mut, seine Ehrlichkeit bewunderten…
Wyssozki wurde als Schauspieler berühmt. Als Hamlet und tatsächlich, selbst wenn er sang, schien er die Frage nach Sein oder Nicht Sein zu stellen. Welcher Schauspieler würde es wagen, diesen Mythos.
im Film zu verkörpern? Das ist bis zur Premiere ein – Geheimnis: Unter der aufwendigen Maske steckt ein bisher unbekannter Schauspieler…
Michael Schlicht, Ko-Produzent
"Der Wyssozki ist so polarisierend, dass jeder Schauspieler, den wir genannt hätten, wäre zerrissen worden von vornherein. Es hätte keinen einzigen Schauspieler gegeben, dem man das abgekauft hätte und uns hätte man in der Luft zerrissen als Produzenten, wie könnten wir es wagen, einen Film über Wyssozki zu machen."
Filmausschnitt
"Gottvater, ich möchte dass es allen gut geht. Von Anfang bis zum Ende. Allen, die leben und alle, die schon tot sind."
Überwacht vom KGB, hat Wyssozki gerade seinen eigenen Tod überlebt. Acht Minuten war er klinisch tot, bis ihn sein Arzt wieder ins Leben holte. Das ist in den Akten verbürgt. Ob es ihn für ihn eine Rettung war, nicht…
Filmausschnitt
"Gibt mir Kraft, auszusprechen, wie sehr ich sie liebe. Denn ich bin für irgendwas da und sie sind nicht grundlos bei mir. Ich werde es irgendwann verstehen. Vielleicht bin ich deswegen heute nicht gestorben, um herauszufinden, weshalb ich lebe."
Michael Schlicht, Ko-Produzent
"Wenn der Zuschauer die ersten 20 Minuten übersteht, dann wird er aufgesogen und wahrscheinlich Tränen in den Augen haben. Es gibt eben Persönlichkeiten, die die Flämmchen, nach denen sie gelaufen sind, die haben sie ausgeblasen."
Auch ohne Tränen kann man sich auf diesen Film über Wyssozki einlassen. Er macht in den besten Momenten neugierig auf einen wütend-melancholischen Rebellen…
Autorin: Marina Farschid
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_01_12/wladimir_wyssozki.html