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STILBRUCH
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Do 02.02.12 22:15

100 Jahre Babelsberg

Am 12. Februar 1912 fiel auf dem Studiogelände die allererste Klappe - für "Der Totentanz" mit Stummfilmstar Asta Nielsen. Jetzt wird das 100-jährige Jubiläum offiziell gefeiert. Ein Blick hinter die Kulissen der Babelsberger Traumfabrik.

Das Studiogelände in Babelsberg - nur ein paar große Hallen im Winterschlaf. Und das soll unsere Traumfabrik sein?

Tom Tykwer, Regisseur
"Jeder von außen, der fragt dich ja immer, was ist denn das Besondere an so einem Studio? Das sind ja wirklich nur, also, die denken immer die ganzen Filme, die hier gedreht werden, wären noch in den Hallen, und das ist ja gerade der Witz am Studio, dass sie immer wieder quasi neue Tische sind, die gedeckt werden und immer wieder komplett abgeräumt werden und dass es eine einzige große Projektionswand der Fantasie ist."


Der blaue Engel, Münchhausen, Paul und Paula - die Filme machen den Zauber aus.

Die Geschichte beginnt hier, in einer ehemaligen Kunstblumenfabrik. Beim Sonntagsspaziergang hat sie ein Filmpionier entdeckt. 1912 wird eine Glashalle angebaut: "Der Totentanz" mit Stummfilmstar Asta Nielsen wird der erste Babelsberg-Film.

Die Tonhallen, die später gebaut werden, sind die modernsten der Welt. Bis heute wird in ihnen gedreht. Ulrich Illing war früher Leiter der Tonabteilung.

Ulrich Illing, ehemaliger Chef der Tonabteilung Studio Babelsberg

"Das ist heiliger Tonfilmboden. Wir befinden uns hier in der Westhalle des Tonkreuzes, der so genannten Ton West. Dieses Ton-Großatelier wurde 1929 binnen fünf Monaten gebaut, weil der Tonfilm boomte. Hier hat also auch Marlene Dietrich gedreht. Das wissen wir sicher. Sie hat auch noch in anderen Ateliers... aber wie gesagt, hier ist Marlene Dietrich lang geschritten."


Die 20er und 30er Jahre ist die Zeit der großen Welterfolge. Mit der UFA entsteht eine Filmfabrik, die alles versucht, um die Ideen der Regisseure umzusetzen.

Auf Kulissenbau ist man in Babelsberg bis heute spezialisiert. Robert Krüger weiß, wie viel Arbeit eine Illusion machen kann. Seit 25 Jahren arbeitet er als Kulissenmaler. Das Staunen hat er darüber nicht verlernt.

Robert Krüger, Kulissenmaler
"Irgendwo in Nauen haben wir für die 'Inglorious Basterds' einen ganzen Straßenzug verändert. Was da passiert ist, und wie viel Geld das alles kostet - das kann man sich nicht vorstellen. Da wurden ganze Eingänge, ganze Fassaden umgestrichen, und und und…"

Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino dreht seine Nazi-Persiflage in Babelsberg. Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte "Berliner Straße": Robert Krüger hat sie schon oft umgestaltet - zum Beispiel als Quentin Tarantino plötzlich ein Sportgeschäft brauchte.

Robert Krüger, Kulissenmaler
"Wenn ich nur an diese Lücke zum Beispiel denke, da wollte Quentin Tarrantino, dass über Nacht ein Sport Store eingerichtet und eingebaut wird, und wir haben den bei Minusgraden hier ein Sport Store eingebaut. Und dann muss man sich vorstellen, Wasserfarben und Minusgrade passen ja nicht so gut zusammen. Also, erstmal war es furchtbar kalt, es war eine lange Nacht und es ist im Film nicht einmal drin, ja."

Kurz nach dem Krieg, 1946 entsteht der erste DEFA-Film. "Die Mörder sind unter uns" - mit notdürftiger Technik, inmitten der Trümmer von Berlin.

Heute wird die Trümmerlandschaft künstlich erschaffen. Zum Beispiel in Jüterbog. Ein altes Kasernengelände wird zur Filmkulisse für Roman Polanskis Film "Der Pianist". Sebastian Krawinkel war damals sein Szenenbildner und hat für das Bild vom kriegszerstörten Warschau Bagger dirigiert.

Sebastian Krawinkel, Szenenbildner

"Ich habe das so eine Art Baggerballett genannt. Ich stand in der Mitte, hatte die Zeichnung in der Hand, rechts und links jeweils ein Bagger mit so einem 12 Meter langen Arm mit so Greifern oben dran. Und die haben dann einfach das Haus, die Wände abgekratzt, die Dächer zerstört, Wände rausgerissen - bis es dann aussah wie auf der Zeichnung."

Von außen kann man nicht erahnen, was hier für Geschichten erzählt wurden und immer noch werden. Wenn ein Film seine Premiere feiert, wird in den Hallen von Babelsberg schon längst wieder gearbeitet, an der nächsten Illusion.


Autoren: Vanessa Loewel, Steffen Prell

Dieser Text gibt den Sachstand vom 02.02.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Studio Babelsberg

[www.studiobabelsberg.com]

Mehr Infos

100 Jahre Babelsberg

Der rbb Programmschwerpunkt vom 30.01. bis 05.02.2012. [Babelsberg - 100 Jahre Film]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_02_02/100_jahre_babelsberg.html

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